Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1854)
- Date
- 1854-10-09
- Page
- Seite 516 (sequence 4)
- Language
- German
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516 len Flug wieder durch ein freiwilliges Zurückfallen in den realen Kampf — des JudenhassesGarantien geben, wolltenicht, gar ein Himmelsstürmer werden zu wollen. Dieses ist eS, was ich als besonders charakteristisch in der „deutschen Philosophie" finde, und daher so bezeichnet Zu „deutschen^ Philosophen^—wiewohl man sonst nur Jacob Boehme so^n^nyt, — -sind also auch Fichte, Paulus, Strauß, die Bauer, Erdmann u. s. w. zu zählen; am allerwenigsten aber die wahren Deutschen und die währen Wilösöphen: Leibnitz und Kant. Diese hatten, wie der wahrhaft 'größte Deutsche der Jetztzeit, dier trotz seines hohtn Alters in unvergänglicher Jugend verbleibt — nicht blos eine eigene Meinung, sondern auch den ächten und rechten Mulch sie klar und unumwunden auszusprechen. " '; Doch zurück zu Schelling. ' In ihren Grundelementen enthält seine Philosophie eine Lehte, wie sie für den wahren'Juden in der Bibel, d. h. in dein sogenannten alten Testament, ausgesprochen ist, die aber eben keine Theologie und keine Philosophie ist, sondern reines Menschenthüm lehrt und dazu heranbildet, daher kein Glauben, sondern Ernennen und Handeln fordert. ' Das Müßte wohl Herrn von Schelling, Geheimerath, Präsident der Academie, Ritter rc. rc., unbehaglich sein; zumal er sich noch obendrein, als 'christlicher Theolog und Offenbarungsgläubiger geriren und seine Lehre nach dem christlichen Staate modeln Und Mit demselben in Einklang bringen ‘ will; — wie ist äuö diesem Zwiespalt herauszukommen? — Am leichtesten Wohl mit einem Witz nach der einen, und mit mythologostren nach der andern Seite hin; und so fiel Schelling von der wahren.Philosophie zu der von uns sogenannten „deutschen." Daß aber dieselbe im Äbsterben, können wir eben an Schelling wahrnehmen: den noch bei Lebzeiten das herbe Schicksal traf, sein Lieblingskind — als Prototyp des eigenen Todes — an Altersschwäche sterben zu sehen*). — Mit Hegels selbstständigem Auftreten, der eigentlich in seinen Anfängen ganz in Schelling steht, sich dann aber von dessen Romantik losmacht— hat Schelling auch zu leben aufgehört. So aufgehört, daß es wirklich tragikomisch ist, in englischen Blattern Schelling, bei der Anzeige seines Ablebens, als. letzten Hegelianer bezeich¬ *) Fertig ist Schelling nie geworden: in seinem Leben so wenig wie in seiner Philosophie; er ist nur Mt beiden subjectiv zu Ende gekommen.— net zu ssehm. . Man scheint:also^ im England? vom zweiten Aufflackern; der Offenbarungsphilosophie .gär nichts erfahren oder ckeine-Notiz mindestens davon genommen zu haben. Was wir:'oben von dem Sterben der Schelling'schen Philosophie -an Altersschwäche noch bei Lebzeiten — und' als Vorbilddes Todes ihres Meisters gesprochen, gehört eben der „deutschen" Philosophie, ganz besonders aber Hegelan. 'Derselbe bezeichnet Spinoza's Philosophie:' „als starre Bewegungslosigkeit, deren einzige Thatigkeit ist, Alles in den Abgründ der Substanz zu' werfen, in dem Alles dahinschwindet/ alles Leben in sich verkömmt; Spinoza ist selbst an der Schwindsucht gesto rben.^ An einer andern Stelle:• „Spinoza starb an der Schwindsucht, an der er lange gelitten — übereinstimmend mit seinem Systeme, in dem auch alle Besonderheit' und Einzelheit in der einen Substanz verschwindet."- : Muß man da nicht wirklich des im Judenthume als Grund- und Erfahrungssatz *) angenommenen 'Si*Ta nw gedenken! Hegel ist im Jahre 1831 in Berlin an der Cholera gestorben! — Eine bedeutende Besserung ist also nicht zu verkennen. Die „deutsche" Philosophie ist vor der Cholera zur Altersschwäche vorgerückt. Aber gerade dem Alter ist durch „die süße Gewohnheit des Lebens" schon eine bedeutende Zähigkeit zu eigen geworden; so wird es wohl auch noch eine Zeit läng heißen: Die deutsche Philosophie ist todt! es lebe die deutsche Philosophie! — -rrr.-i .Der Wiedereintritt -er Juden in Spanien. . Unser Schreiben an den Chef des spanischen Staatsministeriums uüd die Petition an die Cortes (letzteres in 600 Exemplaren aufs Eleganteste gedruckt) sind abgegangen. Gott gebe seinen Segen! Das brave Consistönum zu St. Etienne hat sichwie versprochen, schriftlich auch an den boarü ok vepulies gewendet, um sich an die Cortes zu wenden. Letzteres' hat ein deSsallstges Comite erwählt. Außer dem Wahlkörper von Jrun (s. Nr. 39) haben sich auch noch andere (selbst in Madrid) für „Freiheit der Culte" ausgesprochen. Hoffen wir das Beste. ' *) sowohl beim Sttafen wie beim Lohnen, also keineswegs als Räche, sondern als vollgültige Gerechtigkeit.—-