Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1854)
- Date
- 1854-08-14
- Page
- Seite 419 (sequence 9)
- Language
- German
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419 fenbarungen überzeugt und außer jeden Zweifel gesetzt wird. Wir, die wir keine Propheten sind, können nicht begreifen, wie die Prophezeihung geschehe, noch wie sie nicht den geringsten Zweifel nach sich zurück läßt (siehe Abrab. Jer. 23. 29.); dies jedoch begreifen wir recht wohl, daß Alles bei Gott möglich ist. 29) Wenn sich Gott einem Menschen offenbaren will, um Andere zu unterrichten, so ist einleuchtend, daß er diesen Menschen zugleich mit Mitteln versehen muß, damit er den Andern die Göttlichkeit seiner Sendung zu beweisen im Stande wäre; und diese Mittel können nicht anders , als Wunder sein. Ein wahres, im Voraus verkündigtes Wunder, beweist die Sendung des Propheten. 30) Da die früher verkündigten und genau eingetroffenen Wunder die Sendung des Propheten beweisen, so ist es klar, daß sie auch den göttlichen Ursprung jener tm Namen Gottes gesprochenen Dinge beweisen, die darum geoffenbarte Dinge oder Offenbarung genannt werden. '■31) Die Offenbarung reicht uns n) praktische Vorschriften, die man, weil es der göttliche Wille so ist, scrupulös befolgen muß; d) Dogmen oder Principien und Theorien, die Gott und den Menschen betreffen, und zum Zwecke haben, den Menschen jene Marimen beizubringen, die am meisten vermögen, sie tugendhaft und glücklich zu machen und die auf eine nicht der göttlichen Weisheit, sondern auf eine der beschränkten Einsicht der Menschen entsprechende Weise ausgedrückt sind. Capitel V. Bon der Sendung Mosis. 32) Die Göttlichkeit der Sendung Mosis beruht auf der Wahrheit seiner Wunder. Ausdrücklich heißt es im Pentateuch, daß Moses, bei seinem ersten Erscheinen vor seinen Mitbrüdern, die unter dem ägyptischen Joche seufzten, als er ihnen im Namen Gottes ihre nächste Befreiung verkündigte, einige Wunder in ihrer Gegenwart verrichtete, wodurch sie ihm Glauben schenkten. Er that die Wunder vor den Augen deö Volkes und das Volk glaubte (Ex. IV. 30. 31.) itavaam ü3>n wb m'msfi wn 33) Die Wahrheit der mosaischen Geschichte beruht auf Thatsachen und Ueberlieferung des israelitischen Volkes. Es ist Thatsache, daß das israelitische Volk verschiedene Gebräuche und Ceremonien beobachtet zum Andenken an einige der im Pentateuch, erwähnten Begebenheiten, ferner: daß überhaupt dieses Volk feine praktischen Religionsgebräuche nach den Vorschriften dieses Buches .eingerichtet hat, welches von diesem Volke durch allgemeine und beständige Ueberlieferung für wahr und für göttlich betrachtet wurde und betrachtet wird, und für dessen Wahrheit und Göttlichkeit die Israeliten bereits seit zwanzig Jahrhunderten (seit den Makkabäern und weiter herab) des Märtyrertodes gestorben find. 34) Es läßt sich leicht begreifen, daß ein Volk von einem oder mehreren Betrügern verleitet werden könne, an gewisse Fabeln zu glauben, und abergläubische Gebräuche zu üben, was sich auch bei vielen Völkern in der That bewährt; aber unbegreiflich bleibt es, wie man ein Volk verleiten könne zu glauben, selbst Augenzeuge von geräuschvollen Begebenheiten gewesen zu sein, ohne daß diese je stattgefunden hätten, wie dieses sogar praktische Gebräuche zur Erinnerung an Begebenheiten, die sich unter seinen Augen zugetragcn, bei sich ein führen und auch scrupulös beobachten können, ohne daß diese Realität hätten. Und wie wäre es auch möglich, daß ein Buch solche Ereignisse als notorisch und in Gegenwart eines aus mehr als einer Million Individuen bestehenden Volkes sich zu-, getragen, erzählen und daß Gesetze, jener ganzen Bevölkerung promulgirt, bei demselben Volke Autorität erlangen sollten, ohne daß dieses Volk von der Wahrheit der in diesem Buche enthaltenen Dinge überzeugt wäre. 35) Auf solche Weise hat daS Buch Mosis' eine historische Gewißheit für sich, die höher ist, alS jene irgend eines andern historischen Buches; und die Wunder Mosis unterscheiden sich dadurch von jenen, die in allen vielfachen Religionen, welche in den verschiedenen Zeiten und Theilen der Erde nur eristirt haben, erzählt werden, daß sie von sich rühmen können, ein ganzes Volk zum Augenzeugen gehabt zu haben. 36) Wenn man aber nicht zugeben kann, daß ein ganzes Volk einstimmig auSsagen könne, etwas gesehen zu haben, was eS nicht im Geringsten gesehen, so läßt sich dennoch leicht behaupten, daß ein Volk so überrascht und geblendet werden könne, zu glauben ganz was anderes gesehen zu haben, als was es wirklich gesehen und dasjenige für ein Wunder zu halten, was nur das Werk der Natur und Kunst ist. Und darin besteht der zweite der oberwähnten Zweifel. 37) Es wäre ein weitläufiges und überflüssiges Unternehmen, jedes der in der mosaischen Geschichte berich- .teten Wunder einer besonder» Prüfung zu unterwerfen; genug, wenn ein einziges unter denselben über jeden Zweifel erhaben ist: dann werden alle Bedenklichkeiten und alle Hypothesen, die man sich gegen die andern Wun- 33