Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1854)
- Date
- 1854-09-04
- Page
- Seite 454 (sequence 4)
- Language
- German
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454 um einige kleine Muster-Anstalten gleich zu Stande zu bringen, und dann wäre gleichzeitig mit Anpflanzungen von Maulbeerhecken und Bäumen zu beginnen, die in diesem ihrem Mutterlande allenthalben in abgelegenen Orten und etwa in ganz öde liegenden Ländereien, Berg-Abhängen und Schluchten so leicht gedeihen mögen, wie in unscrm Gebirge die Hecken und Gesträuche, oder wenn auch nur, wie hier, das Weintraubenlaub, resp. Blätter, und wozu bei der dortigen Vegetation auch weit weniger Entwickelungszeit erforderlich sein wird. Auch hat der Seidenbaulehrer und Seidenzüchter Ramlow in Berlin auf der Hasenhaide allda ganz neue und gelungene großartige Versuche gemacht, den Maulbeersamen in Felder zu säen, und denselben, nachdem er aufgegangen und üppige Blätter hervorbrachte, wie Klee jedes Mal abzumähen und den Seidenraupen zum Futter vorlegen zu lassen, und damit auf leichte Weise eine Masse Futter gewonnen; derartige einmal angelegte Felder bringen immer reichliche Ausbeute, und würde damit schon so lange ausgeholfen werden können, bis die anzulegenden Maulbeerhecken und später dann Buschbäume und hochstämmige Bäume herangezogen wären, und wäre durch diese Ramlows Methode einem etwa bestehenden Mangel an Maulbeerblättern in so weit abzuhelfen, daß zum Beginn des Seidenbaues unverzüglich geschritten werden könnte, waS um so mehr zu bewerkstelligen wäre, da doch immer Jahre erforderlich sein dürften, um denselben recht in Schwung zu bringen und das unbenutzte Vorübergehenlassen der nächsten Saison die Sache dann um ein ganzes Jahr hinausschieben würden Ein Umstand, der dem Ramlow bei der Anpflanzung der Maulbeerwiesen viel zu schaffen machte, und welcher darin bestanddie jungen Pflanzen im Winter gegen die Kälte zu schützen, findet doch in jenem Klima nicht statt. Was nun den Kostenpunkt betrifft., so wäre dieser für einen kleinen Anfang, nämlich die Errichtung von Muster-Anstalten, so unerheblich, daß eS keiner weitern Auseinandersetzung dieserhalb bedarf, und würden solche ohnehin durch die gewonnene Seide gedeckt werden können. Sollten nun auch große Maulbeeranpflanzungen gemacht werden, so werden die dazu wohl schon geeigneten oder genügenden Oedländereien nicht allzuviel kosten; jedoch nachdem ste cultivirt sein werden und ihren Ertrag bringen, sich sehr gut rentiren. Auch dürfte eS nicht schwierig sein, dem betreffenden Comite durch Sammlungen diejenigen Geldmittel zu verschaffen, um an arme Familien Maulbeersaamen und Pflänzlinge, GrainS u. fl w. zum Beginn des Seidenbaues gratis verabreichen zu können. Ein derartiges Entgegenkommen und Unterstützen mit der Ausficht, bei geringer Mühe und Arbeit in 4 bis 6 Wochen ein schönes Geld erschwingen zu können, dürfte doch, namentlich in einem so geldarmen Lande, sehr lockend sein und leicht auch gute Aufnahme'finden und segenbringend werden. Es ist auch damit noch nicht gesagt, daß nur ausschließlich die Armen sich mit der Seidenzucht befassen und dabei Alles selbst besorgen sollen; vielleicht könnte durch eine richtige Arbeitsvertheilung solche wohl erst recht in Schwung kommen; so könnten Einzelne Maulbeerlaub ziehen und dasselbe verkaufen, Andere solches gegen Taglohn herbetschaffen, wieder Einige die Raupen halten und selbst behandeln oder behandeln lassen, sodann kommen die Seidenhaspeler (eine Beschäftigung für Frauenzimmer), oder es stellen fich an passend gelegenen Orten Etablissements oder zu bildende Gesellschaften ein, die Alles mit Arbeitern fabrikmäßig betreiben lassen könnten. Das Eine wie das Andere würde der armen Claffe bet leichter Arbeit Geldverdienst einbringen, der Anfang und die Durchführung wäre leicht, die diesseitige Mitwirkung für das Gedeihen sehr ersprießlich, dabei nicht schwierig. Rohe Seide ist ein viel und sehr gesuchter und beliebter Handelsartikel, leicht im Transport und jederzeit in den größten Massen per comptant verkäuflich. ES wäre ferner eine Hauptsache, wenn einmal eine derartige Verbindung in's Leben träte, indem ohne Zweifel dann weitere für die dortigen Zustände vortheilhafte sich anreihen würden. — Ich bemerke nun schließlich nochdaß meine Kenntnisse vom deutschen Seidenbau noch sehr jung und oberflächlich sind (der erwähnte Ramlow in Berlin hat darin bedeutenden Ruf), noch weniger aber ist mir das Nöthige wegen unserer Glaubensbrüder im heiligen Lande in dieser Beziehung so wie dessen klimatischer Verhältnisse bekannt genug, um dieses Projekt fester darauf fußen zu können, und will es daher Ihnen, geehrtester Herr Redakteur, überlassen, zu prüfen, ob und etwa was in meinen vorstehenden Aufstellungen enthalten, was der Beachtung so wie der weitern Besprechung und Erwägung werth ist, indem alsdann bei Ihrem regen Streben, die Noch unserer bedrängten Glaubensbrüder in dem heiligen Lande unserer Väter zu mildern, das denselben Nutzenbringende nicht unterbleiben wird, um welche Sie fich bisher schon so sehr verdient gemacht. S. Marr. Wir gaben diesen Artikel, um ihn hiermit den Sach-