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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-09-18 · Heft 38 (18.9.1854) · p. Seite 484

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 38 (18.9.1854)
Date
1854-09-18
Page
Seite 484 (sequence 8)
Language
German
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der ängstlichen Verfolgung des EntwickelungSgangeS des gegen Rußland begonnenen Kampfes, schenkt man den Anstrengungen, diö im Stillen die innere Umgestaltung Ln der Türkei vorbereiten, wenig Aufmerksamkeit, und doch liegt in denselben der Samen der Zukunft des osmanischen Reiches. Der Großvesier Kepresli Pascha, ein Mann deS Fortschrittes, dessen reformatorifche Ansichten in die engen Rahmen des AlttürkenthumS nicht paffen, schreitet auf der betretenen Bahn entschlossen vor, und schreckt , vor den Jntriguen der Alttürken, die ohne Einschreiten Reschid Pascha'S seinen Stürz längst vollführt haben würden, nicht zurück. Unter seiner Leitung und auf sein unabläßlicheS Drängen sind mehrere Wichtige Gesetzvorschläge vorbereitet worden und sollen dem Staatsrathe nächstens zur Entscheidung vorgelegt werden. Unter andern verdienen nachstehende Gesetzvorschläge besonders erwähnt zu werden: 1) Bezüglich der Zulassung der Rajah's zum Militairdienste. 2) Die endgültige Reorganisation der Gerichtstribunale auf der Grundlage der Gleichberechtigung ohne Religionsunterschied. 3) Die Entziehung der temporairen Gewalt der Patriarchen der verschiedenen Glaubensbekenntnisse und die Dotation der Geistlichkeit durch den Staat. Ohne die Tragweite dieser Gesetzvorschlage erörtern zu wollen, muß doch erwähnt werden, daß der letzte Vorschlag, wiewohl ein nothwendigeS Corollar jeder ernstlichen Reform im selbstständigen Staate, gegen bedenkliche Schwierigkeiten verstoßen muß. ES stehen ihm vor Allem die durch großherrliche Firmane erneuerten Privilegien der verschiedenen Glaubensbekenntnisse entgegen. Die Vorrechte der Patriarchen und deS CHacham-Baschi sind sehr umfangreich, sie üben die mittelbare Gerichtsbarkeit, die nur durch die Möglichkeit deS RecurfeS an die Pforte beengt ist, aus, und in dieser Gestaltung ist die Gleichförmigkeit der Gerichte nicht möglich. Nordamerika. Cincinnati, 18. August. In einem kleinen polemischen Artikel gegen den N. §). Sun bemerkt „the Israelile,“ daß jetzt 42 Synagogen in den Vereinigten Staaten sind, aber daß mehr als das Doppelte dieser Zahl von Gemeinden hat noch nicht gebaut. Die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten ist jetzt ungefähr 17,000 Familien oder 100,000 Seelen. Die Meisten sind Emigranten, die, arm angelangt, : durch Industrie, Fleiß, Energie und Gewandtheit sich emporgeschwungen, sodaß Wenige arm sind. Mehrere beschäftigen sich auch mit Ackerbau, Pacht und Plantagen. Der „Israelite“ zählt solche beim Namen auf, die hier nicht weiter interessiren. (Warum beginnt bereits der „iZraelite" seine Nachrichten aus dem „Auslande" aus dieser Zeitung zu ercerpiren, ohne die Quelle anzugeben? S. Nr. 6.) Literarische Nachrichten. Aus Mähren, im Juli. Das regere, bewegtere Leben, das sich auf dem lange verödeten Gebiet der jüdischen Wissenschaft in so erfreulicher Weise kund giebt, nimmt auch in Oesterreich einen immer größer» Aufschwung, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. So manches treffliche Werk hat uns die neueste Zeit gebracht, so manches nützliche und schöne Unternehmen ist im Entstehen. Und würde sich in gleichem Grade die Theilnahme und die Liebe des Publikums mit dem Fleiße und der Rührigkeit der Autoren und Editoren steigern, so könnte unsere Zeit eine der glänzendsten oder doch eine der fruchtbarsten Perioden der jüdischen Literatur werden. Doch ist die allgemeine Klage über die Gleichgültigkeit deS Publikums gegen seine geistigen Güter und'literarischen Schätze eine sehr alte, die schon im Munde des genialen Al-Charisi i« ihrer ganzen Schärfe und Bitterkeit ertönt — was aber in Anbetracht der schöpferischen Thätigkeit doch etwas übertrieben zu sein scheint. Al-Charisi, der in der Vorrede und in der ersten Makäme seines Tachkemoni so gewaltiglich die Geißel seiner schneidenden und beißenden Satyre über diesen alten Krebsschaden geschwungen, hat doch endlich zwei mächtige Mäcene gefunden, die ihm nach dem Weihrauch, den er ihrem Ruhme spendet, zu urtheilen, reichlichen Ersatz für die Vernachlässigung seiner Zeit geböten haben müssen. Al-Charisi scheint aber bei seiner Dedication des Divan eine kleine Malice begangen zu haben, indem er zuerst sein Werk, der Vorrede gemäß, dem Samuel Albarkoli gewidmet, wobei natürlich die in unfern Ausgaben vorkommende erste Makäme fehlte; später aber, als er einen noch großmüthigern Mäcen in R. Joschua „dem göttlichen Fürsten" fand, fügte er als Widmung und Vorrede, mit Hinweglassung der altern, die erste Makäme hinzu, worin dem R. Joschua

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