Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1854)
- Date
- 1854-10-30
- Page
- Seite 554 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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354 wollte nicht das Eigenthum abschaffen, er wollte vielmehr, r daß Jeder dessen besäße, damit Niemand durch Armuth ein Knecht mit knechtischer Gesinnung sei. Freiheit war immer des großen Emancipators letzter Gedanke, und die-! ser athmet und stammt in allen seinen Gesetzen, die den; Pauperismus betreffen. Die Sclaverei selbst haßte er über alle Maßen, schier ingrimmig, aber auch) diese Un-; Menschlichkeit konnte er nicht ganz vernichten, sie: wurzelte.. noch zu sehr im Leben jener Urzeit, und er mußte sich! darauf beschränken, das Schicksal der Sclaven gesetzlich - zu mildern, den Loskauf zu erleichtern und. die Dienstzeit zu beschränken 1). Wollte aber ein Sclave, den 'das Ge-! setz endlich ^befreite, durchaus nicht das Haus:des Herrn' verlassen, so befahl Moses, daß der unverbesserliche servile! Lump 2) mit dem Ohr an den Thürpsoften des Herrschaft- . lichen Hauses angenagelt würde, und nach dieser schimpflichen Ausstellung war. er verdammt, auf. Lebenszeit zu dienen." — So weit Heinrich Heine, dem wir weiterhin nicht zu folgen brauchen, indem er nur noch das Gerücht -wider-: legt, daß er katholisch geworden, und Mehreres über seine Trauung,. Erziehung und jetziges Leiden erzählt. Diese „Geständnisse" sollen Vorläufer seiner. „Memoiren" sein. Wir haben wenig hinzuzufügen. Wie der Leser sieht, hat sich Heine endlich in der Materie seiner Gläubigkeit von seinem Hang zur Satyre frei gemacht, und ist in das Stadium des hohen, heiligen Ernstes hineingeschritten. Gott, Sittlichkeit, Bibel, Israel sind in ihm zu ihrem Rechte gekommen, und wir mögen dieses Zeugniß als ein bedeutendes wohl zu schätzen wissen. Allerdings sind ihm diese Ansichten durch Leiden vermittelt worden, aber das ist ja die höchste Ausgabe des GottglaubenS und der heiligen Schrift, den schwachen Menschen zu stützen und ihm die Leuchte anzuzünden, wenn seine eigenen alle nach einander erlöschen! Uebrigens zeugt jede Zeile, daß die Geisteskraft Heine's noch nicht 1) Die Beschränkung der Dienstzeit auf sieben Jahre heißt aber nichts anderes als die Aufhebung der Sclaverei. S. auch hierüber die oben angeführten Schriften. Redact. 2) Dies ist etwas hart; es gab Verhältnisse, wo der zu entlassende Knecht so wenig außer dem Hause seines Herrn fand, keine Familie, keinen Herd, sein noch viele Jahre verpachtetes Erbgut — daß er es verziehen mußte, im Hause seines biedern Herrn zu bleiben. Gerade dadurch wollte das Gesetz diejenigen guten Wirkungen, welche unter Umständen das Sclaventhum in einzelnen Fällen hatte, ermöglichen. Redact. erloschen ist.) Mögen daher diese Geständnisse in so viele Hände kommen, wie die früheren, meist so frivolen Schriften Heine's gekommen sind! Zeitungsnachrichten. Palästina. Gaben für die Armen in Palästina. Vom Vorsteher Herrn Moritz Romberg in Meiningen und Dreißigacker 13 Thlr. 6*/2 Ngr. (die Geber im „Anzeiger"). — Von dem Vorstände der israelitischen Cultusgemeinde in Pappenherm, Herrn Heinrich Neumann, 28 Thlr. Pr. Court. — Die Redaction. , Magdeburg, 23. Oktober. Gestern find die Quittungen über die zweite Geldsendung, die wir nach Jerusalem spedirt, nämlich über 11,300 Piaster angekommen. Die Quittungen sind diesmal nach den festgefiellten VertheilungSgrundsätzen noch ausführlicher, indem sowohl die Gemeinde der Aschkenastm als der Peruschim die Tabelle derer, welche Spenden davon erhielten, namentlich aufgestellt, mit der Zahl ihrer Personen und wie viel sie erhalten haben, und bei jedem Namen die eigenhändige Empfangsbescheinigung der Empfänger mit Ausnahme der sehr Wenigen, welche nicht schreiben können. Die spaniolische Gemeinde, welche ein volles Drittel der Sendung erhält, hat nur eine Generalquittung mit Unterschrift sämmtlicher Vorsteher ausgestellt, weil die Zeit drängte, doch soll die Tabelle Nachfolgen. Es können somit die Geber der angemessenen Vertheilung ihrer Gaben immer sichrer werden. Allerdings haben wir noch Manches darüber in Absicht, aber zuvor müssen wir sehen, ob das spendende Publicum uns ferner mit seinem Vertrauen. beehrt, und ob die Quellen zu fließen nicht aufhören. Denn noch, daö sieht Jeder ein, sind die Summen zu unbedeutend, um zu viel Ansprüche an unsre Brüder in Jerusalem dafür zu machen. In der nächsten Woche geht nun die dritte Geldsendung ab/ über welche wir in nächster Nummer berichten werden. Die Quittungen sind bei uns zu jeder Zeit ein-