Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1854)
- Date
- 1854-09-25
- Page
- Seite 492 (sequence 4)
- Language
- German
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493 rer Treue gewisser war und weil sie den christlichen Heeren große Dienste leisteten *). Ja, sie waren den Christen unentbehrlich, weil diese damals allein das Schwert führten, alle Künste und Gewerbe verachteten, welche die Juden nun übten, wie der angeführte Geschichtsschreiber'wörtlich sagt: los elementos de cüllura que estabar en mabos de los judios, llegaron d ser indispensables d los eristianos 2). Noch mehr, die Juden waren es, welche in einer nur durch ritterliche Tapferkeit ausgezeichneten Zeit die Wissenschaften in Spanien von den Arabern zu den Christen verpflanzten. ' Deshalb begünstigte der, den Wissenschaften ergebene, hochberühmte König Don Alonso el sdbio die Juden außerordentlich, die in seinem Reiche wohnten1 * 3 4); die Akademie zu Cordoba befand sich in den Händen und Quartieren der Rabbi's5), Schatzmeister und Leibärzte der christlichen Könige gingen in größer Anzahl aus der Reihe der Israeliten hervor5); in allen wissenschaftlichen Zweigen zeichneten sie.sich literarisch aus, in den Naturwissenschaften, wie in Astronomie, Chemie?), in allen medicinischen Fächern5), sie übertrugen Sckriftm fremder Zunge in's Eastilische5). schrieben Originalwerke in dieser Sprache?5), ja auch sehr bedeutende poetische"); und noch die Pragmatica Königs Juan II. (1443) erweist die außerordentliche Wichtigkeit der spanischen Juden in allen mechanischen Künsten und Gewerben, ihren Fleiß, ihre GeschicklichkeitI2). Und haben nicht endlich unparteiische Geschichtsschreiber erwiesen, daß die Juten, welche in Castilien und Ärragonien wohnten, zu dem Siege Ferdinands und Jsabrllens wesentlich beitrugen, dazu ganz unentbehrlich waren, dazu die größten Opfer brachten? Los Rios sagt p. 153: De esia niauera la cooperacion de los judios era necesaria y con-?) L. c. p. 23. 5) L. c. p. 24 8) De este modo, sagt Los Rios, los hebreos, emulando basta cinrto punlo la sed de gloria y el araar d las ciencias que abrigaba el pueblo de Rlahoina, contribuian por su parle d inocularle en el crisliano etc. 4) L. c. p. 31: En aquella epoca permanecion analas riencias en mauos de los drabes y de los hebreos. s) L. c. p. 38. °, L. c. p. 50. 52. 79. L. c. p. 273 f. *) L. c. p. 284. 9i L. v. p. 280. L. c. p. 284. 294. "i L. c. p. 290. 301. 309. ,sj L. c. p. 118. veniente al1 logro de las esperanzas de los Reges Catolicos y de la nacion entera los judios, pues, siguiendo constante mente los ejercitos eristianos^ acudieudd a sus necesidades, merced al celo e ilustrada previsiön de la reina calölica, prestaron, d la causa del crislianismo importantes servicios. Es ist daher gar nicht abzusehen, mit welchem Recht Ferdinand und Jsabella die Vertreibung der Juden decretirten, da auch die fanatischesten Gegner den Juden nichts Nachtheiliges, die Verbannung Begründendes und Rechtfertigendes vorzubringen vermocht haben; Niemand war im Stande/ wirklich nachzuweifen, daß die Juden zu ihrer Vertreibung Veranlassung gegeben hätten, außer daß sie ihrem Glauben unerschütterlich treu bleiben wollten; und selbst der Schriftsteller, welcher dieses Werk des Fanatismus wenigstens aus dem politischen Grunde der „religiösen Einheit" der Nation, die bei den eben überstandenen Kämpfen gegen die Mauren von Wichtigkeit gewesen wäre, vertheidigt, nennt es selbst dennoch „eine Undankbarkeit der katholischen Könige, da die Juden bei der Eroberung sich doch so sehr verdient gemacht hatten"?), und erkennt aller Orten unserer Väter völlige Unschuld an2). Vielmehr war und bleibt die Verbannung der Juden im März 1492 lediglich das Werk der Inquisition/ welche Spaniens Boden noch Jahrhunderte mit Blut tränkte/ Spaniens Luft mit Seufzern der Gefangenen und Gemarterten füllte8). Dahingegen sind die gewissenhaften Schriftsteller auch darin einig, daß diese Verbannung der Juden die nachtheiligsten Wirkungen für Spanten selbst hatte', den Ruin des Handels, den Verfall der Staatseinkünfte, den Verlust vieler Schätze, welche die Juden trotz aller Beraubungen Mitnahmen, so daß der Sultan Bajazeth ausrief: „Was ist das für eine Politik des Königs von Spanien , sein Land zu verarmen und das unsrige zu bereichern!"^) „Mit der Vertreibung der Juden," ruft Los Rios aus, „schwanden die wahren Quellen des Wohlstandes der Städte, Handel und Gewerbe erlitten einen tödtlichen Schlag (un golpe mortale)!"5) Nicht minder war der Verlust in wissenschaftlicher Beziehung sehr fühl- 1) L. c. p. 193. 2) L. c. p. 72. 103. 3) L. c. p. 177: como una necesidad, emanada na« luralmenle de la creacion del tribunal de la inquisiicion« Cfr. p. 182. 4) L. c. p. 76. 77. 188. 5) L. c. p. 189.