Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1854)
- Date
- 1854-09-25
- Page
- Seite 496 (sequence 8)
- Language
- German
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496 — Fabrikant Reichenheim, Mitglied der Reformgenoffenschaft, ist von der Negierung zum Mitglied der Commission für die preußischen Industriellen bei der großen Parisex Ausstellung ernannt worden. So wenig Fortschritt an sich daS auch in der bürgerlichen Gleichstellung sein mag , so ist eS doch bei der steigenden Beflissenheit, die Juden von Aemtern und Ehrenstellen auszuschließen, ein wohlthuender Lichtblick. Freilich derfranzösischen Regierung gegenüber, die solche Commissionen veranlaßte und sie amtlich anerkennt, wäre die Ausschließung jüdischer Fabrikanten etwas sehr Auffallendes gewesen, da in Frankreich der Unterschied der Confessionen im socialen Leben nur noch eine Mythe der Vergangenheit ist. — Die Erfolge des Herrn Albert Cohn in der Levante wurden auch hier mit der freudigsten Ueberraschung vernommen, obgleich in den Berichten manche Uebertreibung und Decoratwn Vorkommen mag. Wird aber nicht bald auch ein Essendi aus Constantinopel viee versa nach Europa gehen, um das LooS der Juden zu verbessern? Der humane Sultan kann jetzt mancher christlichen Groß- und Kleinmacht Vorstellungen wegen besserer Behandlung der jüdischen Raja's machen! Vor einiger Zeit hatte ein junger Jurist unsers Glaubens bei einem deutschen Minister in persönlicher Audienz um ein berufsmäßiges Amt angehalten, und folgendes kurzes Zwiegespräch wird aus dieser Audienz erzählt. Minister: „So lange ich lebe, wird kein Jude in meinem Departement angestellt." Jurist: „Ercellenz haben sich versprochen, wollten nämlich sagen „„so lange ich Minister bin."" Der deutsche Minister goß ein diplomatisches Lächeln über die leist knirschenden Zähne und schwieg. Pasewalk, 11. September. (Privatmitth.) Im verflossenen Monat stierte in der hiesigen Gemeinde daS allgemein geachtete Leystr Sänger'fche Ehepaar das st seltene Fest der goldenen Hochzeit. Die Königin hatte dem Jubelpaare zu diesem Ehrentage (am 10. August) die Psalmen Davids in einem höchst geschmackvollen Einbande verehrt, und unstrm. Prediger, Herrn Wolfssohn, war der Auftrag geworden, dieses Geschenk dem Jubelpaare an heiliger Stätte zu überreichen. Es begab sich daher das Jubelpaar mit seinen Kindern und Enkeln am genannten Tage Mittags 1 Uhr nach der reich bekränzten Synagoge, die von Juden und Christen angefüllt war. Am Eingänge derselben wurde daS Jubelpaar von dem Bürgermeister und zwei Rathsherren der Stadt, von dem Prediger, dem Vorstande, und den Repräsentanten der Gemeinde empfangen, und dann aus den vor der heiligen Lade befindlichen freien^ Raumgeleitet, i Daraus hielt Herr Wolsssthn über Psalm, .37, -25 eine dieser Feiere angemessene Predigt, von der das Jubelpaar wie auch viele Zuhörer sichtlich ergriffen Wurden; dann sprach derselbe bei Ueberreichung des königlichen Geschenkes einige sehr würdige. Worte und schloß mit einem Gebet, für den König und daS Königshaus. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 10. September. (Privatmitth.) Die hohe Statthalterei hat sich bewogen gefunden-, den Herren Vertretern ein Anerkennungsschreiben zukommen zu lassen für die patriotischen Gesinnungen, die dieselben bei Gelegenheit deS Rationalanlehens an den Tag legten. Die Cultusgemeinde als solche betheiligte sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln mit 50,000 Fl., die Gemeindebeamten mit 10,000 Fl., und zwar hatten einige Beamten separat gezeichnet, bevor'noch die Aufforderung des Vorstandes an sie erging. Der Vorstand des Handwerkvereins hat für den sonntägigen Gottesdienst, eine neue PhySharmonika angeschafft, die einer Orgel nahe kommt. , Es konnte eine ganze Orgel um st weniger angeschafft werden, da bei dem Bau deS jetzigen Tempels keine Rücksicht auf eine solche genommen wurde und daher der Platz dazu fehlt. Herr Albert Cohn, der von Jerusalem zurückgekehrt ist, hat den Vorstand ersucht, demselben zu gestatten, im Tempel einen Vortrag zu halten, in welchem er der Gemeinde Bericht erstattet über seine Wirksamkeit in der heiligen Stadt. Dieses Ansuchen wurde bewilligt und derselbe erzählte von seinem Wirken in Afrika, wie Gott ihn auserkoren, im Osten und Westen jüdische Gemeinden zu leiten (Paris unh Jerusalem). Von Jerusalem berichtete er, daß er Port ein Spital begründet, wo 1368 Kranke bereits versorgt wurden*); auch die Schule sei bereits in voller Wirksamkeit und was. die Hauptsache ist, daß die Leute so *).Jn 18 Betten? Wie ist das möglich?!!;j