Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1854)
- Date
- 1854-08-28
- Page
- Seite 445 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225913--14072-3243554- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
445 in Kaiserslautern*) hat auch im wüvttembergischeu Schwaben, wo der Verblichene längere Zeit seinen künstlerischen Beruf ausübte, innige Theilnahme erregt. Schreiber dieses besitzt ein Bild von der Hand des Verewigten, dessen humoristisch-satyrische Auffassung und nette Ausführung es nicht nur zu einem xreiium alkeetiom8 einer den Tod überdauernden Freundschaft macht. In einer größeren jüdischen Gemeinde that sich eine kleine Museumsgesellschast zusammen, je am Stiftungstage war solenner Club und jeder wollte, sein Scherflein zur Verherrlichung des Festabends beitragen. Nachts um die zwölfte Stunde traten nun zwei Bänkelsänger mit einem Leierkasten in den Saal, ein großes gemaltes Tableau tragend, die Gesellschaft durch Gesang und Erklärung des Bildes erheiternd. Im Vordergründe des Bildes saß die Langeweile als Matrone mit Brille auf der Nase, Kaffee schlürfend auf einem Rollstuhle, in ihren Zügen lag Europamüdigkeit und ein Jndifferentismus, wie ihn kein Palmerston nach einer vielstündigen parlamentarischen Hetze zur Schau trägt; das Busentuch, das die Trümmer Ninive's zu decken scheint, liegt kalt und ruhig, kein Athemzug hebt es, nie hat Liebe noch Haß dieses Herz gehoben. Da sammelt sich eine Schaar, ein Bannerträger voran und ein Herold, sie entfalten die Standarte Concordia; zum Kampfe ruft ein Rabbi im,Talar, er schlagt Reveille auf einer Eselöhaut, um das Ungethüm die Langeweile zu vertreiben. Neben ihm wird ein sipho clysterias mit Geschick von einem jungen Arzte als Waffe gegen den Drachen in Menschengestalt, die Langeweile, angewendet und wie auch der Strahl brauset und siedet und zischt, sie verzieht keine Miene. So gehen alle Stifter der Gesellschaft Concordia in den Kampf, um den Todfeind der Geselligkeit, die Langeweile, zu verjagen, aber sie weicht nicht. Der msgister looi, ein wohlgeübter Redner, verschwendet seine besten Gedanken, seine kühnsten Sticheleien, aber sie kümmert sich nicht darum. Selbst der Schlachtenmaler, der im Hintergrund die Scette auf die Leinwand malt, wirft Palette und Pinsel ihr an das Medusenhaupt, sie kehrt sich nicht daran. WaS bleibt der Gesellschaft übrig? sie versorgt sich mit Proviant und der Concordia-Wirth zieht als Markedenter mit in den Kampf, auf seinem riesigen Speisezettel prangen königliche Gerichte, selbst ein Stückchen Leviathan- 7*) Vgl. Nr. 30 S. 376. nur um sechs Kreuzer. Da tritt endlich der-Sänger und Dichter auf, er trägt zum Leierkasten die Odyssee dieses Kampfes vor und dieses Gedicht wird selbst der Langeweil' zu langweilig und das Ungethüm zieht von dannen. Das Bild giebt alle die Personen mit humoristischer Carricatur und räuschender Portraitähnlichkeit. Die Streubüchse deS Geschickes hat diese Gesellschaft an alle Enden der Welt verzettelt, aber alle Mitglieder derselben werden in Liebe des braven AkalerS Dicks gedenken. Ein Mal hatte er einen greisen, sehr gelehrten Rabbiner zu malen, der ihn mit manchem Bonmot unterhielt, aber sehr oft die Worte gebrauchte: ,-die Gemore sagt," da meinte unser guter Dick: „Madame Gemore muß eine gescheidte Frau sein." Frau Gemore ist allerdings eine gescheidte, redselige Frau und wenn ihr großer, zwölfbändiger Salon noch offen wäre, der gute Maler Dick hätte gewiß auch Zutritt gehabt bei den andern Weisen, Schristgelehrten und Künstlern. Nun ist der gute Dick todt. Ruhe seiner Asche! Literarische Nachrichten. Worms, 17. August. Ich darf mich versichert halten, daß den Lesern dieses Blattes nachstehende Mittheilung von Interesse sein wird. Bis jetzt hielt man die von Zunz in seinem Werke: Zur Geschichte und Literatur 1. Bd. S. 404 angegebene Grabschrift von 1083, die auf dem Leichenstein der Tochter des R. Jsüac Ha-Lewi auf dem hiesigen Friedhöfe sich befindet, als die älteste noch vorhandene. Gestern fand ich jedoch nachstehendes Epitaph, das 178 Jahre älter ist.: Dieses bildet den Anfang der Reihe von 40 Grabschriften, die ich in meiner Schrift „niwa2 nebst den dazu gehörenden biographischen Skizzen gebe. Obwohl diese Schrift schon in einigen Wochen erscheinen wird, so will ich dennoch daS gedachte, merkwürdige Epitaph in diesem Blatte veröffentlichen. ES lautet: . rNT anV nais» na NTäD nitt ■ ■ ' NS12LN ÖlBtt T)IT' anab Dnn VfeKa tos rtsimra 35