Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1854)
- Date
- 1854-09-04
- Page
- Seite 453 (sequence 3)
- Language
- German
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433 von M. B. Israel, vormals Marder Cresson, betreffend die Beförderung der Agrikultur in Palästina, mit dem Nachtrag, daß sich bereits hierzu ein Comite gebildet habe. Unter den in diesem Schreiben bezeichneten, als zu erzielenden Handels-Artikeln ist der Seidenbau unerwähnt, der nach meiner Ansicht eine Hauptstelle einnehmen dürste. Als Mitglied der hiesigen Local-Abtheilung des Rheinpreuß. Landw. Vereins, in welchem dem deutschen Seidenbau viele Aufmerksamkeit gewidmet wird, habe ich davon so viel Einsicht erlangt, um sagen zu können, daß solcher für die ärmere Classe ganz außerordentlich vortheilhast ist, und von dem diesseitigen Seidenbau zu reden, kann nämlich eine arme Familie in 4 bis 6 Wochen ohne besondere Mühe oder Anstrengung für 30, bis 50 Thaler Seide erzielen, wozu nur ein kleines Zimmer erforderlich ist, worin die Gestelle (Hürden), welche sich Jeder selbst zurechtmachen kann, ausgestellt werden, worauf die Grains, nachdem sie ausgelegt und als Seidenraupen ausgegangen sind, circa einen Monat mit Maulbeerlaub gefüttert, bis solche spinnreif werden, wo dann wieder eine kleine Vorrichtung zu treffen ist, wo solche sich einspinnen (verpuppen). Die so gewonnenen Cocons werden dann durch Hitze, Dämpfe oder mit Kamphergeruch präparirt, um zu verhindern, daß das verpuppte Jnsect nicht als Schmetterling ausstiegt, und werden sodann die Cocons auf einer Haspel- Anstalt sorgfältig gehaspelt, und so ist die rohe Seide für den Handel fertig. Derartige in hiesiger Nähe zum ersten Mal von einem Seidenzüchter gewonnene Seide habe ich vor Kurzem in Elberfeld pro Pfund ä 8 Thaler verwerthen lasten, und der desfallsige Bericht, den ich von dortigen Sachkennern wegen Vereinszwecken mir zufertigen ließ, war sehr aufmunternd für den Seidenbau in unserm Moselthal; für unsere Gegend ist nun das Schwierigste, das Maulbeerlaub als Futter zu beschaffen, indem nur wenige Maulbeerbäume vorhanden sind, und derartige größere Anpflanzungen nur langsam und nicht leicht gedeihen, es würde sonst der Seidenbau rasch bei uns in Flor kommen. — ..-/isrv-*:>- Es sind mir nun die Zustände Palästinas! zu wenig bekannt, um zu wissen, ob,-und etwa'dyn'wem, dort Seidenbau betrieben wird. Da ich nun aus dem in der Kindheit schlummernden hiesigen folgere, daß daselbst solcher sich überaus leichter und mit weit bedeutenderm Nutzen, der namentlich der ärmern Elaste zu Gute käme, einführen! ließe, und der Möglichkeit unterstellend, daß dieser Zweig namentlich von unfern armen. Glaubensbrüdern Palästina's weder gekannt, noch irgendwie betrieben oder angeregt worden, so drängt es mich, die von mir gefaßte Idee wenigstens Ihnen, geehrtester Herr Redacteur, mit-, zutheilen, in der Ueberzeugung, daß es somit durch Ihre Verbindung mit dem sich daselbst gebildeten. Comitö für Agrikultur und Ihrem bekannten Wirken zum Wohle unserer dasigen Glaubensbrüder in den besten Händen ist. Sollte nun schon Seidenbau allda betrieben werden, so könnte das Comite schon darnach ermessen, in wie w?it die Verbreitung und Einführung vortheilhast und ausführbar wäre; für den etwaigen entgegengesetzten Fall will ich meine Idee etwas weiter ausführen.. Die schnellste Einführung ließe nach meiner Ansicht sich dadurch herbeif führen, wenn an einzelnen Orten, wo viele unserer Glaubensbrüder wohnen, Muster-Anstalten baldigst vorbereitet, und beim nächsten Eintritt des jungen Maulbeerlaubs in's Leben treten würden, wenn eine solche auch in noch so kleinem Maßstabe begründet, nämlich aus einem einzigen Zimmer mit den nöthigen wenigen Vorrichtungen, und durch Jemand geleitet würde, der den Seidenbau etwa schon kennt, oder sich inzwischen die hierzu nöthigen Kenntnisse aneigne, diese dann für Jeden zugängig wäre, so dürfte dieses schon zur Anbahnung genügen, denn eine bloße Anschauung ist zum Erlernen des Nöthigsten schon hinreichend, und wohl dann auch zur Nachahmung anregend, besonders befassen sich Kinder gern damit. Es ist der Seidenbau auch weder für andere Arbeiten störend, noch besonders kostspielige Zeit raubend,- da solcher wohl auch dort zwischen Saat und Ernte fallen wird. Die nähern Kenntnisse, als: über die beste Art der Seiden? raupen, die geeignetsten Behandlungsmethoden, die Erzielung und Aufbewahrung der Grains (Eierchcn) für die nächste Zucht, die besten Maulbeerarten zum Futter, Behandlung dieser Pflanze u. s. w. konnte ja durch Vertheilung der zu diesem Zwecke in geeigneter Weise anzufertigenden kleinen Broschüren zur Belehrung verbreitet werden; es ließe sich vielleicht auch in diesem .günstigen Klima eine Nachzucht einführen. Die nun gewonnenen Cocons wären dann auf einer anzuschaffenden Seiden- Haspel in der für den Handel beliebten und geeigneten Weiseda meist diese den erhöhten stDerth der Seide % -dingt, zu arrangiren, und-damit nicht etwa durch Zwischenhandel zu viel Verlust für die Seidezüchter entstehe, so könnten dieserhalb auch.Maßregeln.getroffen. werden, -denselben einen fast diesseitigen Marktpreis zufließen lassen zu können.. Wenn nun auch, bis .jetzt noch kein Seidenbau daselbst sollte betrieben worden sein, so laßt sich .doch ohne Zweifel schon so viel Maulbeerlaub auffinden, 36*