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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-10-23 · Heft 43 (23.10.1854) · p. Seite 541

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 43 (23.10.1854)
Date
1854-10-23
Page
Seite 541 (sequence 5)
Language
German
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541 —. Die V. Ztg. enthält folgende Artikel: Ungeachtet der bedeutenden Zunahme der hiesigen jüdischen Einwohnerschaft ist die Thatsache bemerkenswerth, daß die jüdischen Schulen nur in geringem Grade besuchter sind, als bei der früheren bedeutend kleineren Zahl jüdischer Einwohner. Vielmehr wendet sich die überwiegende Mehrzahl dem Unterricht in den christlichen Lehranstalten zu. Im Jahre 1839, wo die Zahl der jüdischen Einwohner Berlins sich auf 6028 und der schulpflichtigen Kinder auf 964 belief, besuchten 454 der letzteren die christlichen und 382 die jüdischen Schulen, 128 erhielten Privatunterricht. Als 1850 die Einwohnerzahl auf 10,000 und die Zahl der schulpflichtigen Kinder auf 1500 gestiegen war, wurden die christlichen Schulen von 1100, die jüdischen von 440 jüdischen Kindern besucht. Dies Verhältniß hat sich noch gegenwärtig, wo die Zahl der jüdischen Einwohner auf 12,000 und der schulpflichtigen Kinder auf mehr als 1800 vermehrt hat, erhalten. —. Die gestrige Mittheilung über die Frequenz der jüdischen Schulen bedarf deshalb einer Ergänzung, weil dieselbe sonst leicht zu einem irrthümlichen Urtheil über den innern Werth dieser Schulen Veranlaffung geben könnte. Nach einer uns vorliegenden authentischen Nachweisung hatte unter der frühem Leitung die Gemeinde-Knabenschule am 19. Januar 1852 eine Frequenz von 116 Schülern in 4 Classen. Schon im Mai desselben Jahres, wo die Leitung der Schule auf drittehalb Monate in die Hände des jetzigen Dirigenten, Rectors Horwitz übergegangen war, stieg die Zahl der Schüler bereits auf 184, so daß die Nothwendigkeit hervortrat, eine fünfte Claffe einzurichten, und eilf Monate später im April 1853 wurde noch eine sechste Claffe nothwendig. In den ersten Monaten dieses Jahres war bie untere Claffe wiederum so überfüllt, daß auf Andringen der städtischen.Schuldeputation eine siebente Claffe errichtet werden mußte, welche am 1. Mai eröffnet wurde und am 1. Juli dieses Jahres zählte bereits die Anstalt 247 Schüler. Die Anstalt hat somit in kaum zwei Jahren mehr als um das Doppelte an Schülerzahl zugenommen, was auf den innern Werth der Schule in ihrem jetzigen Bestände einen genügenden Rückschluß gewährt. Der Magistrat spricht sich über die jüdischen Schulen in seinem .amtlichen Verwaltungsbericht, welcher 1853 erschien, S. 365 folgendermaßen aus: „Der Gemeindevorstand hat mit anerkennenswerthem Eifer die Reorganisation der Gemeindeknabenschule sich angelegen sein lassen, die gesteigerten Ansprüche an Subventionen zur Erhaltung und Erweiterung der bestehenden Anstalten stets bereitwillig gewährt und eS ist durch die gegenwärtig wirkenden Lehrkräfte ein wesentlich fester und auf gediegene Volksbildung hinstrebender Charakter in dem Unterrichtswesen wahrzunehmen." 'S. 366 sagt der Magistrat über die jüdische Knabenschule speciell: „Entspricht die Anstalt, wie zu hoffen steht, auch fernerhin den verheißungsvollen Anfängen unter der neuen Leitung, so darf ihr eine steigende Frequenz vorausgesagt werden." — S. 368: „Im Allgemeinen stellt sich das Resultat heraus, daß der Zustand der jüdischen Schulen sich beträchtlich gehoben. Wenn in früherer Zeit auch bei fähigen und kenntnißreichen Lehrern der Mangel der bestimmten Qualifikation für ihr Fach bemerkt werden konnte, wenn es häufig Autodidakten von rühmlichem Fleiße warendie sich nach anderweitig gescheiterten LebenSplänen zum Jugendunterricht wandten, so. tritt jetzt die erfreuliche Erscheinung aus, daß der Lehrberuf als solcher zum Lebensziele gewählt und die ganze Richtung und Bildung jüngerer Kräfte für eine solche Thätigkeit sich gestaltet. ES ist dadurch die Form des Unterrichts, die ganze Art und Weise, ihn zu handhaben, fester und sicherer geworden." Berlin, 17. October. In diesem Jahre sind um den Michael Beer'schen Preis keine Arbeiten eingegangen. (!) Posen, 10. October. (D. A. Z.) Hier ist eine Ministerialverfügung eingegangen, die freilich zunächst für unsere Stadt und Provinz von höchster Wichtigkeit ist, dann aber auch die bürgerlichen Verhältnisse des ganzen Landes berührt. Der zeitige Präses des Stadtverordnetencollegiums hatte sich geweigert, der Anordnung, wodurch die Juden von den ständischen Wahlen gänzlich ausgeschlossen sind, nachzukommen, und es war deshalb in unserer Stadt gar keine Deputirtenwahl vorgenommen worden. Unser Oberpräsident hatte über diese Weigerung an den Minister des Innern berichtet, und von diesem ist nunmehr ein definitiver Bescheid eingegangen, worin ausführlich dargelegt wird, daß, den gesetzlichen Bestimmun-

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