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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-10-16 · Heft 42 (16.10.1854) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 42 (16.10.1854)
Date
1854-10-16
Page
Seite 531 (sequence 7)
Language
German
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531 schlagen soll, die eS aus voller Seele verabscheuet*). Nun wissen wir aber andererseits, daß viele Leute sehr skrupulös sind, an diesen Tagen Reformen einzuführen. DaS ganze Jahr sind alle Reformen zu wenig; an diesen Tagen soll gar nichts gerüttelt werden. Wir müssen auch aufrichtig eingestehen, es fällt unS nicht ein, an dem rütteln zu wollen, was noch so fest wurzelt. Aber eS ließe.sich da wohl ein Mittelweg einschlagen. Man lasse das Sündenbekenntniß wie es ist, aber als stilles Gebet. Wir glauben, es würde dadurch um vieles andächtiger gebetet werden**). Es ist in der Form, wie wir eS haben, viel zu langathmig***). Selbst das nrn« ■wab», das doch zu unfern schönsten Gebeten gehört, würde nichts verloren haben, wenn es bei den ursprünglichen sieben geblieben wäre-s). Ich erlaube mir auch, heute einen andern Gegenstand zu berühren. Ich hatte schon öfters Gelegenheit, darauf hinzuweisen, mit welchem Eifer der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde seinen Angelegenheiten obliegt, mit welcher Umsicht die Herren, die im bürgerlichen Leben eine hervorragende Stellung einnehmen, den Geschäften der Gemeinde obliegen. Es ist auch andererseits nicht in Abrede zu stellen, daß die Gemeindebeamten, von den höchsten bis zu den niedrigsten, mit aller Treue ihren Amtspflichten Nachkommen. Leider kann ich nicht ein Gleiches von denen sagen, die im Dienste der «lü-np t-nan stehen. Von den untergeordnetsten Dienern kommen Willkürlichkeiten vor, die gewiß nicht mit den Ansichten deS Vorstandes übereinstimmen. Freilich geschehen jetzt nicht solche Dinge, wie früher, wo die Leute, die die m'w hielten, Karten spielten und man auf den Särgen Gewinn und Verlust des Spieles aufschrieb; aber jedenfalls giebt es vieles da, was faul ist. Wir wollen für jetzt nicht näher darauf eingehen, und glauben im Sinne des Vorstandes zu handeln, wenn wir ihn mit diesen Zeilen darauf aufmerksam machen, die Dinge zu untersuchen. *) Aber es geschieht aus dem Bewußtsein der Gesammtheit heraus! Redact. **) Das bezweifeln wir. Re da et. ***) Die «an sicherlich, und noch dazu vier Mal! Der Hamburger Tempel hat sie höchst angemessen reducirt. Redact. t) Für die n-ni und '» 'a« möchte ich nicht die Redücirüng billigen. Redact. Zum Schluffe erlaube ich mir noch zu berichten über die Prüfung im Mädcheninstitute der Frau Caroline Szanto, bei der dieses Mal außer den jüdischen Notabilitäten auch der Districtsschulaufseher und der k. k. Schulrath Becker anwesend waren. Indem ich blos bemerke, daß die Anwesenden durch die Leistungen wahrhaft überrascht wurden, kann ich eS mir nicht versagen, der intelligenten Direktion die Anerkennung dafür auszusprechen, daß sie keine Opfer scheuet, die vorzüglichsten Kräfte für das Institut zu gewinnen. Herr Prediger Mannheimer wünschte zum Schluffe den Eltern Glück dazu, daß sie ihre Kinder unter solch vortrefflicher Leitung haben. Frankreich. Paris, 4. Oktober. An der Spitze des Lazarethwesens bei der Erpedition nach der Krim steht der Midicinal-Director Dr. Levy. (Wir erinnern unS, in Brüssel bei dem Herrn Oberrabbiner Dr. Löb das Bildniß dieses trefflichen, dem letztem befreundeten Glaubensgenossen gesehen zu haben.) ' Mühlhausen, im Oktober. (Privatmitth.) So eben ist der 12. Rechenschaftsbericht der hiesigen israelitischen ecole de travail (Schule für Handwerker) und zwar für 1. August 1853 bis 1. August 1854 erschienen. Trotz dem die Regierung schon zwei Jahre die früher gereichte Unterstützung von jährlich 800 FrcS. verweigert hat und trotz der Theuerung, durch welche sich die Unterhaltungskosten eines Zöglings von 264 Frcs. bis zu 306 Frcs. (813/s Thlr.) vermehrten, vermochte doch die Gesellschaft statt 10 abgehender Zöglinge 12 anzunehmen und 5 halbe Freistellen zu gründen und zu besetzen. Als Beweis, wie sehr die Juden des Elsasses sich danach drängen, kann gelten, daß zu diesen 5 halben Freistellen sich 45 Bewerber meldeten. Die Einnahmen deS Jahres beliefen sich auf 6045 Frcs., die Ausgaben auf 4203 FrcS., so daß 1842 Frcs. zum Fonds kamen. Da die Fonds sich bereits auf 12,415 Frcs. beliefen, und daS Local der Gesellschaft zu behindernd, so kaufte diese einen Bauplatz mit 3000 FrcS. und stellte ein Gebäude her, dessen Gesammtkosten sich auf 17,000 Frcs. belaufen. Die 10 abgehenden Zöglinge bestanden eine trefflich ausgefallene Prüfung. Unter ihnen waren mehrere vom Lande gekommen, die kaum französisch lesen konn-

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