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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-08-28 · Heft 35 (28.8.1854) · p. Seite 442

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 35 (28.8.1854)
Date
1854-08-28
Page
Seite 442 (sequence 6)
Language
German
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442 In Ermangelung des Oberrabbiners nahm der ernannte Vicar Dr. W. Landau dessen Stelle ein. Wie mir aus Dresden mitgetheilt wird, soll die Einreihung des israelitischen Geistlichen auf besondern Befehl des jetzt regierenden Königs erfolgt fein, welcher bei dieser Gelegenheit äußerte, „daß Er ganz in die Fuß tapsen seines dahingeschiedenen Bruders treten würde; Ihm seien alle Menschen gleich." Gott tröste und erhalte ihn! Von der Lahn, im Juli. (Privatmitth.) In einem Rabbinatsbezirke unsere- Ländchens und zwar gerade da, wo die blühendste Natur in ihrer Prachtfülle und der schöpferische Menschengeist in unzähligen Denkmälern der Kunst und des Schönheitssinnes den Menschen auch zu einem geistigen Ausstreben anfeuern sollte, soll der Versuch gemacht worden sein, die Confirmationen in der Synagoge zu Hintertreiben und unsere Regierung soll, was kaum glaublich erscheint, diesem zu ihrer Kenntniß gelangten Bemühen nicht hindernd in den Weg getreten sein. Es ist dies wahrlich kein gutes Zeichen; denn die jährlich durch die Rabbinen abgehaltenen Confirmationen waren es hauptsächlich, welche durch die damit verbundenen Predigten einen religiösen Geist in den Gemeinden weckten und den Eltern, so wie den Schülern Interesse für die Religionsschule einflößten. Sie waren ein gemeinsames Band zwischen Rabbinen, Lehrer und Gemeinden und haben nur Gutes gewirkt, und die Lehrer haben ohne Ausnahme eben diesem Zweige des Religionsunterrichts ihre aufopferndste Thätigkeit gewidmet. Wir können daher diesen Versuch, der durch das Gerücht schon ziemlich verbreitet ist, nur beklagen, denn so wenig wir Freund einer alle Gemeindeverhältniffe beherrschenden geistlichen Hierarchie sind, eben so wenig können wir es wünschen, daß die Regierung den Gemeinden in Allem Recht gebe, denn alsdann ist dem alten Unwesen Thür und Thor geöffnet. Eine in Limburg vor Kurzem in's Lebern getretene Stiftung möge hier ehrenvolle Erwähnungsiinden. Der im Jahre 1848 verstorbene langjährige' Vorsteher der dafigen Gemeinde, Jacob Meyer, der sich um die dortigen Cultusverhältnisse sehr verdient gemacht hat, hat von seiner nicht sehr bedeutenden Hinterlassenschaft der dortigen Gemeinde ein Capital von 600 Gulden legirt, deren Zinsen.zur Hälfte an zwei unbemittelte religiöse Männer daselbst verabreicht und zur andern Halste.gegen die Verpflichtung, an seinem und seiner im October 1853 ebenfalls verstorbenen Gattin Todestagen das übliche Jahrzeit zu halten, dem Religionslehrer und der Cultuscasse zu Gute kommen. Eine schöne Gedenktafel in der Limburger Synagoge, die alles Andere, nur nicht einladend ist, ehrt sein Andenken. Möchte die dasige Gemeinde der Opferwilligkeit ihres edlen Vorstehers nachahmen und bald für ein anständigeres Gotteshaus, wozu eS bei gutem Willen nicht, an Mitteln fehlen würde, schreiten! Ein unerquicklicher Streit hat sich in neuerer Zeit in dem Nassauischen Schulblatte über das in EmS unter Direktion des Rabbiners Dr. Hochstädter bestehende Seminar erhoben, der zuweilen sogar die nöthige Ruhe der Referenten bei solchen objectiven Gegenständen vermissen läßt. Der angegriffene Dirigent weist mit geistlichem Stolze die gemachten Ausstellungen zurück, den Vorschlägen der Angreifer fehlt es an praktischer Ausführbarkeit. Wir glauben die Wahrheit in der Mitte zu finden. . Herr Dr. Hochstädter möge nicht vergessen, daß die Anstalt, deren Leitung ihm und gewiß mit Recht als praktischem Schulmanne anvertraut wurde, immer nur eine versuchsweise eingerichtete Anstalt ist, die seit dem Jahre 1847, wo sie nicht durch seine alleinige, sondern durch die mir bekannte vielseitige Bemühung des Rabbiners Dr. Wormser in Diez in's Leben gerufen wurde, noch nicht vollkommen sein kann. Sie wird sich diesem Prädicat erst dann annähern, wenn sie das Nützliche mit dem Möglichen verbindet und Alles aus ihrem Bereiche läßt, was mit dem praktischen Wirkungskreise des späteren Religionslehrers nicht zusammen fällt. Z. Aus Württemberg, Anfang August. (Privatmitth.) An unserm jüdisch-politischen Himmel ist Windstille; wir sind immer noch nicht in unfern errungenen bürgerlichen Rechten beschränkt, wenn auch Gesetzesentwürse wie ein DamocleS-Schwert über unfern Häuptern hängen. Die Städte können sich deS Andrangs der jüdischen Zuzügler nicht erwehren und wenn auch unsere Landgemeinden sich entvölkern, so hat die Gesammtbevölkerung der Israeliten Württembergs durch den Zuwachs, den die Städte erhalten, nicht abgenommen. In Ulm haben sich mehrere rei-

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