Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1854)
- Date
- 1854-09-11
- Page
- Seite 471 (sequence 9)
- Language
- German
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471 Neuigkeitzu offenbaren, haß viele derberühmtesten Fabriken Berlins im Besitz und geleitet von Juden sind, und unsere Gemeinde verdankt ihren Wohlstand weit weniger dem bloßen- Zwischenhandel, als dem Fleiße ausgebreiteter Technik in den mannigfachsten Zweigen, Seit einigen Wochen besteht hier ein Atelier, aus welchem Gegenstände einer neuen Kunst hervorgehen, das Melier des Herrn M.. Czarnitow, in welchem Steine und Steinwerke Keg offen wen den. Diese Steine werden aus einem gewöhnlichen Sande mit einer Gattung von Cement gebunden und sind so hart wie natürlicher Granit. Die kolossalsten Stücke, wie die höchsten Treppen, und die zartesten Bildchen, gehen aus der Künstlerhand des Herrn Czarnikow hervor, darunter auch manches für specifisch jüdischen Gebrauch. Wir nennen z. B. Grabsteine, die von natürlichem Granit oder Sandstein 20 bis 50 Thaler kosten, würden, aber hier höchstens 10 Thaler kosten.. Beim Bau von Synagogen, oder sonstigen Gemeindehäusern kann dieser Kunststein mit großem Nutzen verwendet werden. Herr Czarnikow und ein christlicher Fabrikant, Herr C. Fehse, sind bis.jetzt die einzigen Werkmeister dieses Faches, und, was hervorzuhehen ist, der jüdische Meister steht auf weit höherm Standpunkte der Plastik, wie sein christlicher Kunstgenosse, er hat auch früher als Zeichner viermal den Preis bei der Akademie gewonnen. Zeitungen begrüßen diese Erfindung als eine solche, die fähig ist, eine Umwälzung im Bauwesen hervorzubringen. F. Lt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 31. August. (Privatmitth.) Der Vorstand der Gemeinde geht damit Fm, hier auf dem Gottesacker Familiengrüfte zu stiften, wie das in Berlin, Frankfurt rc. der Fall ist. Für den Fall, haß diesin'S Leben gerufen wird, wäre es wohl gut, wenn bei denjenigen, die keine Familiengrüfte haben, hie Beerdigung nach der Ordnung stattfände, nicht aber daß auch da noch besondere Bevorzugungen eintreten.; - Sogleich nach den. Feiertagen wird der Bau des neuen Tempelsbeginnen. Wie in den letzten Jahren wird auch Heuer Gottesdienst in Filialbethäusem an den hohen Festen stattfinden und zwar im Muflkverein und in der Leopoldstabt. Im ersteren predigt Herr Breuer, in letzterer vr, Woff. Ä Itttgcn'ity im Juli. (Privatmitth.) Wie aus den österreichischen politischen und Schul-Zeitungen zu ersehen ist-, gehen die christlichen Volksschulen in Ungarn eirier schönen Zukunft entgegen; es ..vergeht fast keine Woche, wo nicht ein erfreulicher Bericht über die Hebung- und daS Gedeihen mancher bis jetzt verwahrlosten Schule zu lesen wäre. Fragt man nachder Ursacheso erfährt man, daß die christlichen, ja sogar sehr verschuldeten Gemeinden, besonders die größern, keine Opfer zur Bildung ihrer Jugend scheuen, wozu ihnen auch die hohe Negierung hülfteiche Hand bietet, und wozu die Jnspections- Reisen der Distrikts - Schulenoberaufseher besonders viel beitragen. — Ganz anders leider! verhält es sich mit den jüdischen Gemeinden und deren Lehrern; auch da werden zwar Schulen, ja sogar Hauptschulen von drei bis vier Classen creirt (dem Namen nach und Lehrer im Concurswege von allen vier Weltgegenden berufen. Aber worauf sind solche Schulen gegründet, und wie sieht eine derartige Lehreranstellung im Lande Hogor aus? Diese zwei wichtigen Fragen zu beantworten, habe ich mir zu meiner Aufgabe gestellt, und zwar aus menschenfreundlichen Gesinnungen. — Was die erste Frage betrifft, so find die jüdisch-ungarischen Schulen auf nichts als auf die Kinder, d. h. auf daS Schulgeld gegründet; die Kinder sind also der Schulfond. Daher werden ,. besonders zu W. Neustadtl, die armen Unschuldigen am n"n Tage schaarenweise um Schulgeld nach Hause gejagt, wobei eS nicht selten geschieht, daß einige Eltern, weil sie nicht zahlen können oder wollen, ihre Kinder auf Wochen oder Monate von der Schule abhalten! — Was aber die Stellung der Lehrer betrifft, so ist dieselbe leider! noch trauriger, da man sich nach den Fleischtöpfen der alten und den Pefther Märkten zurückzusehnen scheint, auf welchen letztem, man immer einen Transport von sich feilbietenden Lehrern zu Gesicht bekam, welche natürlich nicht so kostspielig als die jetzigen, aber auch nicht zu gut und nicht zu schlecht waren; kurz, man nahm sie, wie sie waren, und jagte sie nach einigen Wochen fort, wie sie warey. — Diese Sehnsucht findet schon darin ihre Bestätigung, da in Neustadtl a. d. W. seft acht Jahren, seitdem die dortige Schule besteht, fast noch kein einziges Jahr ohne Entlassung eines, zweier oder dreier Lehrer verging, so daß, wie ich auS sicherer Quelle erfahren, seit jener Zeit zwischen 20, sage zwanzig und 37