Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1854)
- Date
- 1854-09-11
- Page
- Seite 470 (sequence 8)
- Language
- German
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470 er bis jetzt allein gehalten wurde, theilS durch die mannigfaltigen dabei eingeschlichenen Mängel seit einiger Zeit von so Vielen vernachlässigt worden, zu seiner ihm angemessenen Würde und Bedeutung zurück zu führen-, und vott dem Wunsche beseelt, den fast erkalteten Sinn für die ehrwürdige Religion der Väter wieder zu beleben, haben die Endesunterschriebenen rc.," worin gewiß weder Streitsucht, noch Indifferenz, noch Abfall, noch eigentliche Reformabsicht ausgesprochen ist. Jener Aufsatz besagt aber noch weiter, zur Zeit der Stiftung des hiesigen Tempels (vor zwanzig Jahren, wie er glaubt) habe der Name „Jude" als synonym mit „niedrigste Creatur" gegolten. Wir können den Verfasser hierin völlig beruhigen, da wir Nachweisen können, daß bereits vor 150 Jahren die Juden hier officiell als sehr achtungswürdige und nützliche Staatsangehörige betrachtet wurden, die man ja nicht belästigen müsse, um sie nicht zur Auswanderung zu veranlassen. Aber wie kann man nur in einem Buche von dieser Tendenz so referiren!*) — In der Türkei hat sich in der letzten Zeit zweierlei constatirt, und unsere früheren Angaben bewahrheitet. Erstlich, daß die Juden dort auch in industrieller Hinsicht im äußersten Verfall sind, da man bei allen den ungeheuren LieferungS-, Speditions- und Bankgeschäften, die der Krieg hervorruft, dort kein einziger Jude genannt wird, obgleich Griechen und Armenier sich alles Mißtrauens würdig bezeugt haben — und zweitens, daß der Druck, den sie von ihren Chachamim erleiden, den von außen bei weitem übertrifft, und daß ohne den Sturz der Rabbinermacht an keine Hebung der türkischen Juden zu denken ist. Bei den Juden ist dies freilich speciell noch nicht zur Sprache gekommen, aber desto ausdrücklicher bei den Griechen in Bezug auf ihre.Patriarchen und Popen. , In einigen Tagen wird hier der Grundstein zu einer neuen Synagoge der portugiesischen Gemeinde (etwa 100 Seelen) gelegt. Preußen. Berlin, 3. Septbember. (Privatmitth.) Die Allg. Zeit. d. JuVenth. erfreut sich auch, wie bekannt, *) Wir müssen gestehen, es ist in dem angeführten Aufsatz im Wiener Jahrbuch mehr Unsinn enthalten, z. B. es müßten die Predigten nur abg el esen werden! rc. Redact.ion. einer großen Popularität beim achtbaren Handelsstand, und ich darf auf dessen Aufmerksamkeit hoffen, wenn ich von einem großartigen Geschäft spreche, welches Vorsteher der Berliner Gemeinde betreiben: Es ist ein aus den vormärzlichen Jahren sehr bekanntes Brennöl-Geschäft. Sie erinnern sich ohne Zweifel noch des damals in allen Zeitungen viel genannten polizeilichen Angebers Namens Brenn öl; derselbige Mann ist seitdem erloschen, sein Geschäft dagegen ist in andere Hände übergegangen. Gestürzte Vorsteher der Neuorthodorie sind so weit gegangen, ihre von der Gemeinde berufenen Nachfolger beim Polizeipräsidium als Democraten zu denunciren, um dadurch ihnen den Eintritt in's Amt zu verschließen, und wirklich ist den Denuncianten wenigstens so viel gelungen, daß die Bestätigung der Neugewählten noch nicht emanirt ist, daß die Wahlkrisis nun schon sieben Monate dauert, und, was die Hauptsache ist, daß die noch immer nicht aus dem Gemeindehause zu bringen sind. Der jüdische Volkswitz sagt freilich, da die neuorthodoren Vorsteher ihr Licht weiter leuchten lassen wollen, so brauchen sie zu diesem ihrem Y^n allerdings Brennöl, allein es knüpft sich an die saubere Handlungsweise mehr als flacher Witz, es knüpft sich daran die wiederholte Ueberzeugung von der Unsittlichkeit deS Charakters derer, für die das Judenthum nur da zu sein scheint, um eS zum Gegenstand der Herabwürdigung zu machen. Ich weiß von guter Hand, daß ein hoher Beamte, der bei der Entscheidung das gewichtigste Wort zu sprechen berufen ist, seine verachtende Entrüstung über solche Vorgänge ausgesprochen hat, und ohne Zweifel hat die Sippschaft sich selbst durch ihren Verzweiflungsschritt den Gnadenstoß gegeben: die Neuorthodorie ist nunmehr nicht bloß abgesetzt, sondern auch abgethanl Herr Br. V. wird hoffentlich keinen dieser Leute mehr zum Vorsteher im! Collegium der Repräsentanten Vorschlägen, und hat er sich bis jetzt der Freundschaft derselben erfreut, so muß er sich derselben von jetzt ab schämen. — So wenig Ehre das genannte Brennölgeschäft der jüdischen Gemeinde macht, so ist glücklicher Weise gerade diese Gemeinde doch gepriesene Mitträgerin des industriellen Rufes der Stadt Berlin, ja man darf behaupten, daß Juden eS waren, die, aufgemuntert durch 'Friedrich den Großen, das Uebergewicht des hiesigen! Kunstfleißes' gründeten. Ichbrauche Ihnen nicht als