Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1854)
- Date
- 1854-10-30
- Page
- Seite 558 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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558 les israelites,“ ^icr bcr „Salle d’asile communale isra&* lite.“ Es sind Lies die auf Kosten der Stadt Paris erhaltenen israelitischen Schulen; es giebt außerdem noch ein „salle d’asile“ d. h. Kinderb ewahranstält, vom Consistorial-Comite unterhalten, so wie noch eine Gemeindeschule .auf Kosten, der Gemeinde errichtet wird, welche 10,000 Frcs. jährlich verbrauchen wird. Die Anstalten, welche.wir gesehen, befassen 1200 Schüler, und Schülerinnen, und man kann daraus entnehmen, daß die Angabe von 18,000 Israeliten in Paris nicht übertrieben ist. — . Zm untern Geschoß die Kinderbewahranstalt, unter der Madame Söder. 3ch muß gestehen, daß ich hier das Vorzüglichste, in seiner Art fand. Der große Raum, höchst angemessew. eingerichtet, die Anordnung überschaulich, die Beschäftigung sehr zweckmäßig. Mit einer Dose, deren Deckel. einenstarken Schall giebt, dirigirt die Lehrerin die vielen -Hundert Kinder,! sie stehen von ihren Bänken auf, sie wenden rechtsum, eines hinter dem andern, sie legen — Alles nach dem Commando — ihre Händchen auf die, Schultern des Vormannes, jetzt wird ein Liedchen intonirt,, das sie singen, und nach dessen Tact sie, sich von einem Fuß auf den andern wiegend, zugleich vorwärtsziehen, ein Amphitheater hinauf, Reihe nach Reihe, Glied nach Glied,, dann wieder hinunter, in verschiedenen Figuren, bis sie ganz andere Plätze einnehmen. — Allerdings weniger befriedigt ward ich von den in den oberen Stockwerken befindlichen Knaben- und Mädchenclassen „gegenseitigen Unterrichts." Was irgend zu leisten ist, wird von dem Director Herrn Tröves und dessen Gehülfen, Herrn Leopold, geleistet. Allein dieses Schulsystem hat nicht blos Schwierigkeiten, sondern auch Grenzen in der Natur der Sache. Wir wissen sehr wohl, daß eine soungeheure Schülerzahl bei so wenigen Lehrern ein anderes System nicht zuläßt, aber — dann muß eben ein anderes eingeführt werden! 3 — 400 Schüler für einen Lehrer! Herr Großrabbiner Isidor eraminirte in meiner Gegenwart, zuerst Knaben, dann in der Mädchenschule, und zwar im Hebräischen, und ich gestehe gern, zu großer Befriedigung, sie lasen gut, sie übersetzten die Gebete gut, die Knaben gaben Auskunft über den grammatikalischen Werth der Formen. Aber es war immer nur eine Bank. Ringsum standen Hunderte an den Wänden in kleinen Gruppen, welche um einen etwas altern Knaben sich aufgestellt,- der sie im Lesen übte. Also eine kleine Anzahl wird immer unterrichtet hervorgehen, aber die große Mehrzahl kann, nur sehr oberflächliA -'bleiben.... Ich! spreche allerdings nur nach, .was mir wiederholt in Paris gesagt worden, , daß! überhaupt die. Institute! daselbst "mehr auf das Aeußere-- /Glänzende als auf gründlichm- Ünterricht und sittliche Erziehung sehen. Jedes Institutringt nur danach, bei' den! öffentlichen Concursen recht - viele l Preise davonzutragen,. damit in den öffentlichen Blättern''; diese namhaft gemacht und sie eu vogue gebracht werdem Diese Preise werden aber nur den glänzenden Beweisen. einiger ausgezeichneten und dazu eingeschulten Zöglingen ertheilt, während die tiefere und alle Zöglinge befassende Einwirkung unbemerkt bleibt. Wir hatten dies - freilich schon vor langer Zeit in den classischen Erpectorationen des lierrnite de la Chaussee ■ d’Antin gelesen — aber auch aus dem modernsten Paris wurde es uns insinuirt. — Paris hat zwei große Tempel, den Consistorialtempel in der nie Notre -Damede -Nazareth Nr. 15 und den portugiesischen in der rue Lamartine Nr. 23. Jedermann weiß, daß auch zwei Consistorien daselbst ihren Sitz Haben, das Central-Consistorium für ganz Frankreich mit dem Großrabbinen Herrn Ullm an n-und Präsidenten Herrn Cerfberr, und das Consistorium von Paris mit dem Großrabbinen Herrn Isidor und dem Präsidenten Herrn G. Halphen. Das Letztere hat nun delegirt ein Comite für die Wohlthätigkeit, und davon ist jetzt Herr Albert Kohn Vorsitzender, comite de secours et d’encouragement. Dieses Comite vertheilt Unterstützungen in Geld, Brod und Fleisch, giebt Mazoth und Holz- Arzt und Arzeneien den Armen. Seine Gelder bezieht es durch freiwillige Jahresbeiträge, Geschenke und Sammlungen. Es leitet auch die Beerdigungen, kurz es ist, was anderSwo die 'p '-nn. Außerdem besteht eine Gesellschaft um junge Mädchen unterrichten zu lassen und! auszustatten, deren Präsidentin die Baronin James v. Rothschild. Diese Gesellschaft bringt jähr^ lich eine Lotterie zu Stande, die ungefähr 20 —- 25,000 Frcs. einbringt, wovon die Hälfte in das israelitische-Hos^- pital fließt. Ferner eine Gesellschaft, um Knaben beim Austritt aus der Schule in die Lehre zu bringen, Präsident ist Herr Baron Alphons von Rothschild.' Außerdem giebt es 23 Gesellschaften zu gegenseitiger Unterstützung , welche durch monatliche Beiträgen bestehen- und den kranken Mitgliedern täglich zwei Franken (16 Neugroschen)- Arzt, Arznei und Wärter gewähren. - Sie führen jede einen besondern Namen. Wenn wir nun noch die tt-nn b'b unter dem Rabbinen Sarrafin und die rf-nn TObn unter dem Großrabbinen Isidor benennen/ so-haben wir wohl Alles zusammengestelltwas officiell in Paris eristirt. In. der rin hörten wir am