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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-08-28 · Heft 35 (28.8.1854) · p. Seite 440

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 35 (28.8.1854)
Date
1854-08-28
Page
Seite 440 (sequence 4)
Language
German
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440 am Sinai, David vor der in Zijon einziehenden Vundeslade, Jirmejah, als er auf den Trümmern JerufchalajimS die Barmherzigkeit Gottes und die Wiederherstellung Juda's proclamirte, Juda Makkabi, als er den Tempel reinigte u. dgl. Warum dieses Judenthum? weil eS einerseits Lehre und Leben niemals trennt, weil eS ihm niemals um die bloße metaphysische Idee, aber auch niemals um das bloße materialistische Leben zu thun war und ist, weil es vielmehr die Lehre in daS Leben versenkt, und im Leben die Lehre conservirt — wie das ganze jetzige Judenthum doch nichts Anderes ist, als das neue Leben mit der alten Lehre in Einklang zu bringen, im neuen Leben die alte Lehre zu erhalten, und durch die alte Lehre das neue Leben zu vergeistigen — weil es andererseits in der Einbeit des geschichtlichen, sittlichen, genrüthlichen und vernünftigen Lebens besiehtweil es Geschichte, Sitte, Glaube, Herz und Vernunft nicht als gesonderte Bestandtheile des Lebens faßt, sondern alle zusammen als Ein Leben, das sich am Ganzen darlebt, und nur im Einzelnen bald dahin, bald dorthin specialisirt. Dies ist das Judenthum im Mosaismus, im Prophetismus, im Esraismus, im Rabbinismus, in der Reform, und dieses große, stets pulfirende Leben hat seine großen, gesicherten Resultate, welche zuletzt die Resultate des ganzen menschengeschlechtlichen Lebens sind. Diese Resultate kennet Ihr, auch wir haben sie schon öfter auszusprechen gesucht, so wenig der Einzelne sie ganz zu strircn vermag. Wir wollen sie noch einmal aussprechen? Diese Ueberzeugung zu befestigen, dahin zielen im Grunde auch unsere naturwissenschaftlichen Artikel ab. Als Gaben für unsere Glaubensgenossen in Jerusalem sind wieder eingclauferi: durch den Vorsteher der Gemeinde in Treptow a. T. Herrn Manasse Cohn 3 Thlr.; durch den Vorstand der Gemeinde in Brieg, die Herren L. Eckersdorff und H. Friedländer 7 Thlr.; durch Herrn N. Götz gesammelt zu Penzlin (Mecklenburg) 10 Thlr.; durch den Vorstand der Gemeinde in Gleich erwiesen als Ertrag einer Sammlung am 9. Ab nach einer Rede des dortigen Lehrers H. Cr am er 8 Thlr.; durch den Herrn Rabbiner Lesser in Pr. Stargard, namentlich durch das schöne Vorbild des Vorstehers der Gemeinde, Herrn I. Gold färb, 18 Thlr., wovon die Schuljugend 2 Thlr. auS ihren Sparpfennigen gab — die Gemeinde zeichnet sich durch ihre Wohlthätigkeit aus, da sie eben 81 Thlr. für die Abgebrannten in Zempelburg gesammelt und einen Armenverein für verschämte Arme gebildet. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Carlsbad, 16. August. (Privatmitth.) Die Trauerkunde von dem plötzlichen Hinscheiden des Königs Friedrich August II. von Sachsen hat hier einen so erschütternden Eindruck gemacht, daß alle gewöhnlichen Badeunterhaltungen und Zerstreuungen in den Hintergrund traten und jenes entsetzliche Unglück zum Hauptlhema jeden Gesprächs wurde. — Ich beschränke mich hier für die Annalen des Judenthums, dasjenige flüchtig zu skizziren, was der edle verblichene Monarch für die Bekenner unseres Glaubens in Sachsen war und wirkte. ES ist bekannt, daß der Zustand der Juden in Sachsen unter den früheren Regierungen einer der beklagenswerthesten in ganz Deutschland war; hoffnungsvoll richteten jedoch die Unterdrückten schon damals ihren Blick auf den jungen Prinzen Friedrich August, von dessen Rechtssinn und Humanität man wesentliche Verbesserungen in der Gesetzgebung erwartete. Diese Hoffnung täuschte auch nicht. Noch ehe derselbe zur Regierung gelangte, ward am 10. September 1829 — gerade jetzt vor 25 Jahren — der Mendelssohn- Verein zu Dresden errichtet, zu dem Zwecke, „die Erlernung von Handwerken, Künsten und Wiffenschasten bei der jüdischen Jugend zu fördern." Bei der damaligen Gesetzgebung war es jedoch sehr schwierig, die Zwecke dieses Vereins in Ausführung zu bringen, denn die Zünfte und Innungen weigerten beharrlich die Aufnahme jüdischer Lehrlinge. Da wendeten sich die Vorsteher jenes Vereins an den Prinzen (nachherigen König) Friedrich August und Höchstderselbe trat alsMitglied dem Vereine bei, um dadurch thatsächlich zu beweisen, daß er mit dessen Zwecken übereinstimme*). Dieses wirkte elektrlsch; *) Seinem hohen Beispiele folgend, traten später auch die übrigen Mitglieder des erhabenen Königshauses dem Mendelssohn-Vereine bei. —

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