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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-10-02 · Heft 40 (2.10.1854) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 40 (2.10.1854)
Date
1854-10-02
Page
Seite 508 (sequence 8)
Language
German
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5Q8 Almanach, der 1851 in San Francisco herauSgekommen, Münzen des Landes, und ein Pergament über die Israeliten in Californien. Nach der üblichen Versenkung; hielt der Dr. Eckmann eine. sehr licht - und begeisterungsvolle. Predigt über 28. Cap. des 1 B Mos. und ein Gehet. Die Synagoge wird 27 Fuß lang, 50 F. breit und 40 F. hoch, in gothischem Style, elegant. In zwei Monaten soll sie fertig sein (zu K'i); nebenbei wird. ein SchulhauS errichtet. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Bemerkungen gegen den Artikel des Herrn Rabbiners S. N. Hirsch: „Der Jude und seine Zeit." Jacta est alea! Endlich ist das große Ereigniß erfolgt,- das entscheidende Wort gesprochen! Nun endlich hat die hyperorthodore Partei im Iudenthum ihr Credo i abgelegt, ihr Symbolum formulirt. Der Schleier ist gelüftet und wir können ihr klar in's Angesicht schauen. Sie hat den Fehdehandschuh hingeworfen und zum Kamps ihre Gegner herausgefordert. „Wer nicht für mich, .ist wider mich!" ist ihre Losung. Nur in unserem Lager ist das reine, wahre, älteste Judenthum, außer demselben ist nichts'als eitel Trug und Heuchelei*), Abfall und Ketzerei! Und viele, ja viele gesetzestreue Israeliten, die mit inniger Ueberzeugung und mit wahrem Hochgefühle täglich das achte- Wort in unserem Glaubensbekenntnisse sagen: „Die Lehre der Wahrheit hat der Herr, seinem Volke gegeben, durch seinen Propheten, den Bewährtesten seines Hauses" --- (vergl. dazu Maimuni's Mischnah-Commentar zu Ch elek) — und in ihre Rechtgläubigkeit nicht den geringsten Zweifel setzten, sehen sich mit einem Male, weil sie eine zeitgemäßere Gestaltung und Umbildung der jüdischen Institutionen im Cultus und Leben, entkleidet von allen fremden Auswüchsen,und Mißbräuchen, von Abgelebtem und Unwesentlichem, anstrebten, außerhalb des Judenthums stehen! — Das sind die Gedanken, die sich mir heim Durchlesen des Probeheftes des „Jeschurun von S. N. Hirsch" aufdrängten. *) Das möchte nun freilich nur eine beliebte „Retourkutsche" sein. Der geistreiche. Herausgeber hat in dem, in, vieler Hinsicht trefflichen und ausgezeichneten Artikel: „ jb.e.r,-..3;-ub.c und seine Zeit," wozu die gelieferten Correspondenzen den Commentar bilden,- den Knoten, dessen Lösung bisher nicht gelungen, mit dem scharf , gewetzten. Schwerte seiner blendenden, Dialectik. zerhauen. Wohl hat Herr Hirsch das Perdienst in dem besagten Artikel, der eigentlichen Frage an den Leib gegangen zu sein., Er hat kühn den Riß aufgedeckt, der zwischen den Ultrareformern und dem orthodoren, historischen Judenthum obwaltet, die jähe Kluft gezeigt, die die beiden Extreme von einander trennt. Aber er hat auch unter seine eigene Partei den Erisapfel geworfen und sie dadurch zerspalten, zerklüftet, zersplittert. Was wollen Sie, den Bestrebungen der Zeit nach einer zeitgemäßer» Reform des Gottesdienstes und ähnlicher ritueller Gebräuche gegenüber, mit dem Ausrufe sagen: „War das Judenthum je zeitgemäß?*) kann das Judenthum je zeitgemäß werden?**) konnte es.so je gewesen sein? wird es je es werden?" „War je in allen diesen Jahrtausenden (von Abraham bis auf. die Jetztzeit) das Judenthum zeitgemäß, entsprach es je den Ansichten der herrschenden Zeitgenossen, war es nicht der Mißdeutung und Verkennung ausgesetzt, war es je bequem und leicht-, Jude und Jüdin zu sein? und es wäre die Aufgabe des Judenthums, jederzeit zeitgemäß zu sein?!" „Nie und nimmer wird der Jude nur eine Faser seines Judenthums opfern, nie und nimmer wird er sein Judenthum zeitgemäß gestalten." Wer hat es unter all den verschiedenen Parteien und Richtungen, die seit etwa fünfzig Jahren im Judenthum entstanden, in Abrede gestellt, daß das Judenthum als göttliche und. ewige Wahrheit über Zeit, und Raum erhaben,. keinen Wechsel- und keine Veränderung zulassel Wird nicht in allen jüdisch e,r Tempeln und Gotteshäusern, als neuntes Wort in unserem Bekenntnisse, gesungen: „Nicht wechselt der Herr mit seinem Gesetze, hebt es nimmer auf/ und giebt es in Ewigkeit nicht für ein anderes hin." Mit solchen Phrasen wollen Sie dem allgemeinen,., aus dem reinsten, religiösen Bewußtsein hervorgehenden Verlangen entgegentreten, alle dio heißen Wünsche nach Verbesserüng der religiösen Zustände niederdonnern!? Wer weiß es nicht, daß der Jude, als Bekenner der Wahrheit vom Anbeginn *) Allerdings! **) Allerdings, und nur Wort dreh er ei oder Ge- .schichtSverdreherei können sagen, daß das Judenthum n.i cht „zeitgemäß" mehrere Male sich. reformirt habe und reformiren mußte! Red a.ct.

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