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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-10-23 · Heft 43 (23.10.1854) · p. Seite 539

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 43 (23.10.1854)
Date
1854-10-23
Page
Seite 539 (sequence 3)
Language
German
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539 Leichen! Vergiß es nicht, Mutter — denn dann wird Deiner Dein Kind nie vergessen! — Zeitungsnachrichten. Palästina. Gaben für die Armen in Palästina. Durch Herrn I. Pintus, Vorsteher in Havelberg, 5 Thlr. Die Redaction. Jerusalem, 25. September. Jerusalem hat einen großen Verlust erlitten; der ehrwürdige Chacham-Baschi Jsaac Cobo, Rabbiner der spaniolischen Gemeinde, ist 2« arm: n'b in Alerandrien in Aegypten gestorben. Ein Mann in hohem Alter, 84 Jahre alt, und kränklich, verließ er Jerusalem, um in Europa Hülfe für seine Gemeinde, die in eine Schuldenlast von 1*/2 Millionen Piaster (ungefähr 90,000 Thlr.) versunken ist, zu finden. Won allen Seiten wurde sie von den Gläubigern gedrückt; endlich sagte der edle Greis zu den Vorstehern der Gemeinde: „Das-Wasser geht uns bis an das Leben, wir brauchen schnelle Hülfe, ich fühle, Niemand wird größern Eindruck in den Landern machen als ich." Als er sein Zimmer verließ, sprach er zu den Versammelten: „Liebe Brüder, Ihr sehet, ich bin alt und schwach, nicht Ihr treibt mich aus meinem Hause, nicht nothgezwungen verlasse ich die heilige Stadt, sondern tausend lallende Kinder, tausend ohnmächtige Arme, und die Ehre Gottes laßt mich nicht rasten, bis ich vielleicht mit Gottes Hülfe die Tilgung Eurer Schulden erlangt habe!" — Der Verstorbene hat nur sechs Jahre seine Gemeinde geleitet, aber stets mit der größten Milde. Er war für seine Person Freund der Wissenschaft, Cultur, Arbeit. Alles, was jetzt hier durch die Familie Rothschild gestiftet worden, ist sein Werk, da er es war, welcher unablässig darum angehalten. Er hat nie einen a-in ausgesprochen, er nahm mild von Jedermann Rath an — möchten sich doch gewisse Comiteen in Europa schämen, die einen cnn ausgesprochen über Jeden, der auS dem heiligen Lande etwas für sie und ihre Maßregeln NachtheiligeS schriebe!! Möge die Asche dieses großen ManneS in Frieden ruhen! M. Sachs und S. Hausdörfer. Jerusalem, 27. September. (Mivatmitth.) Leider! muß ich Ihnen melden, daß der englische Consul die 200 Juden aus der Arbeit entlassen hat, weil die englische Mission für jetzt keine Mittel auszahlt. So sind denn diese 200 Familien erwerbslos! O hatten wir doch die Mittel, um Ackerbau hier einzurichten! Um Jaffa wäre es eine Kleinigkeit, daß 10,000 Menschen ihr Brod fänden, wenn Land gepachtet oder gekauft würde. Aus Palästina, 25. September. Dem Osserv. Triest, wird gemeldet: In Jerusalem sind in letzter Zeit ungewöhnlich viel jüdische Pilger auS den verschiedensten Ländern angekommen, um den Rest ihres Lebens auf dem ihnen heiligen Boden zuzubringen. Die englische Bibelgesellschaft giebt sich außerordentliche, aber vergebliche Mühe, diese Juden zum Abfall von ihrem Glauben zu bewegen. So hatten namentlich in Safet zwei englische Misstonaire, von denen einer ein getaufter, von der Bibelgesellschaft mit 100. Pfd. St. Jahreögehalt angestellter Jude aus Salonichi ist, in den jüdischen Synagogen selbst zu predigen versucht. Als ihnen dies gewehrt wurde, hefteten sie an alle Straßenecken und sogar an die Thüren der Synagogen Proclamationen, in denen die Juden aufgefordert wurden, ihres Seelenheils wegen zum Protestantismus überzugehen. Die Proclamationen wurden abgerissen, aber stets wieder durch neue ersetzt; türkische Kaufleute wurden eigens bezahlt, um sie in ihren Verkaufsläden angeheftet zu lassen. Ein über diese Hartnäckigkeit entrüsteter Jude riß einen solchen Aufruf ab, besudelte ihn und warf ihn in das Haus des protestantischen Misstonairs. Erzürnt rannte dieser mit einer Peitsche in der Hand in das HauS des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, hieb aus alle dort befindlichen Israeliten zu, begehrte die Bestrafung des Juden und entsendete einen Courier an das englische Consulat in Jerusalem, von wo ein ganz junger Mensch,- ein Dragoman, zur Erhebung des ThatbestandeS abgeschickt wurde; dieser bemächtigte sich fünf russischer Juden, die ihm ein Diener deS Misstonairs als die Schuldigen bezeichnet; er ließ sie von den türkischen Dienern des englischen 43*

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