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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-10-16 · Heft 42 (16.10.1854) · p. Seite 529

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 42 (16.10.1854)
Date
1854-10-16
Page
Seite 529 (sequence 5)
Language
German
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829 schast mit einer der christlichen Kirchen des Landes" heißt. — Auf Grund dieser Bestimmung ist nun in dem vom 7. Juli e. datirten Rescript des Herrn Oberpräsidenten unserer Provinzen der Magistrat und die Stadtverordneten der Stadt Posen — durch welches Letztere zur Wahl von zwei neuen Landtags-Deputirten und deren Stellvertretern aufgefordert werden — ausdrücklich gesagt worden: „Zu dem Wahlakte sind die Mitglieder der Stadtverordneten- Versammlung jüdischen Glaubens nicht mitberechtigt." — Nichts desto weniger sind aber durch den Vorsitzenden des Stadtverordneten- Collegiums zu Posen, Herrn I. R. Tschuschke, zu der Sitzung am 13. v. M., in welcher eben die Wahl der LandtagS- Deputirten rc. stattfinden sollte, sammtliche Stadtverordneten ohne Unterschied des Glaubens eingeladen worden. — Es waren 25 — und unter diesen 6 Juden — erschienen. Nach Erledigung eines andern wichtigen Punktes entspann sich über die Bestimmung: „daß die Stadtverordneten mosaischer Confession zur Theilnahme an der Wahl von Landtags- Deputirten nicht berechtigt seien" eine lebhafte Debatte, in welcher von den einzelnen Rednern folgende vier Ansichten geltend gemacht worden: 1) die Stadtverordneten-Versammlung sei nur dann als gesetzlich constituirt und beschlußfähig anzusehen, wenn sämmtliche Mitglieder zur Theil- . .. nähme an dem betreffenden Akte aufgefordert werden; 2) nach dem Pberpräsidial-Rescript vom 7. Juli c. seien in diesem Falle die Stadtverordneten gar nicht als Collegium, sondern vielmehr nur einzeln als durch das Vertrauen der Gemeinde gewählte Vertreter derselben bei der quästionirten Wahl zusammen berufen; 3) eS möge von den anwesenden sechs jüdischen Stadt- . verordneten jedenfalls das Wahlrecht mitgeübt, der. königlichen Regierung aber dann die Ent- . scheidung: „ob die Wahl gültig oder nicht" anheim gegeben Werdens hiergegen aber , 4) daß man sich nicht zu einer "Wahl Herbeilaffen , möchte, von welcher voraus zu sehen, daß sie die Bestätigung der königlichen Regierung nicht erhalten würde. . . - Nach Schluß der Debatte, an welcher sich 8 Redner — 3 Juden und 5 Christen — betheiligt hatten, .yM.de. vom Präses folgende Frage gestellt: „Hält die Stadtverordneten-Versammlung als solche sich berechtigt, beim Vorhandensein des Rescripts deS Herrn Oberpräsidenten vom 7. Juli 1854, mit Ausschließung der Stadtverordneten jüdischen Glaubens, die Wahl der beiden Landtags-Deputirten und deren 4 Stellvertreter zu vollziehen?" und diese Frage von der Versammlung einstimmig verneint. — Es ist demnach in jener Sitzung nicht gewählt worden. — So ist's in Posen geschehen, während die Stadtverordneten-Versammlungen aller andern Städte, welche das Wahlrecht zu üben hatten, wie Bromberg, Gnesen, Lissa, Rowicz, Wöllstein u. s. w., mit Ausschließung der jüdischen Mitglieder ohne jegliche Debatte und dergleichen, die städtischen Abgeordneten zum Provinzial-Land- Lage gewählt haben. Aus der Provinz Posen, 5. Oktober. (Privatmitth.) Ein Stück, welches im Frühjahr e. in Berlin und im Sommer in BreSlau gespielt hat, ist vor einigen Wochen auch in Posen zur Aufführung gekommen, nur mit dem Unterschiede, daß in letzterer Gemeinde weniger Theater-Coups ausgeführt, weniger Knall-Effecte angewendet und — was Hauptsache ist — weniger hinter den Couliffen gespielt worden, als dies in den beiden ersten Gemeinden der Fall gewesen. — Das Stück, von welchem wir sprechen, heißt: „Wahl neuer Gemeinde-Repräsentanten, volksthümliches Drama in unzähligen Akten, mit Vor- und Nachspiel." — Wie in Berlin und Breölau, so ftnif auch in Posen neue Gemeinde-Vertreter gewählt worden, und wie in jenen Städten, so ist auch Hier die sogenannte „Partei des Fortschritts" die Siegerin geblieben. In Posen aber ist Alles mit natürlichen Dingen zugegangen. Die frühere Verwaltung und Vertretung, fast durchgehende der Fortschrittspartei angehörend, hat vor der neuen Wahl nachgewiesen, wie viel durch sie in den Jahren, da sie am Ruder standen, erspart und von der Gemeindeschuld getilgt worden. Und dies wirkte, — wirkte Mehr als alle ManeuvreS, so anderswo angewendet worden, um für die Sache des Fortschritts Sympathie zu erwecken. Der Anhang, den diese Richtung in Posen gewann , war größer, als man nur erwarten, konnte. In der Vorwahl gab sich dies am deutlichsten kund, indem sich hier für daS Durchbringen der vorgeschla-

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