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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-10-30 · Heft 44 (30.10.1854) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 44 (30.10.1854)
Date
1854-10-30
Page
Seite 553 (sequence 5)
Language
German
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553 fett der erwähnten Völker, daß sie das Mische Leben in Sitte und Denkweise so leicht in sich ausgenommen. Der Grund dieses Phänomens ist vielleicht auch in dem Charakter des Mischen Volkes zu suchen, das immer sehr große Wahlverwandtschaft mit dem Charakter der germanischen und einigermaßen auch der keltischen Race hatte *). Judäa erschien mir stets wie ein Stück Occident, das sich mitten in den Orient verloren 2 * 4 5 * 7). In der mit. seinem spiritualistischen Glauben ^), seinen strengen, keuschen, sogar asketischen Sitten ^), kurz mit seiner ab- ■[ stracten Innerlichkeit, bildete dieses Land und sein Volk immer den sonderbarsten Gegensatz zu den Nachbar-Ländern und Nachbar-Völkern ^), die, den üppig buntesten; und brünstigsten Naturculten huldigend, im bacchantischen Sinnenjubel ihr Dasein verluderten8). Israel saß fromm unter seinem Feigenbaum und sang das Lob des unsichtbaren Gottes und übte Tugend und Gerechtigkeit, während in den Tempeln von Babel, Ninive, Sidon und Tyros jene blutigen und unzüchtigen Orgien gefeiert wurden, ob deren Beschreibung uns noch jetzt das Haar sich sträubt! Bedenkt man diese Umgebung, so kann man die frühe Größe Israels nicht genug bewundern. Von der Freiheit Israels, während nicht, blos in seiner Umgebung, sondern bei allen Völkern des Alterthums1), sogar bei den philosophischen Griechen 8), die Sklaverei J) Womit erweist dies Heine? Redaet. 2) Wir können Vieles anführen, was diesen Witz zu Schanden macht, z. B. der Geburtsadel, der überall im Occidente, aber eben so wenig in Judäa wie im ganzen^ alten und neuen Oriente vorhanden war. Redact. 3) Der Glaube der orientalischen Völker, wie der Parser, Inder, war stets spiritualistischer als der der Griechen, Römer, Germanen. Redact. 4) Der Orientale gerade ist.zur Askese geneigt, während der Grieche und Römer weit davon entfernt war. Redact. 5) Allein mit den Nachbar-Völkern? nicht auch einen Gegensatz mit den occidentalischen Nationen? Red. 8) Das sagt das fünfte Buch Moscheh oft genug, und daß Israel zu diesem Gegensatz berufen sei. Israel betrat die Weltbühne und lebte auf ihr mit dem vollen Bewußtsein, dieses Gegensatzes, nicht etwa in naiver Unschuld. Redact.. 7) Endlich kommt Heine zum rechten — alle Völker des Alterthums! Redact. 8) Sogar bei dem scharfsinnigen und universellen Aristoteles, der die Sklaverei für unentbehrlich in der Oekonomie und begründet in der Natur der Menschheit erklärt^ Redact. justificirt war und in Blüthe stand, will ich gar nicht reden, um die Bibel nicht zu compromittiren bei vielen der jetzigen Gewalthaber." —„Moses war es, der das Eigenthum in Einklang zu bringen suchte mit der Sittlichkeit, mit dem wahren Vernunftrecht- und solches bewirkte er durch Einführung des Jubeljahres, wo jedes alienirte Erbgut, welches bei einem ackerbauenden Volke immer Grundbesitz war, an den ursprünglichen Eigenthümer zurückfiel/ gleichviel in welcher Weise dasselbe veräußert worden*). Diese Institution bildet den entschiedensten Gegensatz zu der „Verjährung" bei den Römern, wo nach Ablauf einer gewissen Zeit der faktische Besitzer eines Gutes von dem legitimen Eigenthümer nicht mehr zur Rückgabe gezwungen werden kann, wenn letzterer nicht zu beweisen vermag, während jener Zeit eine solche Re> stitution in gehöriger Form begehrt zu haben. Diese letzte Bedingniß ließ der Chicane offenes Feld, zumal in einem Staate, wo Despotismus und Jurisprudenz blühte und dem ungerechten Besitzer alle Mittel der Abschreckung, besonders dem Armen gegenüber, der die Streitkosten nicht erschwingen kann, zu Gebote stehen. Der Römer war zugleich Soldat und Advocat, und das Fremdgut, das er mit dem Schwerte erbeutet, wußte er durch Zungendrescherei zu vertheidigen. Nur ein Volk von Räubern und Casuisten konnte die Proscription, die Verjährung erfinden und dieselbe consacriren in jenem abscheulichen Buche, welches die Bibel des Teufels genannt werden kann, im Coder des römischen Civilrechts, der leider noch jetzt herrschend ist." „Ich habe oben von der Verwandtschaft gesprochen, welche zwischen Juden und Germanen, die ich einst „die beiden Völker der Sittlichkeit" nannte, stattfindet, und in dieser Beziehung erwähne ich auch als einen merkwürdigen Zug den ethischen Unwillen, womit das alte deutsche Recht die Verjährung stigrnatisirt; in dem Munde des niedersächfischen Bauers lebt noch heute das rührend schöne Wort: „hundert Jahr Unrecht machen nicht ein Jahr Recht." Die mosaische Gesetzgebung protestirt noch entschiedener durch die Institution des Jobeljahrs. Moses *) Das Veräußern des Erbgutes war daher, wie die Schrift selbst sagt, nur ein Verpachten desselben auf so viele Jahre, wie deren bis zum Jobeljahr noch hin waren. Uebrigens ist das Jobeljahr nur ein Glied der großen, konsequenten Institution, worüber man Nachlese unsere Vorlesungen über „die Entwickelung der religiösen Idee," Baumgärtner 1847 und „die Religion der Gesellschaft," Baumgärtner 1848. Redact.

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