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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-09-25 · Heft 39 (25.9.1854) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 39 (25.9.1854)
Date
1854-09-25
Page
Seite 497 (sequence 9)
Language
German
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497 willig Hammer und Kelle zur Hand nehmen. Die Gebäude, die da errichtet werden, sind bloS von jüdischen Händen erbaut. Zum Schluß erlaube ich mir Ihnen mitzutheilen, daß sich eben jetzt hier ein Knabe Mar Ellenbogen befindet, der eine wahrhafte Erscheinung auf dem Gebiet der Rechenkunde ist. Derselbe ist fünf Jahr und löst mit außerordentlicher Schnelligkeit Aufgaben im Kopfe. Derselbe hat noch kaum eine genaue Kenntniß der Ziffer. Es wäre zu wünschen, daß der Knabe eine angemessene Ausbildung erhalte. Dem Vater desselben stehen leider nicht die Mittel dazu zu Gebote. Wien, 11. September. (Privatmitth.) Ich schrieb Ihnen, wie sehr sich die Juden in Oesterreich — in allen Kronländern und unter allen Classen — an der Nationalanleihe betheiligt haben, obgleich zwischen Gewinn und Verlust hier keine Frage entstehen konnte. Als sehr unliebsamer Gegensatz haben dagegen einige Statthalter Circulaire ergehen lassen, worin die Bevölkerungen gewarnt werden, sich ihre Betheiligungen nicht zu niedrigen Coursen ablocken zu lassen und namentlich vor jüdischen Wucherern und Hausirern auf ihrer Hut zu sein!! Die Reclamationen, die allerdings deshalb ergehen dürften, können keinesfalls das Geschehene ungeschehen machen. Türkei. Constantinopel, im August. Der Bericht, den Herr Albert Cohn über seine Audienz beim Sultan in der Wiener „Presse" gab, und auch wörtlich an unS schrieb, lautet im Ausführlichen folgendermaßen: „Herr vr. Albert Cohn, Präsident des israelitischen Consistorial-Comite'S in Paris, hatte am 21. v. M. die Ehre, von Sr. Majestät dem Sultan im Palaste von Tscheragan Serail empfangen zu werden. Der k. k. LegationSrath und erste Dragoman, Herr Schreiner, wohnte der Audienz bei. Der Großherr sprach sich dahin aus, daß sämmtliche Rechte, Privilegien und Immunitäten, welche bisher den christlichen Gemeinden gewährt worden sind und künftig gewährt werden, auch den Israeliten in der Türkei zugestanden werden sollen, „denn das väterliche Herz Sr. Majestät werde niemals zugeben, daß der geringste Unterschied zwischen den nichtmuselmännischen Unterthanen (Rajah's) des Reiches obwalte." Der Großherr sprach weiter: „Mein Herz ist weit und umfaßt alle meine Staats-Angehörigen mit gleicher Liebe wie meine Kinder." Herr Cohn wurde hierauf eingeladen, Mittheilungen über die von ihm errichteten Anstalten in Jerusalem zu machen. Als er der israelitischen Schule erwähnte, welche in Constantinopel gegründet werden soll, unterbrach ihn der Sultan mit den Worten: „Du meinst es gut mit meinen Unterthanen!" Der Sultan-bewilligte hierauf, die Zahl der. in die Militairschule von Kumbar- Chaneh (früher Galata-Serail) aufzunehmenden jüdischen Zöglinge auf 40 zu erhöhen. (Dieselben haben dort ihre eigene Küche und leben ganz nach ihrem Ritus.) Der Sultan gewährte ferner, daß zwei der befähigtsten Zöglinge jährlich auf seine Kosten nach Paris oder einer andern Hauptstadt in Europa zur Vollendung ihrer Studien gesendet werden sollen. Als vr. Cohn den von der jüdischen Religion beim Anblick eines Monarchen vorgeschriebenen Segen feierlich sprach, standen dem Sultan Thränen in den Augen. Er dankte dem Herrn Cohn und sagte: „Wenn Du nach Constantinopel zurückkehrst, triffst Du Deine Glanbensgenossen in einer bessern Lage. Ich verspreche eS Dir." Diese Worte wurden von Ferid Effendi verdolmetscht, welcher Dr. Cohn beim Sultan eingeführt hatte und beifügte: „Ich freue mich, mit Said Pascha zeitig genug angekommen zu sein, um dieser merkwürdigen Audienz beizuwohnen, denn niemals sah ich den Sultan so bewegt." An demselben Tage wurde Herr vr. Cohn auch von Said Pascha empfangen, welcher ihm für die Israeliten in Aegypten ebenfalls alle Zugeständnisse verhieß." Constantirropel, 25. August. (Privatmitth.) ES ist hier ein eigenthümliches Ereigniß vor sich gegangen, das die Gemüther vieler Israeliten sehr erschüttert hat. Der Sultan hat plötzlich den Chacham- Baschi seiner Würde entsetzt. Die speciellen Beschuldigungen des Würdenträgers weiß man nicht, im Allgemeinen heißt eS: „wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt." Nun ist zwar die ganze Amtsgewalt des Chacham-Baschi eine mißbräuchliche — was freilich die hiesigen Juden nicht einsehen — aber der jetzige Chacham-Baschi hat es eben nicht anders gemacht, wie seine Vorgänger. Man vermuthet daher, daß die Regierung in die Rechte und Stellung deö Cha- 39

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