Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1854)
- Date
- 1854-09-25
- Page
- Seite 498 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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498 charn-Baschi eingreisen wolle. Nun wäre dies zwar vom allgemeinen Standpunkte aus sehr wünschenSwerth, wenn — man nicht dann ganz und gar in die Hände türkischer Beamten käme, d. h. aus dem Regen in die Traufe. Man kann in Europa leicht sagen, den Geistlichen der verschiedenen Nationen müsse die Macht genommen werden, wenn dies nicht noch die einzige Abwehr gegen die Willkür und ErpressungSlust der türkischen Beamten wäre. Die Art und Weise, wie hier ein Ehacham-Baschi erwählt wird, istdaß die Vorsteher sämmtlicherGemeinden, denn jedesStädtviertel bildet eine Gemeinde für sich, zusammen wählen, und die Pforte die Wahl bestätigt, waS gemeinhin geschieht. Die Vorsteher wählen nun durchaus nicht den gelehrtesten, würdigsten Chacham, sondern der verspricht, sich von ihnen leiten zu lassen. Einen wirklich gelehrten und frommen Mann und seinen Fluch fürchten sie viel zu viel. Aus den obigen Gründen geschah es nun, daß, während sonst die Vorsteher selbst bei der Pforte um Absetzung einkommen, wenn Einer zu lange Ehacham-Baschi bleibtdiesmal sich über 200 angesehene Personen vereinigten Und in feierlichem Aufzuge die Wiedereinsetzung des Ehacham-Baschi erbaten. Der Erfolg ist noch nicht bekannte Sonst geht hier Alles seinen gewöhnlichen Gang. Ich werde Ihnen Näheres berichten. S-d. Literarische Nachrichten. Manchester, Mitte August. (Eingesandt.) Herr vr. I: M. Jost im 10. Bande seines großen GeschichtswerkeS S. 379, sprechend über die Damascus-Affaire, hat folgende Stelle: „Sehr energisch und treffend hatte ihn (F. I. C., Professor in Oxford) bereits Morris I. Raphall und ein Artikel der Times vom 5. November gründlich widerlegt" xu s. f. Da es ein Wort unserer Weisen ist {-sbifioi trätt ■pto'ia »widrm bs u. f. f. und da ich überzeugt bin, daß es wichtig und für Niemanden mehr wichtig sei als für Herrn vr. Jost, dem Namen des Verfassers des besagten Artikels, der nicht weniger den begeisterten Juden, als wie den tiefen Denker und ausgezeichneten Stylisten beurkundet und der der heiligen Sache der Wahrheit einen so großen Dienst geleistet hat, zu kennen und mit Verehrung zu nennen; so bitte ich, mitzütheilen, daß der Verfasser obigen Artikels kein anderer als wie unstr würdiges und', hochgeehrtes Gemeindemitglied Herr T.> Theodores, Professor auf Owens Kollege, hier war (vergl. Nr, 13. Jahrg. 18s lr S. 150). AriiicuS veritatis. Leipzig, im September. Es wird Viele interes-r fircn, zu erfahren, daß das vor Kurzem vollendete Phi-r lippsvn'sche Bibelwerk einen Kostenaufwand von 15,892 Thalern (ohne die Nebenaüsgaben) gemacht hat. Hingeigen hatte das Werk gleich Anfangs 1800 Abonnenten, Magdeburg, im August. Wir haben eine Menge von Religionsbüchern aus diesem und den letzten Jahren votliegen, die einer Beurtheilung noch eutgegensehenr Indem wir diese Unterlassungssünde gutinachen wollen, beginnen wir am liebsten mit dem Neuesten, um. so — rückwärts zum Ziele zu gelangen, vr. Julius Pop-i per, Prediger und Religionslehrer in Dessau: Israeli tische Schulbibel und Spruchbuch zum Gebrauch beim israer litischen Religionsunterrichte nebst einem kurzen Abriß der Geschichte der Juden. Dessau, 1854. Wir wollen mit dem Verfasser nicht rechten, daß er in der Vorrede alle seine Vorgänger als unzulänglich charakterisirt—- denn ein Mal liegt dies in der Natur der Sache, und dann giebt Herr vr. Popper wirklich viel. Denn er giebt zuerst eine ausführliche biblische Geschichte, indem er. diesk durch das auszügliche Schriftwort selbst erzählen läßt, nur da 'den Ausdruck verwischendws er der Jugend nicht angemessen ist. Hierzu nun Erzählungen aus den Apokryphen, die Zerstörung des zweiten Tempels- Geschichte der Juden bis auf unsere Zeit. Hierauf „Gedichte und res ligiöse Lieder" und 13 Psalmen. Endlich: „Spruchbuch oder die Grundzüge der israelitischen Religionslehre in einer geordneten Allswahl der wichtigsten Aussprüche der heiligen Schrift und Rabbinen," in welchem (freilich! nach dem gewohnten, entlehnten Schematismus) Definitionen an der Spitze jedes Paragraphen stehen, und dann eine große Reihe von Versen aus der Schrift und Stellen aus dem Talmud und Midrasch, und viele Andeutungen auf letztere folgen. Die Auswahl ist hier sehr selbstständig getroffen, mit vielem Fleiße, und der größte Th'eil zu diesem Zwecke neu ausgesucht. — Die Leser sehen demnach, daß das Buch des vr. Popper ein sehr brauchbares ist, worin Bibtzlauszug, Geschichte und ReligionSlehre zusammen sind. Das Ganze ist mit Einsicht und Sinnigkeit geordnet. Wir könnten fragen: warum S: 1 die Uebersicht über die Bibel und S. 374 die Liturgik so