Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1854)
- Date
- 1854-10-23
- Page
- Seite 538 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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538 in der Muttersprache durch die Wiederholung und daS bestimmte Vorauswissen jedes Wortes den Gottesdienst, langweilig machen und zu einem unbequemen Theil desselben werden. Hingegen Predigt, Lied und das Kanzelgebet als bewegliche Theile, wozu auch die Haphtoroth und Psalmen kommen können, bilden auch einen genügenden, allgemein verständlichen Theil des Gottesdienstes. Sehen wir nun auf die beiden vorliegenden Gebetbücher, so befaßt das Geiger'sche 570 Seiten größten Octavs mit kleiner Schrift: nmTa dt» ‘■dn?-6sn -NV Israelitisches Gebetbuch für den öffentlichen Gottesdienst im ganzen Jahre rc. Breslau, 1854. Es ist im großen Ganzen da eben von Anfang an bis zum Ende der alte Gottesdienst, höchstens daß die bekannten talmudischen Stücke ausgelassen worden, in der su) gesagt wird: niprr -»irri 12b nur aus zwei Psalmen, ">Yd i-tdV nur auö fünf Versen besteht, Phrasen, wie: nt? acm, mmasnp und alle die Opfer betreffenden Stücke wcggefallen sind. Dazu hat nun Herr Geiger eine neue deutsche.„Bearbeitung" hinzugefügt, die aber keine Uebersctzung ist, sondern in der das Eigenthümliche, Alterthümliche, Besondere abgefchliffen und durch Phrasen, welche dem modernen Geschmacke Zusagen, ersetzt ist. Dies ist nun Geschmacksache. Es ist wahr, daß da auf der einen Seite manches Veraltete dem gar zu delicaten Auge der Damen rc. entrückt wird; aber nicht zu verkennen, daß auf der andern Seite von dem intensiv Confessionellen, von dem charakteristisch Israelitischen, von dem tief wurzelnden Positiven Vieles verwischt wird! — Dies im Allgemeinen; im Besonder» sind uns viel Sprachhärten ausgefallen, z. V. gleich der Anfang: iai raö rno wird dieser Vers gar nicht übersetzt, und der folgende ‘pon 'dLN mit den vielen Worten: ,,Durch Deine Huld, 0 Gott, betrete ich Dein Haus, Die liebe Stätte, Israel so werth und theuer; In Andacht beug' ich mich vor Deinem heiligen Sitze." Das nenne ich Wassersuppe! Was ist der Grund, weshalb mta 7V2 nicht übersetzt wird, da doch gleich weiter nicht verschmäht wird: „Wie liebe ich die Stätte, wo Du weilst, 0 Gott, Wo Deine Herrlichkeit den Thron sich aufgerichtet! Wenn ich in Demuth hier rc."? t Wie hart ist taimö): „Des Morgens, auch des Abends Tret' ich vor. Dich, mein Hott, Leg' vor Dich hin mein Herze, Sprech' deS Gebetes Wort." „Leg' vor," „Sprech' des," „Herze"!!! Dies auf der ersten Seite. Doch lassen wir das Einzelne. ES bezeichnet immer eine eigene Stufe, der alte Tert in ausgedehntem Umfange, aber mit einigen principieUen Aenderungen, und unten eine neue Bearbeitung mit abgeschliffenem Gepräge. Das kleine Gebetbuch der Aachener Gemeinde: *dö 'rr rn*d3> „Gebetbuch nach dem Ritus der israelitischen Gemeinde in Aachen." Aachen, 5613. (sie!) r>2N8i id*d, VUw, (nicht Dir mm), und die sogenannten umjp, n, ‘»'im Dies sind die beibehaltenen hebräischen Stücke, sonst Alles deutsch in sehr kurzen Sätzen den Hauptinhalt der bisherigen Gebete enthaltend, und dann eine Menge neuer für die individuellen Lagen. Dies in Kurzem zur Charakterisirung. Wen das Detail z. B. an den Festtagen bei Geiger interessirt, müssen wir auf das Buch selbst verweisen. Was uns auffiel, ist, daß bei Geiger alle deutschen Lieder zu fehlen scheinen, vor und nach der Predigt und dergleichen, selbst bei der Todtenfeier, welche dagegen feststehende deutsche Gebete hat, die wir da gar nicht billigen, statt frisch hervvrquillender Betrachtung und Gebete. Wenigstens ist in dem Buche nichts davon angedeutet. Wir ergreifen die Gelegenheit, noch einige Kleinigkeiten anzufügen. „Dibrei Scliir Psalmen für den öffentlichen Gottesdienst, zunächst für die israelitische Gemeinde zu Reichcnbach in Schlesien. Abgefaßt und herausgegeben von ihrem Cultusbeamten Heinrich Schwarz. 5614." Deutsche Lieder für Sabbath und Festtage, rund, fließend, populair, biblisch. Warum find die Melodien nicht angegeben? Einige sonderbar, z. B. vor und nach der Beschneidung (!), „nach Einsegnung einer Wöchnerin und ihrer neugeborenen Tochter" u. s. w. — Da hätte man in größeren Gemeinden etwas zu singen! — Gebet bei der Einweihung einer Synagoge, geordnet und übersetzt von S. L. Liepmannssohn. Zweite Auflage. Hörter, 1851. Eine lange hebräische Paraphrase des Tempelgebeies Schelomoh's in recht gutem Hebräisch und mit deutscher Uebersetzung. Die Länge macht es nicht gut anwendbar, sonst ist der Gedanke, namentlich für Orte, wo ein höher befähigter Rabbiner zur Einweihung fehlt, sehr gut: —. „Gebetchen für Kinder. Ein Geschenk für fromme Mütter von Emanuel Hecht. Brilon, 1853." Eine wirklich liebe Gabe, sehr schöne, einfache Kind erg e-