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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-09-04 · Heft 36 (4.9.1854) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 36 (4.9.1854)
Date
1854-09-04
Page
Seite 458 (sequence 8)
Language
German
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458 Was wir ganz und in sich vollständig vorgesunden haben, ist die Gemeindeknabenschule, um' die der Dirigent, Herr Horwitz, ein wahrhaftes Verdienst hat. ES sind sehr tüchtige Kräfte da beisammen, die einmüthig wirken. Wir nennen nur Herrn Dr. D. Cassel, der auch anderweitige Verdienste hat. Wir müssen eS auch gestehen, daß der Gottesdienst, wie er da gehalten wird, uns am meisten erbaute. Er ist würdig gehalten. Memel/ 23. August. Bei einer auf den segelfertigen Schiffen vorgenommenen Recherche wurden achtzehn Juden versteckt gefunden, die sich heimlich von Rußland entfernt hatten und nach England gehen wollten, ohne mit Reisepässen versehen zu sein. Sie wurden, mit Ausnahme eines Mannes, der entsprang, arretirt und werden an Rußland wieder ausgeliefert. So berichtet die Ostseezeitung. Wie fich die Zeiten geändert haben — ehemals wurden die Juden mit Gewalt aus den Ländern vertrieben, jetzt zurückgehalten! SHocjdfett, 24. August. (Privatmitth.) In Nr. 33 der Zeitung des JudenthumS wird die hiesige Gemeinde wegen der stattgehabten Taufe eines hiesigen neunzehnjährigen Mädchens stark mitgenommen, insbesondere, da dieses Ereigniß eine bittere Frucht der feit Jahren hier bestehenden Missionsschule ist. ES ist aber in der That betrübend, wenn das Verschulden einer Partei einer ganzen Genoffenschast zur Last gelegt werden und die Gemeinde einen Vorwurf hinnehmen soll, der nur eine geringe Minorität trifft. — Rogasen zählt viele höchst intelligente und einsichtsvolle Gemeindemitglieder, die, wenn auch der neuorthodoren Richtung angehörend, mit energischem Eifer wissenschäftliche Fortbildung der jüdischen Jugend und andere edle und humane Interessen anstreben und fördern. Ueberhaupt ist ein reger wissenschaftlicher Sinn nicht zu verkennen; eS sind hier Kaufleute, die ihre Muße eben so mit der Lectüre eines Plato wie mit dem Studium des Schulchan Aruch ausfüllen. Die Anschuldigungen mehrerer Correspondenten dieser Zeitung, daß hier keine jüdischen Zeitschriften gelesen werden, sind rein aus der Luft gegriffen; eS werden hier die meisten jüdischen Zeitschriften und Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur gelesen. Männer dieses StrebenS und dieser Gesinnungstüchtigkeit haben von jeher mit dem Gefühle einer sittlichen und religiösen Entrüstung die Eristenz der Missionsschule, wenn auch leider erfolglos, angekämpft. — Eine kleine Minorität von Gemeindemitgliedern jedoch, die sich zur mittelalterlichen Orthodorie ohne deren sittliche Momente bekennt , und noch in den Zeiten zu leben glaubt, da man lebendig gen Himmel fuhr und auf der Erde zu wohnen vergaß, übt durch einen gewissen Nimbus von erheuchelter Frömmigkeit und hohler Maschinen-Andacht einen gewaltigen Einfluß auf die Hefe des Volkes, das als gedankenloser Ceremoniensclave von seiner Gewohnheit und Verblendung und von seinen Lieblingsirrthümern nicht so leicht losläßt. Diese heilige Minorität vereitelt durch offene und versteckte Umtriebe jeden wenn auch noch so unschuldigen Fortschritt, und AlleS ad majorem Dei gloriam. So wurde unter Andern» vor einiger Zeit dem einflußreichsten dieser Dunkelmänner bescheiden der Wunsch geäußert, gegen die Beschaffung eines anständigen Leichenwagens nicht zu opponiren. Ganz naiv erwiederte dieser: ein solches Vorhaben wäre nutzlos, da doch Niemand mehr sterben werde. SarkaSmuS und Ironie sind die gefährlichsten Waffen dieser Werkheiligkeitsmänner. AlS vor einiger Zeit klar wurde, daß die Missionsschule ein offenes Attentat gegen die religiösen Interessen der Gemeinde sei, und schon ein objektiver Thatbestand einer Verleitung vorlag, haben einsichtsvolle und religiöse Gemeindemitglieder Mittel und Wege zur Beseitigung dieses UebelS berathen; aber da war es wieder das engherzige Ueberlegen und Wägen ohne opfermuthigen Sinn jener Parteiführer, woran jede zu ergreifende Maßregel scheitern mußte. DaS beste Charakteristicon der erwähnten Partei liefert ein von derselben entworfener Tarif, als AbschatzungSmodus zu den Gemeindelasten. Derselbe ist so schlau entworfen, daß nur die absolute Selbstsucht und Engherzigkeit ein solches Machwerk fabrieiren konnte. Zum Glück für unsere Gemeinde ist der Rabbiner loei ein höchst ehrenfester Charakter, der sich durch diese Parteibestrebungen in seiner Berufstreue nicht beirren läßt und wird es seiner fortgehenden Bemühung wohl gelingen, die erstorbenen Keime religiöser und humaner Interessen bald wieder zur üppigen Blüthe zu treiben., Frankreich. Aus dew Elfaß, 15. August. (Privatmitth.) Was ein Mann in einer Gemeinde zu Stande zu

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