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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-09-04 · Heft 36 (4.9.1854) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 36 (4.9.1854)
Date
1854-09-04
Page
Seite 459 (sequence 9)
Language
German
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459 bringen vermag, wenn er die zur Hebung derselben erforderlichen Eigenschaften besitzt, das beweist die elsäßer Gemeinde .Hä gen he im bei Basel. — Vor mehr denn 30 Jahren, da im Elsaß noch Alles im Finstern lag, wurde in dieser Gemeinde eine gut organisirte Schule mit trefflichen, Ln Seminarien gebildeten Lehrern gegründet. Der damalige Rabbiner, Rabbi Pinehas, Sohn des rühmlichst bekannten Rabbi Hirsch Kazenellenbogen, ein Mann von edler Gesinnung und hoher Bildung, erkannte wohl, daß eine gute Volksschule die Pflanzstätte besserer Gesittung und edlem Daseins sei, und richtete deswegen sein erstes Augenmerk auf die Gründung dieses Instituts, das nun seither seine guten Zinsen getragen, in materieller wie in geistiger Beziehung. Denn aus dieser Gemeinde ist schon mancher wackere Kaufmann, Handwerker und Künstler hervorgegangen, der das nicht geworden wäre, wenn nicht die Schule den in ihm schlummernden Keim zum Guten geweckt hätte. Auch segnen noch Viele das Andenken des schon lange und leider allzufrüh verstorbenen frommen Seelenhirten, dessen feuriges und eifriges Wort mit Enthusiasmus angehört wurde. — . Der gegenwärtige Rabbiner, ein Mann von eminenten Kenntnissen, folgte treu den Fußtapfen seines Lehrers unb Vorgängers und ist fein mehr denn zwanzigjähriges amtliches Wirken in seiner Heimathgemeinde ein segensreiches zu nennen. Herr Nordmann benutzt seine Autorität und seinen Einfluß in der Gemeinde zum Frommen und Gedeihen der Schule, welche heute wie immer von trefflichen Lehrern geleitet wird und unter günstigen Auspicien prosperirt, so daß sie unter den Volksschulen Frankreichs ohne Zweifel den ersten Rang einnimmt. — In der Synagoge zu Hägenheim sieht es so aus, daß manche Gemeinde, besonders in. Frankreich , die musterhafte Ordnung daselbst sich zum Beispiel nehmen dürfte. Ruhe und Stille, vierstimmiger und schöner Chorgesang, zeitgemäße Abänderung manches Veralteten in der Liturgie charakterisiren den dasigen CultuS, der durch die sowohl populären als geistreichen und gehaltvollen Vorträge deS Herrn Nordmann an Werth bedeutend gewinnt. Herr Rabbiner Nordmann hat schon Vieles dazu beigetragen, um die in der benachbarten Schweiz herrschenden Vorurtheile über Juden und Judenthum aufzuklären und. kämpfte schon oft gegen Vorgänge, wo dieseVorurtheile durch tatsächliche Beschränkung dev Juden sich breit machten/ mit Energie und Ausdauer im und für das Interesse seiner Glaubensgenossen, so z. B. bei Entstehung deS neuen judenfeindlichen Gesetzes in Baselland und in vielen andern Fällen. Vor etwa zwei Jahren untersagte die Negierung im Canton Waadt den dasigen Juden das Schächten als Thierquälerei. Die Juden zu Avenches beriefen Herrn Nordmann zu ihrem Vertheidiger und dieser wirkte sowohl durch mündliche Vorstellung als durch eine Denkschrift, worin er die Gründe des SchächtenS auf eine rationelle und sachgemäße Weise und diese Institution gerade als ein Mittel gegen Thierquälerei beleuchtete, vahin, daß die Regierung die Sache auf sich beruhen ließ. — Wenn auch Herr Nordmann mit dem Aelterwerden in seinem Feuereifer etwas nachgelassen, so ist ihm dennoch zur Gewohnheit geworden, im Dienste des Guten und Wahren zu wirken, zu welchem Zwecke ihm nun eine durch vieljährige Erfahrung erworbene Tüchtigkeit ersprießlich ist. — Holland. Der Haag, im Juli. Die Arch isr. de Fr. beschreiben den Besuch des jungen Königs von Portugal nach einer ihnen gewordenen Mittheilung folgender Gestalt. Am 19. Juni haben Se. Maj. der König von Portugal und sein Bruder der Herzog von Oporto, begleitet von ihrem Gefolge, die Synagoge des portugiesischen Ritus in Amsterdam besucht. Obgleich der Aufenthalt des Königs in Amsterdam von kurzer Dauer war, hatte er doch den lebhaften Wunsch, dieser Gemeinde einen Besuch zu machen, ausgesprochen. Der König wurde am Eingang des Tempels durch einige Mitglieder deS Parnaßimcollegs und durch die Geistlichen empfangen, die ihn in portugiesischer Sprache begrüßten. Nachdem der König dieses prächtige Gebäude und die darin enthaltenen großen Reichthümer in Augenschein und auf eine sehr freundliche Weise von der Geschichte der Gemeinde, ihrer Seelenzahl u. s. w. Kenntniß genommen hatte, wurde er zum Seminar tp*>n yjr geführt. Se. Majestät besuchten dasselbe mit großem Interesse, weil die Mauren die Namen derer trugen, welche dieses Seminar gegründet und erhalten haben. Unter diesen Namen gab es mehrere, welche nicht bloS in der alten Geschichte Portugals gekannt find, sondern selbst solche, welche 30

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