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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-10-23 · Heft 43 (23.10.1854) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 43 (23.10.1854)
Date
1854-10-23
Page
Seite 545 (sequence 9)
Language
German
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Correfportdenz. Israel und die deutsche Kunstausstellung in München. ' ' ' München, im September. -. »Nur durch das Morgenthor des Schönen Drangst du in der Erkenntnis Land. 4 Schill e r (die Künstler). , - Israel und die deutsche Kunstausstellung? — So wird Mancher kopsschüttelnd diese Überschrift betonen; welche Zusammenstellung! — Und doch ist es so. — So oft ich die weiten Hallen jenes prächtigen Tempels mit den himmelan:-strebenden Korinthersäulen betrat, nie vergaß ich, nach e in e r großen Richtung des künstlerischen Geistes zu forschen. — Hier in diesen riesigen Räumen, die sich in der Regel nur alle drei Jahre dem Wetteifer der Künstlerwelt erschließen, hier sind ja alle Gebietedes menschlichen Geistes, alle Zweige: künstlerischer Erfindung meist. durch Meisterdarstellungen vertreten. .Von der zauberischen Farbengluth der Münchener Schule zu dem reizenden Halbdunkel der ^Düsseldorfer; von dem großen Schlachtenepos.', alter und neuer Zeit bis zum: gemüthpollen Genrebild:;. von der Historie der Völker und Könige , bis zum individualisirenden Portrait; von dem Jagd- und Thierbilde zum Frucht- und Blumenstücke; von der Landschaft! und dem Seegemälde.: nichts .bliebünausgefüllt; -^- auch, die Composition dichterischer Gestalten, ja selbst > die. üergeffenv ,Mythologie derselben fand ihre Darsteller./—-;?trnd um.nur Einzelnes: anzüführen: auch Vas große:EpdS. hon Nazareth lebt zum unzähligsten:: Male wieder auf : in > den mehr oder minder - gelungenen- Werken eines. Hamm-, . Halbreiter > BlaaS in Wien, -Jacobs in Mtha-i -Robert. Langer in München und Schnorr in Dr'esdeNL— j UndiIsrael mit seiner! großen, eine W eltidee tragenden; Geschichte>-. mit den erhabenen? Gestalten .' - seiner Seher,: Gesetzgeber und . seiner .Märtyrer, mit den Wundern, die seinen ganzen Weg . bezeichnen; — Israel sollte der.i verherrlichenden Hand der Künste - entbehren müssen; guf deffen Geschichte.-jedes. Blatt, jede Zeile den Künstler zu. den., herrlichsten .Entwürfen und Bildungen Herausforderin -?7-. Allerdings, was ein. Verlust scheint,' ist man versucht,:; als einen Gewinn zu preisen;;: denn die christlich-germanische Kunst hat jene sonnigen Gestalten dxr Vorzeih-ebenfovft verzerrt als dargestellt, von des gryßen Kgulbach. Zerstörung' von Jerusaleur mit der fau^ stesdicken christlichen Tendenz an - bis zu - den philisterhaften Patriarchenbildern der niederländischen- und oberdeutschen Schule. - Glaube an -etwas Hohes und Ewiges läßt sich; eben nicht anempfinden- : wie - die Composition des Göthe'schen Faust ob er der Braut von Korinth. — Wie aber, besitzt Israel nicht selbst der dichtenden, 'malenden und meißelnden Söhne viele-, und wäre es nicht Zeit, daß sie. der großen Mütter Haus imschönen kindlichen Gesammteifer durch ihre bildenden Hände verschönen? — Zwar das Judenthum'bedarf dieser Verherrlichung nicht : still,: erhaben und einfach wie seine Gotteshäuser,- wie einst sein Nationaltempel; 'schreitet seine Geschichte ‘ mitten durch die Geschichte anderer Völker dahin; unbekümmert, unbemüht um künstlerischen Schmuck steht die H'alle seiner Vorzeit da. Ja ktäft jtnör allgemeinen Unterordnung aller Dinge unterdie' Idee des alleinigen Gottes 'widerstrebt Israel dem - künstlerischen Genius, -bildet es Opposition - -gegen jede Hetvorbringüng von Künstlerhand:' —- Wenn nun dennochder Wünsch und die Sehnsucht sich kund giebt, jene, großen Themen der biblischest ünd^ nächbiblischen Geschichte Jüda'smöchten ihre Darsteller stndenso wird er; mehrimu-Jnteresse - der Kunst selbst 'ausgesprochen, die der Verflachung anheimfällt,' wenn sie -mit ewiger Wiederholung des oft'Unwesentlichen und' Trivialen dem Ewigen und Göttlichen vorübergeht: —- Und endlich. - wird er ausgesprochen im Interesse; der jüdischen Künstler. — Hier ist ein Gebiet, auf welchem Israels Söhne; einerseits dem Genius -der Kunstandererseits demVäterglauben die Treue bewahren -können; — vor jeder Abschweifung:,' vor jeder Abirrung in entfremdende Richtungen bewahrt-: wird der jüdische Künstler-hier gleichsam durch, taufend Fäden neu mit den ewigen Wahrheiten? seiner Religion verwebt, wird ihm durch künstlerische Intuition oft nahe gebrachtwas er im Leben flieht' öder zurückstößtt — Und ob der Anbau jener Richtung lohnend fei, das - ist keine Frage; lohnend für die- Ernte der bildenden Phantasie-und Conception; löhnend in - jeder andern.Beziehung:- —^ ..- n---.- i .' . Wie; dem nun .< fei', unser Wünsch sollte in - der großen deutschen Kunstausstellung zu München nur schwache und .mäßige Erhörung finden. — In dem Berzeichüiß; welches 557: Werke anführt, sind meines Wissens nur zwei'?jüdische Meister aufgeführt. —- Von dieseü hat Bendemann - ein weibliches Vildniß eingesandt. Der -Schöpfer der trauernden Juden in: Babylon und des Mannes mit dem . wahren Weltschmerze, des - Jeremias, hat diese Ausstellung; mur gleichsam mit dem - Werke abgefertigt, das 43

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