Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1854)
- Date
- 1854-08-28
- Page
- Seite 444 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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m aufgehört unter den Menschensöhnen!" Der Vorstand des Waisenvereins hat mir mit Wehmuth geklagt, daß, als. jüngft von Sr. Majestät dem Könige Bericht von allen Nettuygshäusernund Waisenanstalten über ihr Wirken und das Geschick ihrer früheren Zöglinge abgefordert wurde, er bei den meisten Eleven der Anstalt„nach Amerika ausgewandert" setzen mußte.. Wenn diese Europamüden einen Fonds von Religion und Bildung von dem alten zum neuen Contlnent brächten, so wäre es nicht zu beklagen; wie aber in Europa der Schacherjude aufhört,, so beginnt er in Amerika seine neue wuchernde Existenz, nur mit dem Unterschiede, daß unter dem Zwerchsack des deutschen Juden ein warmes Herz für die Religion der Vater schlug, während in Amerika die Industrie die Religion verdrängt hat. — Wie groß ist der Contrast zwischen denen, die, aus frommer Anhänglichkeit an's Land der Ahnen, nach Palästina wallen und denen, die daS Vaterland verlassen, um im Westen nach Besitz zu jagen. Die Roth der Glaubensgenossen im Orient hat bei uns auch die Herzen gerührt. Herr Rabbiner Herz in Jebenhausen hat in warmen Worten von der Kanzel den Fürsprecher für die Bewohner unserer alten Heimath gemacht und der Erfolg war erklecklich. Möchten auch die übrigen Rabbinen Württembergs dafür ein gutes Wort einlegen. Der Korrespondent,deS schwäbischen Merkurs aus Paris brachte von dort in einem eigenen Artikel die Anwesenheit deS Dr. Philippson aus Magdeburg und dessen Wirken für die Juden im. Orient. Der Staatsanzeiger hat schon, einige Mal Artikel aus der Zeitung des Judenthums wiedergegeben. Die „Süddeutsche Warte," ein pietiftischeS Blatt, sammelt für die israelitischen Armen, des heiligen Landes; wie man unS-versichert, laufen keine missionarische Absichten damit unter. : Vor den Assisen deS Schwurgerichts.in Eßlingen wurde kürzlich ein Criminalfall verhandelt, der dem Staatsanwalt Veranlassung gab, dem Volkövorurtheil gegen Juden den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Ein Israelit, aus Jebenhausen wurde von einem.Müller in Lernberg bei einem.Pferdekauf betrogen und hatte vor Gericht gegen den Verkäufer obgesiegt, ließ aber dennoch, als daS Urtheil schon rechtskräftig war, nahe an 100 Fl. an seiner Forderung nach. Doch zum Lohne dafür lockte der Müller den Juden in seine abgelegene Mühle und erpreßte von ihm durch körperliche Mißhandlung und lebensgefährliche Drohungen. eine Quittung für die nicht bezahlte Schuld. Der Staatsanwalt schloß seine Rede mit .folgenden Worten>,Esist kein Zweifel, daß man es.ftn der Stadt. Lernberg gern sehen würde, wenn Sie, meine Herren-Geschworenen, den Angeklagten frei sprächen, Ist doch der, den Sie verurtheilen sollen, ein Christa der .sich durch seine Rührigkeit und Betnebsamkett im Geschäft .beliebt gemacht hat, während nur ein Jude es ist, dem ein Unrecht geschehen-sein soll, und hat sich doch selbst von der Gallerte, welche am allerwenigsten mitzusprechen hat , eine Demonstration zu Gunsten des Angeklagten vernehmen lassen. ES hat eine Zeit gegeben, wo man die Juden im Voraus für Menschen hielt, denen man das. Recht zu verweigern berechtigt sei, für Menschen, die beinahe dazu bestimmt seien, mißhandelt oder geschunden zu werden. Wenn auch in der jetzigen aufgeklärten Zeit unter den Gebildeten diese Vorurtheile geschwunden sind, so finden sich doch Rachklqnge der Meinung jener entschwundenen Zeit auch noch heute in manchen Schichten der Gesellschaft. Ich darf mich aber bestimmt der Hoffnung hingcben, daß Sie am allerwenigsten es sind, welche diesem Vorurtheile Gehör schenken, denn sonst wäre jedes Wort von mix vergeblich. Wie begründet die Befürchtung des Staatsanwalts, des Herrn Oberjustizraths Binder, war, beweist der Vertheidiger des Angeklagten RechtSconsulent Georgii von Eßlingen, ein entschiedener Demorrat seines Handwerks, der auf die anerkannte Thatsache Hinweisen zu müssen glaubtdaß die Juden es lieben, die Christen zu betrügen und herüber zu ziehen." Die Geschworenen aber sprachen ein ,<Schuldig" auS und der Hof verurtheilte den Angeklagten zu „vierjährigem" Arbeitshaus. — Bei einem andern Criminalsall vor dem Schwurgerichtshofe Biberach, wo ein. Jude einen sehr bedeutenden Kirchenraub käuflich an sich brachte und ein anderer Jude aus Buchau, dem ein Theil des Raubes von den Thätern zum Kaufe angeboten wurde, die Entdeckung des Diebstahls herbeiführte, wurde der Diebshehler stets als Jude gebrandinarkt, das Glaubensbekenntniß des jüdischen Entdeckers des Diebstahls aber wurde öffentlich nicht erwähnt. Freilich war damals GrünwaldS Buch „die Sittenlehre des! Talmuds" noch nicht, erschienen. — Der. Tod des Professors Leopold Dick