Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1854)
- Date
- 1854-10-30
- Page
- Seite 557 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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557 M-Hiner Feilchenfeld in Ro gasen aM' allerwenigsten anwendbar. Denken Sie sich einen Mann, der den ganzen Lag in und rv’ba eingehüllt, am Talmud fitzt und nur sich erhebt, um in biei Synagoge zu gehen, dabei von einer gediegenen,, edlen, einfachen, aber sich um die Welt nicht kümmernden Gesinnung ist, und sagen Sie mir dann, ob dieser Mann im Stande sein wird, die Differenzen in seiner Gemeinde zu losen. Aber das macht eben ein von Interessen befangenes Urtheil. Corresp ondenz. Pariser Skizzen. IX. Magdeburg, im Oktober. Unsere Mittheilungen über Paris haben eine lange Unterbrechung. erfahren (s. VH!. Nr. 30). Es ist seitdem Herbst geworden, die Blätter sind von den Bäumen gefallen und rauschen welk zu unseren Füßen; die Früchte find seitdem gereift, und haben theils Befriedigung gebracht, theils Enttäuschung — aber wenn auch das Menschliche noch so vergänglich ist, so ist es doch nicht an die gllzuschleunige Vergänglichkeit in der Natur gebunden, und es giebt Vieles im Kreise der Menschheit, was sehr lang, allzulang, währt. - Wir greifen daher den Faden wieder auf; wir erneuern die stefen Eindrücke, welche jene Tage in uns zurückgelaffen,,von, innen heraus; und, um schnell gerade für.uns Wichtigstes nachzuholen, beschäftigen wir uns heute mit einigen jüdischen Instituten. M ist ein weiter Weg nach der rue de Picpus; sie ist. die. äußerste von Paris im westlichen Winkel. Nachdem man die ganzen Boulevarts passirt und den Bastillenplatz Durchschritten ist, nachdem man ferner die lange rue d.u Fanbourg S. Antoine zurückgelegt und dicht vor dem place de Tröne rechts abgelenkt hat, gelangt man fy d.ft rue, de kiexns, in welcher viele Krankenhäuser und sogar, ein Kirchhof. Daselbst befindet sich auch das jüdische Krankenhaus, welches von der Familie Rothschild gchaut ift, aber von der Gemeinde erhalten wird, so jedochs, daß auch mehre Betten von Uothschisd.s bestritten werden. Am 26. Mai 1852 fand sich hier. eine sehr h.ochstehende, feine und elegante Gesellschaft zusammen, Mi Ministfr, der: Prüftet, die beiden! Eonfistorien u. f. w., -es wurde die' sehr schone Synagoge.des! Hospitals eingeweiht, viele Reden gehalten, eine Büste. Rothschilds enthüllt, ein Gastmahl eingenommen, Spenden gezeichnet und gesammelt u. s. f.! > Allerdings ist dieses Krankenhaus nicht so großartig und nicht ganz so vorthcilhaft gebaut unb. eingerichtet, wie das S a l. H ei n e 'sche in Hamburg.' Um nur Eines zu bemerken: im letztern sind große, luftige Krankenzimmer zu 4, 6, höchstens 8 Betten, die nicht einmal sämmtlich besetzt zu werden pstegen, während das Pariser große Säle hat; der große Corridor im Heine'schen Hospital ist das Bewunderungswürdigste in seiner Art, und man empfindet dort in allen Theilen des Hauses auch nicht im Geringsten, daß man in einem Krankenhauft weilt. Hingegen ist das Pariser viel eleganter und feiner ausgestattet, man kann sagen luxuriös. Die Freitreppe, die Thüren und Gänge, die Zinuner und: Schränke, die Bibliothek, die Apotheke und dergleichen, Alles athmet eine köstliche Grazie und Feinheit; dann der große Garten, der schon sehr feine Früchte hervorbringt — es wurden uns prächtige Erdbeeren kredenzt — die schönsten, schattigen Gänge enthält. Auch ist ein sehr gut eingerichtetes Alterversorgungshaus damit verbunden. Wir^habm wirklich daselbst unter der Leitung des Herrn Albert Kohn und der Madame Kohn,- einer eben so verehrungswie liebenswürdigen Dame, einige sehr genußreiche, für das Herz wohlthuende Stunden verbracht. War es mir. dabei doch sehr eigen um das Herz, in dem einen Saal einen Jüngling als Kranken zu finden, der in der Heimath als Knabe meinen Religionsunterricht genossen und von mir confirmirt worden. Er gab sein Dankgefühl für die treffliche Behandlung zu erkennen, und in der That hat er, wie mir berichtet worden, bald darauf genesen das Hospital verlassen. — Wirst Du es gerechtfertigt finden, lieber. Leser> wenn ich Dich von da mit einem Male nach einem fernen, großen Gebäude versetze, in welchem die jüdische Jugend von Paris unterrichtet wird?... Aber Eines darfst Du da nicht übel nehmen: ich kann Dir nicht mehr sagen, wo dieses Gebäude ist. Daran ist aber weder mein sehr bewahrter Ortssinn, noch mein treffliches Gedächtniß schuld, sondern lediglich — der Herr Großrahbiner Isidor. Derselbe, der für diese Anstalten sehr thätig ist, führte mich dahin, und •—bei der in Anspruch nehmenden Unterhaltung vergaß ich auf die Lokalitäten zu achten. Doch halt, jetzt finde ich es in meinen Notizen: Marche des Blancs. Manlegux. Hier befinden sich die „ecoles mutuel- 44