Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1854)
- Date
- 1854-10-16
- Page
- Seite 530 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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genen Candidaten die günstigsten Aussichten herausstellten. — Aber auch aus der entgegengesetzten Seite war man nicht lässig gewesen. Die Häupter der sogenannten orthodoren Partei hatten in ihrem Sinne operirt, waren jedoch nicht mit Jntriguen und Machinationen, — ttne fccn anderswo gehört worden, — sondern offen und frei, — ganz, wie es Männern von Ehre geziemt, — zu Werke gegangen. — Wenn die Orthodoxie aber eine völlige Niederlage erlitt, so kam es daher, weil ihre Gegnerin, die Partei deS Fortschritts, die größte Majorität besaß und noch am Wahltage selbst alles Mögliche — z. B. das Abholen der Schwankenden und Zweifelhaften durch Droschken u. s. w. — angewendet hatte, um nur nicht an dem Felsen „JnvifferentismuS" zu scheitern, und, — was Hauptsache war, — eine etwaige Zersplitterung der Stimmen zu verhüten. Und da diese wirklich verhütet worden, so ist es nun ganz natürlich, daß die „Fortschrittspartei" als Siegerin aus dem Kampfe hervorgegangen. — Was aber weiter werden wird, — ist uns noch verborgen. — Aus dem Syncrgv gen - Bezirk Crefeld, 27. September. (Privatmitth.) Vor der Durchführung des Gesetzes vom 23. Juli 1847 ist nun auch das Consistoriüm von Crefeld gefallen. Wenn man auch der Thatigkeit und den Einsichten des Herrn Oberrabbiners Bodenheimer alle Gerechtigkeit widerfahren läßt, so hängt doch nicht damit zusammen, ^daß der Fall dieses Consistoriums, als am 19. Juli der Kreis Crefeld zu einem Synagogenbezirk coNstituirt und Vorsteher und Repräsentanten für denselben gewählt wurden, nicht bedauert ward. DaS erste, was der Vorstand that, war — sich eigene Platze in der Synagoge zu votiren! Wird er in diesem rühmlichen Verfahren fortfahren? werden die Repräsentanten zu Allem Ja sagen? oder wird sich ein rüstiges Leben daraus entwickeln? Oesterreichlscher Kaiserstaat. Wien, 29. September. (Privatmitth.) Während der jetzigen Feiertage sind in Wien zwanzig jüdische Beihäuser, sage zwanzig, und in allen diesen ist es gepfropft voll, und zwar habe ich dabei blos die Anzahl der Bethäuser innerhalb der Linien angegeben. " Wer hätte vor einem Jahrzehend daran gedacht, daß' -ie Anzahl der Juden in Wien eine so bedeutende werden und daß noch so viel religiöses Gefühl vorhanden sein werde. Unwillkürlich dächte man dieses Mal bei der Haftora an die politischen Verhalniffe. Ist eS doch höchst selten so klar und so wahr geworden Vjfhir» 'ö-'nn rnvp. ■ Im Musikvereinssaale, wo die Lithurgie, wie die im Tempel ist, stand ein Eantor und ein Chor, die erst seit einigen Wochen eingeübt wurden, und nichts desto weniger ging die Sache recht gut. Ich erlaube mir dies mitzutheilen, weil an vielen Orten noch'ein so großes Vorurtheil gegen das Sulzer'sche „Schir Zion" herrscht, als würde es zu schwer und nur für hervorragende Sänger und'für einen langeingeschulten Chor geeignet sein. Es giebt gewiß wenig Melodien, die so anregend wären, als die im Schir Zion und jede Gemeinde, die darauf bedacht ist, den Gottesdienst zu heben, sollte dieses Buch nicht entbehren.. Freilich wäre eS auch wünfchenswerth, wenn Herr Sulz er den schon lange gefaßten Beschluß zur Ausführung brächte und Gesänge Herausgabe, die solche Gemeinden berücksichtigen würden, wo' der Chor nur schwach vertreten sein kann. — Eben wird von dem Gemeindevorstande die Einzahlung der zweiten Rate zum neuen Tempelbau ausgeschrieben. —1 Es liegen mir „pab ws" eine Auswahl exegetischer Vorträge von A. Wolf, RabbinätS-Assessor zu Pohrlitz in Mähren, vor. Es ist das ein Uebergang von der Derascha zur Predigt. ES sind manche dunkle Stellen auS Talmud und Midrasch recht glücklich gelöst. Es geht jedenfalls daraus hervor, daß in dem verstecktesten Winkel das Bedürfniß gefühlt, eS nütze und wirke das Alte nicht mehr und eS müsse ein neuer Geist wehen, der Israel zu neuem Leben weckt. — So eben ist erschienen, empfohlen vom Unterrichtsministerium, eine Fibel und ein erstes'Sprach- und Lesebuch für jüdische Volksschulen, auf welche ich. nächstens zurückzukommen gedenke. — . Wien, 6. October. (Privatmitth.)-'Hei Gelegenheit der religiösen Feste, die wir so ‘ eben gefeiert haben, erlauben Sie mir auf'S Neue eine Frage in Betreff des Sündenbekenntnisses und tfün h* anzuregen. Jedes bessere Gemüth findet sich gewiß verletzt, wenn eS' da für Sünden sich an die Brust