Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1854)
- Date
- 1854-09-18
- Page
- Seite 483 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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488 statt, während welcher Zeit die Musik ein von dem hiesigen Pianisten Herrn Nathan eigens; dazu componirtes Stück spielte. Hierauf sang der Chor mit Musikbegleitung ein schönes,, von dem Kandidaten Michael Wolff (Sohn des Oberrabbiners) verfaßtes dänisches Lied, bei dessen Schluß der Dr. Wolff die Kanzel bestieg und die Einweihungspredigt auf den Text wnpn iivV-, hielt. Alles lauschte in tiefster Andacht den Worten des bewährten Redners, die, gehaltvoll und mit Begeisterung gesprochen, tief in Aller Herzen eindrangen und einen nicht zu beschreibenden Eindruck machten. Selbst die anwesende christliche Geistlichkeit konnte nicht umhin, die hinreißende Beredtsamkeit unseres Oberrabbinett zu bewundern und flch demgemäß später zu äußern.^ MN einem-dänischen Liede schloß die Feierlichkeit. Abends beim Gottesdienst wurde das ■'nnmsb mit Instrumentalbegleitung vorgetragen, worauf Di-. Wolff uns wieder durch eine Predigt erbaute, in welcher er die drei Inschriften unserer Synagoge: nr, ->72 nab V.-i und 'n auseinandersetzte und mit Anknüpfung an sie von der Gesinnung sprach, mit welcher man in'sGotteshaus treten, darin weilen und es wieder verlassen müsse. Auch beim Morgengottesdienst predigte derselbe über den Sabbathabschnitt mit derselben Gediegenheit und derselben begeisternden Wirkung, wie in den beiden vorangegangenen Predigten., — Sonntag endlich fand die Confirmationsfeier von 10 Knaben und 3 Mädchen statt. Die Synagoge war bei dieser erhebenden Feier dermaßen überfüllt, daß die Menge bis hinaus zu den äußern Thüren stand. Die geist- und gemüthvolle Predigt hatte Sprüche Salom. 3, 16 — 18 zum Text. Ihr folgte die Anrede an die Confirmanden, die Religionsprüfung und eine ergreifende Schlußrede. Kein Herz blieb bei dieser Feier ungerührt, kein Auge thränenleer. Besonders ergreifend war eS, als im Schlußgebet die Thurmuhr der naheliegenden Kirche die zwölfte Stunde verkündete und der Rednex innehielt, bis der letzte Schlag ertönte, und dann meisterhaft und überraschend fortfuhr: „so lassest du uns mahnen an die Flucht der Zeit auch in dieser Stunde, die zur Ewigkeit uns bereiten soll k." Im Ganzen hatten wir den hohen Gast, der hier durch seine belehrenden und erbauenden Predigten so viel zur Hebung der Religiosität unserer Glaubensbrüder und im Allgemeinen zu einem wahren winp vwii beigetragen, acht Tage in unserer Mitte, während welcher Zeit die Gemeindemitglieder in der Erweisung, von Zeichen, der Verehrung und Liebe gegen ihn förmlich wetteiferten. Ein Paar silberne Leuchter, worauf die Zeichnung der Synagoge eingravirt ist, wurden nebst einer Dankadresse ihm vom den Confirmanden überreicht, obgleich er von vornherein zu Gunsten des Lehrers, der den Consirmandenunterricht ertheilt hatte, auf jede Remuneration verzichtete. Sämmtliche Mitglieder der Gemeinde waren bei seiner Abreise versammelt und ein großer Theil gab ihm Vier Meilen weit das Geleit. Sein hiesiger Aufenthalt, der uns so viele geistige Genüsse gewährte, wird noch lange uns in Erinnerung bleiben. S. M.......r. Rußland. Brody, 25. August. Der -,Lloyd" läßt sich von hier aus schreiben: „Die russische Regierung läßt jetzt ihren israelitischen Unterthanen nie geahnte Begünstigungen und Vortheile zukommen. Außer den bereits mitgetheilten, bei der jüngsten Recrutirung auch schon realisirten Suspension der Kinderaushebung für unbestimmte Zeit wurde neuerlich den russischen Juden verstattet, sich in unbefugten Bezirken zu welch' immer einem Behufe, eben so auf dem flachen Lande anzustedeln und unbehelligt hier wie dort ihren Geschäften oder ihrer Arbeit nachzugehen. Ferner wurde der Ukas, der den Juden das Wohnen an den Grenzen innerhalb eines Umkreises von 50 Werst verboten, ohne bis jetzt jedoch durch den voraussichtlichen Nachtheil, den dies dem russischen Handel und Verkehr zugezogen hätte, in Ausführung gebracht worden zu sein, aber stets wie eine Drohung über ihre Existenz hängend, nun definitiv aufgehoben, und dies Damoklesschwert der jüdischen Grenzbewohner für immer entfernt." — . Wir wollen glaubendaß dies wörtlich wahr sei, und halten uns damit entschädigt, wenn für den kleinen Artikel über die „Kinderaushebung" in Nr. 21, der aus einem in Regensburg 1844 erschienenen Buche gezogen war, diese Nummer confiscirt und der verantwortliche Redacteür dieser Zeitung, Herr Wienhold, zu vierzehn Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Türkei. Constantinopel, 7. August. (Wand.) In der Erwartung der bevorstehenden Kriegsbegebenheiten, iy