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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-08-28 · Heft 35 (28.8.1854) · p. Seite 447

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 35 (28.8.1854)
Date
1854-08-28
Page
Seite 447 (sequence 11)
Language
German
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M7 * Wichtig ist der v ie-rie Abschnitt. Die Herrschende Sitte spiegelt sich in der ganzen Anschauungsweise eines Zeitalters, bestiMlt die Form -er Gedanken, giebt ihnen Don -und Farbe. So fest und in.sich abgeschlossen das Mische Leben nach 'seiner religiösen und sittlichen Eigenithütnlichkeit sich gestaltet und zu allen Zeiten seinen Kern und tiefsten LebenSgrund unberührt von fremden Ein stuft feN zu'erhalten wußte, so war die äußere-Umgebung, wenn nicht gewaltsame Ausschließung von außen her zur starren Abschlikßung nach innen unwillkürlich und unausweislich drängte, einflußreich und bestimmend und dräng unbemerkt in das geistige Wesen und Denken ein. So allgemein dies auch erkannt wird, so-hat man dies -dochrüchtfür die jüdische Literatur igelten lassen wollen und bemerkenswerth sagt der Verfasser: /„Wird nun, wie es der sogenannten rabbinischen-Literatur bisher im Allgemeinen von Seiten der Wissenschaft ergangen ist, eine Welt geistiger Produetiorten nicht in ihrem eigensten Wesen erfaßt, nicht nach ihrem innersten Sein gewürdigt, -sondern treten einzelne, nach beliebiger und gesetzloser Wahl losgerissene-, von ihrer 'Umgebung abgetrennte Bruchstücke noch dazu für parteiische Betrachtung in die Kenntniß, so wird als seltsamer -Einfall, als barocke Erfindung erscheinen, was in seinem Ursprünglichen Zusammenhang aufgefaßt, ein Natürliches, vollständig Berechtigtes gewesen." Auf jene Weise verführen denn Männer, welche, vom blinden Judenhaß -geleitet, die rabbinische Bizarrerie, den jüdischen Aberwitz Nicht -genug hervorheben und lächerlich machen können und selbst die Vurtorf, deren drei, Vater, Sohn und Enkel, ihr ganzes Leben der jüdischen Literatur weihten 'ünd ßü einer Unter christlichen Gelehrten seltenen Kenntniß des Talmuds und der Midraschim -gelangten, übersahen obige -Wahrheiten, deren Erkenntniß freilich auch miftrer durch eine Philosophie der Geschichte erzogenen Zeit Noch ssaudr wird; sie können "es -nirgends unterlassen, deN /--rabbinifcheN Aberwitz," dessen Studium sie drei Lebdn widmeten «und -für dessen Kenntniß sie fast ein JahrhiNndM GelchrtendaseinS opferten, überallzu persistiren. So wird dS trotz dem immer wehr erkannt werden, vmS chvrr llr. Sachs sS. 4&) sagt : „Wer in der Ergründung der Kenntniß der Alten, auf den verschiedenartigsten Gebieten «der Wisset,schafton.eingeht, der darf die Abhörung -der jüdischen Zeugnisse nicht versäumen oder verschmähen. Die Geschichte der Medicin, der Naturwissenschaften, namentlich der Pflanzenkunde, wird um' ein welches Detail. dbn Namen, dknäevscheiduUgen, Beobachtungen und herrschenden Vorstellungen wachsen"*). Nicht minderals die Gegenstände^bestimmter Kenntnisse und empirischer Thatsachen verbreiten sich Sagen und Erzählungen durch eine Zeit, sv wie der Phantasie entsprungene Anschauungen. Der Verfasser liefert auch hier treffende Beitrage, wie namentlich auch manches Dämonolo^- gische im Talmud und Midrasch ebenfalls als nicht vereinzelt und in dem bloßen Kreise jüdischer Vorstellungen wurzelnd erscheint. Es ist bekannt, wie dieser Theil -^- zwar auch ohne genaue Kenntniß der Urquellen von Strauß und seinen Nachfolgern zur Geschichte der Evangelien benutzt wurde. Auch der Verfasser -bemerkt (Seite 65): „Gänze Sagenkreise aus der Mischung des Griechischen und Orientalischen hervörgegangen, -fanden ihren Weg in die jüdische Welt, sind aber gewiß noch öfter» von dieser ausgehend, erst in weitere Kreise gedrungen." Ein großer Th eil des im Midrasch und durch diesen in den jüngern Targum-Paraphrasen erscheinenden Sagem stoffes ist durch das Medium der Kirchenliteratür Eigenchum der christlichen Byzantiner geworden, wie er mit anderer Farbengebung und Beleuchtung in die Welt des Islam eingedrungen. Es wird dies unter andern an den Sagen, welche sich an Abrahack, Salomon, Chiskia, Alexander u. s. w. knüpfen, nachgewiesen und hieran die. Deu^ tung und (treffliche) Uebersetzung des poetischen Stückes (aus dem Gebetritual für Neujahr und Versöhnungstag) gereiht, welches Stück Verfasser auf den Bildersturm in Constantinopel Hinweisen läßt, wonach sein Ursprung und seine Zeit zu bestimmen wäre, 'eine Ansicht, die freilich auch der Verfasser nur als Vermuthung geltet, lassen will. — Im fünften Abschnitt geht der Verfasser auf-die *) Obgleich in der Geschichte dieser Disckplinen noch unendlich Vieles nachzuholen und zu sammeln ist, so waren die Gelehrten dieser Fächer noch immer die gerechtesten. Sprengels Werke (Geschichte der Medicin, 'Geschichte der Botanik) geben unter andern Zeugniß davon. Mit Vergnügen erinnere ich mich noch, wie dieser mein verewigter Lehrer, als er einst auf einer botanischen Ereursibn mir abmerkte, daß ich 'einige Kenntniß des hebräischen Ältekthums hätte, mir freudigft eröffnet, :b4d§ er für feine Geschichte der Bötänik die gauze Mischnah und d e-n Ta l'm u d du'kchstlu di r-t hätte. Zch schüttelte freilich etwas 'ungläubig den Köpf und es ergab sich auch, daß, obgleich 'er nichtöhve gute KeUntniß des Hebräischen und Aramäischen wät, ihn, doch die Surötihusische, Nabesche u. dergl. UebMragungen zu diesem Studium des ganzen Talmuds genügt hä Mn, in'Verbindung-Mit Buptorss Lerieon. Aber er brächte mirgleichden ändern Tag seink Mätoria M llerbdriäe iti'S Colleg mit, um-ste durch- 35*

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