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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-09-04 · Heft 36 (4.9.1854) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 36 (4.9.1854)
Date
1854-09-04
Page
Seite 457 (sequence 7)
Language
German
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457 1847 notwendige Bestätigung ertheilt, dagegen drei der zu Vorstandsmitgliedern und zwei der zu Stellvertretern gewählten dieselbe versagt haben, so daß also mit Nächstem eine Neuwahl bevorstehen dürfte. Obwohl die Vorgesetzte Regierungsinstanz zur Angabe von Gründen für die versagte Bestätigung nicht verpflichtet ist und auch solche nicht angegeben haben soll, so vermuthet man doch bei Vieren der nicht bestätigten, da Brüder von ihnen als Mitglieder des Repräsentanten-Collegiums fungiren, daß eben diese Verwandtschaft der Grund der Nichtbestätigung sei. Wenn auch das Gesetz vom 23. Juli 1847 hierüber keine Bestimmung enthält, so scheint man analog den Bestimmungen über Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung auf Grund deS §. 30 der Städte-Ordnung für die östlichen Provinzen der Monarchie vom 30. Mai v. I.: „Vater und Sohn, Schwiegervater und Schwiegersohn, so wie Brüder dürfen nicht zugleich Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung sein" verfahren zu sein. Der fünfte der Nichtbestätigten bekleidet ein zum Reffort der städtischen Armendirection gehöriges besoldetes Communalamt (vr. meä. Oesterreicher) und vermuthet man hierin die Ursache der versagten Bestätigung. —. Eine öffentliche Bekanntmachung der Königl. techn. Bau-Deputation fordert von den Candidaten der Baukunst zur Ablegung der Bau-Prüfung unter Anderm auch die Angabe, „welcher Confeffion sie angehören, worauf, ihnen wegen der Zulassung das Weitere eröffnet werden wird." Berlin, Mitte August. (Privatmitth.) Börne erzählt in seinen Briefen, wie die Pariser Alles auszubeuten verstehen. Da bietet ein Parfümeur seine Seife an und weiß von ihr zu rühmen, wie wohlriechend sie sei. Ein anderer Parfümeur rühmt seine Seife, daß sie eben gar keinen Geruch habe und daher selbst die zartesten Nerven nicht reize. Sie haben hier einen wohlbestellten Correspondenten, der mit scharfem Bljcke die Verhältnisse beurtheilt, unter denen er seit Jahren lebt. Gestatten. Sie mir, dem Wandersmann auch ein Urtheil abzugeben. Ich kenne freilich Berlin bloS seit einigen Tagen, glaube aber, daß mein Blick eben deshalb ein unbefangener ist. Vor Allem drängt sich die Bemerkung auf, wenn man das jüdisch -geistige! Berlin betrachtet, wie sehr eS zu bedauern ist, daß -wir wohl verstehen, Blumen zu einem herrlichen Strauße zu verbinden; wir fügen Perle an Perle und Edelstein an Edelstein und bilden daraus die herrlichsten Werke, daß das Auge wahrhaft geblendet und erfreuet wird: — auf geistigem Gebiete will uns dies jedoch höchst selten gelingen. Wer versteht es, die Geister zu paaren, die mannichfaltigen Bestrebungen zu einigen? — Es ist keineswegs in Abrede zu stellen, daß in Berlin so manche Capacitäten leben, wie sie selten beisammen zu finden sind, und doch wie zerfahren, wie weit aus einander gehen da die Wege. Und wo daS Geschick schon Zwei zusammenführt, da prallen sie mit solcher Gewalt gegen einander an, daß sie sich für Zeit und Ewigkeit von einander trennen. Dazu bietet Berlin wahrhaft eine Musterkarte aller Schatkirungen des Judenthums. Superorthodore, Orthodoxe, Neuorthodore (ein vortrefflicher Ausdruck Ihres geehrten Correspond enten) bis zu Holdheim mit der Reformgemeinde. ES versteht sich von selbst, daß jeder Vertreter einer Richtung die seinige als die alleinseligmachende betrachtet; und wenn er auch im Vorhinein nicht daran geglaubt, so hat er sich durch Zeit und Umstände hineingelebt. WaS das Bedauernswertheste ist, daß die eigentlich conservative Partei, wir verstehen nämlich darunter diejenige, die das Judenthum fern von dem Schmutz und Koth, die sich mit der Zeit daran gesetzt, erhalten wollen, am schwächsten vertreten ist und nicht zum Ausdruck kommt. ES ist keine Frage, daß Herr vr. Sachs zu denjenigen gehört,, die das Judenthum nach außen würdig zu gestalten berufen sind, der selber Sinn und Geschmack für das Schöne und Edle hat, und doch herrscht in der Synagoge, in der er fungirt, eine solche Jämmerlichkeit, die es allein erklärlich macht, wie so die Reformpartei noch fortbesteht. — Man täusche sich nicht. Wir haben mit unbefangenen Augen den Reformgottesdienst angesehen, und da giebt eS wahrhaft gar nichts Erbauendes, mit Ausnahme des Chores, der tüchtig eingeschultist. An dem Sonntage., wo wir den Gottesdienst besuchten, war nicht einmal Predigt, und doch dürfte da zunächst daS beredte Wort nicht fehlen. — Könnte es Herr vr. Sachs über sich gewinnen, einmal gegen Figuranten ä la Oettinger auszutreten und das Gotteshaus zu säubern; — wir glauben, trotz des wunderschönen neuen Tempels, den die Reformgemeinde. baut, würde derselbe verödet da stehen.

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