Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-09-04 · Heft 36 (4.9.1854) · p. Seite 460

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 36 (4.9.1854)
Date
1854-09-04
Page
Seite 460 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225877-3225914--14088-3243571
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

460 sich in den neueren Zeiten bekannt gemacht haben. Selbst im Gefolge Sr. Majestät befanden sich einige ähnliche Namen. Se. Majestät dankten hierauf ver-. Kindlichst für alle diese Informationen und bat um eine Liste der Gemeindemitglieder. Die Staatsmänner, welche den König begleiteten, haben die Versicherung gegeben, daß gegenwärtig unsere Glaubensgenossen alle Freiheiten in Portugal genießen, daß mehrere in einer hohen Stellung sind und daß sie unter die besten Bürger gezählt werden. —. Die vor einiger Zeit verstorbene Gräfin I. E. Schimmelpfenning hat 1000 Fl. den bedürftigen Israeliten in Deventer vermacht. — Der König der Niederlande hat der Gesellschaft zur Beförderung der Handwerke unter den Juden im Haag eine bedeutende Summe auf seine Privatschatulle angewiesen. — In Holland eristirt eine Gesellschaft für das allgemeine Wohl (Watselisxni tot Nut van’t algemeen). Trotz ihrem Beiwort „algemeen" sind die Juden ausgeschlossen. Es bildete sich daher vor fünf Jahren eine Maats cliappy tot Nut der Israelieten in Nederland. Der Zweck derselben ist die Beförderung der guten Sitten, der Tugend und Eivilisation unter den Israeliten der Niederlande, sich stützend auf die israelitische Religion, die Verbreitung nützlicher Kenntnisse u. dgl. Am 9. Juli hielt die Gesellschaft ihre Jahresversammlung im Haag; eS waren unter dem Vorsitze des H. A, de Pinto die Centraldirection und die Abgeordneten verschiedener Städte. Der Generalsecretair, Herr I. Teireira de Mattos gab einen Bericht. Durch verschiedene Schwierigkeiten in Amsterdam hatte sich die Anzahl der Mitglieder fühlbar vermindert. Man hofft mit der Applanirung jener diese wieder wachsen zu sehen. Die Gesellschaft zählt jetzt noch zehn Abtheilungen mit 151 Mitgliedern und 42 Geschenkgebern. Es war im vorigen Jahre ein Preis ausgesetzt worden für die Beantwortung der Frage: WaS kann geschehen, um den Unterricht unter der israelitischen Jugend in den Niederlanden zu verbreiten, indem man die Forderungen unseres Jahrhunderts und die der Religion nicht auS den Augen verliert? Was kann hierin die quästionirte Gesellschaft thun? Von den drei eingelaufenen Antworten hat keine den Preis, eine nur ehrenvolle Erwähnung erlangt. Abhandlungen verschiedenen Inhalts.; Ein jüdisch-antiquarischer Fund in Cöin. Die Nachricht von dem interessanten antiquarischen Funde,: welcher in Cöln gemacht worden war, wo man nämlich im Garten des. erzbischöflichen Palastes einen jüdischen Leichenstein ausgegrabew hatte, welcher die Jahreszahl 157 nachweist, hat ein Berichterstatter aus Cöln zuerst in der Augsb.. Allg. Zeitung mitgetheilt, aus welcher sie in mehrere andere öffentliche Blätter und auch in die Allgemeine Zeitung des Judenthums (vgl. Nr. 17 d. I.) übergegangek ist. Bei dem Brauche der Juden, in ihren Jahreszahlen die Jahrtausende wegzulassen, war es ungewiß, ob man zu der Zahl 157 viertausend oder, fünftausend hmzuzufügen hätte und ob demnach der Leichenstein aus dem Jahre 397 (nicht 396, wie der Correspondent schreibt), oder 1397 (nicht 1396, wie es dort heißt) herstammel.! Der Berichterstatter glaubte sich für die erste Annahme entscheiden und dem Stein ein Alter von 1457 Jahren! vindiciren zu müssen, weil die Juden bereits im Jahre 1353 aus Cöln vertrieben worden waren, mithin nicht noch im Jahre 1397 ihre Leichen dort bestatten konnten. Jene Annahme fand auch noch in der Thatsache eine Unterstützung, daß aus anderweitigen Umständen und Documenten hervorgeht, wie im vierten Jahrhunderte und früher bereits Juden in Cöln seßhaft gewesen und Nichts schiender Ansicht des Berichterstatters entgegenzustehen, nach: welcher jener Leichenstein dem vierten Jahrhunderte angehören sollte. Dessen ungeachtet entstanden in uns, sobald uns diese Nachricht zu Gesicht kam, gerechte Bedenken gegen die Richtigkeit der in ihr ausgesprochenen Behauptung, welche die scheinbaren Belege , die .sie. unterstützen sollten, keineswegs zu beschwichtigen vermochten. Wenn nämlich der Stein aus dem Jahre 397 herrührte, so würde er aus einer Zeit stammen, in welcher der Tal-! mud noch nicht einmal redigirt war,- damals aber und selbst noch mehrere Jahrhunderte später waren Leichensteine bei den Juden gar nicht im Gebrauch, was schon hinlänglich daraus erhellet, daß die Talmudwerke wie die Midraschim und selbst noch die vorhandenen Sammlungen der Geonim, obwohl sie zuweilen des damals üblichen steinetnew Ueberbaues über dem Grabe und auch der Epitaphe gedenken, niemals der Leichenstetne Erwähnung thun, sogar nicht qn Orten, wo die Trauergebräuche abgehandett werden (vgl. Zunz, zur Geschichte und Literatur I p. 392 fst» was gewiß nicht unterlassen worden wäre, wenn schdü da-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.