Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1854)
- Date
- 1854-08-21
- Page
- Seite 429 (sequence 7)
- Language
- German
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429 häbten Taufe und dem erfolgten Tode erfahren hätten. Ich meines Theils konnte auf den Gedanken einer bevorstehenden Taufe um so wenigrr kommen, da durch die Einsprache des Doctors bei mir eben für den Fall ihres Todes, die Beerdigung auf jüdischem Gottesacker vorläufig angezeigt werden sollte. Abr. Grünfeld, provisorischer Kreisrabbiner. Die Wahrheit dieses bezeugt noch der dortige Gemeindevorftand. Wien- 9. August. (Privatmitth.) Sowohl hier als durchgängig in allen Kronländem haben sich die Juden in der opferbereiten Betheiligung an dem neuen Staatsanlehen wahrhaft ausgezeichnet. ES gilt dies von den Individuen wie von den Gemeinden, und tritt gegen die Betheiligung anderer Stände und Corporationen zumeist hervor. Obschon das hiesige Etablissement deS Hauses Rothschild sich-nur einer beschränkten Geschäftssphäre ergiebt und der österreichische Grundbesitz desselben in gar keinem Vergleich mit jenem des Hauses Sina zu stellen ist, so hat es doch eben so viel wie letzteres, nämlich 5 Millionen gezeichnet. Andere israelitische Häuser stellten sich mit ihren Zeichnungen in ein weit helleres Licht, als sehr begüterte Cavaliere, Stifter und Private. ES würde zu weit führen, hierin in's Einzelne zu gehen; bemerkenSwerth erscheint eS mir jedoch, daß auch Herr Salomon Heine in Hamburg als slavonischer Gutsbesitzer hier gezeichnet hat, und zwar die Summa von 250,000 Gulden. Was sich auch weiterhin hieraus ergeben oder nicht ergeben möge, jedenfalls hat das Wort einen Wiederhall gefunden, das der hiesige Vorstand in der Aufforderung an die Gemeindeglieder ergehen ließ: daß sie nämlich jederzeit ihre Beruhigung und ihre Befriedigung darin finden, möglichst den Anforderungen zu entsprechen, die an sie als Staatsbürger ergingen, und daß hieran das Vertrauen, unsere bürgerlichen Schranken völlig wegfallen zu sehen, zu erstarken. vermag. Auch haben eS Einzelne an Erleichterungen und Aufmunterungen zur AnlehenSbetheiligung nicht fehlen lassen. Wie zuerst der Großhandlungsgesellschaf-, ter Friedrich Boschan zu Wien, so erbietet sich der Stadtrath, Kaufmann Dr. Frankl zu Prag, die Cautionen für unbemitteltere Antheilnehmer vorschußweise zu leistem . v; - Unter diesen Umständen machtsich die' Ueberzeugung auch großem Raum: daß die Frage über die künftige staatsbürgerliche Stellung der Juden in Oesterreich bald in gerechter und billiger Weise ihre Erledigung finden werde. In Beziehung auf Erlangung .von Grundbesitz kann es als günstige Vorbedeutung betrachtet, werden, daß man nun auch in maßgebenden Kreisendie Ueberzeugung erlangt hat, daß die Anfechtungen, welche in neuerer Zeit gegen die Juden aus Anlaß der Erwerbung von Grundbesitz erhoben wurden, sich auf — Nichts reduciren, und vielmehr ein sehr hoch anzuschlagender Gewinn aus der Concurrenz der Juden in Erwerbung von Grund und Boden hervorgeht. Sehr schmerzlich würde es jedoch empfunden werden, wenn nicht auch zugleich die Ausschließung von Stellen und Aemtern ihre Aufhebung finden sollte. Ich kann Ihnen nicht verhehlen, daß man in dieser Hinsicht durch einen kürzlich vorgekommenen Zwischenfall recht unangenehm berührt worden ist. Das hiesige Handelsministerium hat über ein Gesuch des Pesther Großhandlungsgremiums, daß zu den Stellen der Beisitzer deS Wechsel- und Handelsgerichtes nicht ausschließlich Mitglieder des HandelöstandeS, sondern auch des GroßhaydlungSgremiumS, und.zwar zur Hälfte bestimmt werde, geantwortet: eS obwalte gegen diesen Antrag kein Hinderniß, jedoch sei er nur dann zulässig, wenn zur Wahl Individuen in Vorschlag gebracht werden, die dem israelitischen Handelsstande nicht angehören. Die Israeliten seien nach den bestehenden Gesetzen weder wahlberechtigt noch wählbar, und können daher weder als Mitglieder das Wahlrecht in Bezug auf den Vorschlag zu Handelsbeisitzern ausüben, noch zu Richtern erwählt werden. In dem erwähnten Erlasse wird daS Erscheinen des neuen Gesetzes über die staatsbürgerliche Stellung der Israeliten in Aussicht gestellt. Als Gegensatz verdient erwähnt zu werden, daß an dem von der hiesigen Handelskammer aus zwölf Mitgliedern erwählten ständigen Schiedsgerichte drei Kammerräthe, welche dem israelitischen Bekenntnisse zugethan sind, aus-der freien Wahl: .ihrer AmtSöollegen zur Theilnahme destgnirt wurden. Frankreich. Paris,-im August. In einem trefflichen, mit gewohnter Wärme und großem Ausdruck geschriebe-