Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-08-14 · Heft 33 (14.8.1854) · p. Seite 418

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 33 (14.8.1854)
Date
1854-08-14
Page
Seite 418 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225877-3225911--14043-3243523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

418 Rußland und Polen. Warschau, 26. Juli. (Schl. Ztg.) Obgleich die Ernte im vollen Gange und gut ist, so herrscht bei uns immer noch große Theuerung der Lebensmittel. Fleisch ist besonders theuer und für arme Juden ein unerschwinglicher Leckerbissen, da die Juden außer dem. ohnehin höheren Preise für Koscherfleisch für jedes Pfund Fleisch noch eine Abgabe von 6 Pf. entrichten müssen. Diese Abgabe so wie die Tagessteuer von 10 Kopeken — 3 Sgr. 4 Pf. — welche jeder in unsere Stadt kommende fremde Jude ohne Unterschied pro Tag zu entrichten hat, empfängt ein gewisser Marcus Nofen, welcher dafür jährlich mehrere Tausend Rubel Pacht zahlt. — Christen zahlen nur für eine zu lösende Aufenthaltskarte, ohne Unterschied der Dauer des Aufenthalts, 10 Sgr., wogegen fremde Juden außer dem TageSzettelgelde oder der Tagessteuer von 10 Kopeken noch Stempelgebühren erlegen müssen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Ein Fragment aus Luzzatto's „Dogmatik." Uebersetzt von Br. Igel. Ein talentvoller Schüler des Professor S. D. Luzzatto hat uns einige Abschnitte der Vorlesungen des Herrn Luzzatto, aus dem Italienischen übersetzt, gesandt, und wir theilen aus der „Dogmatik" hier ein vollständiges Capitel mit. Capitel IV. Von den Wundern und der Offenbarung. 24) Da kein Naturgesetz an sich nothwendig ist, sondern alle Gesetze im Willen Gottes, dem Urheber der 'Natur, begründet sind, so ist es einleuchtend, daß Gott jedes dieser Gesetze verrichten, und so .ein „Wunder" oder eine Erscheinung Hervorbringen kann, die wirklich einem oder mehreren Mturgesetzen entgegen sind, ohne sich aber hierzu eines natürlichen Mittels zu bedienen; dies mit andern Worten gesagt, heißt so viel als: daß Gott physisch unmögliche Erscheinungen erzeugen kann. 25) Es liegt mithin der Zrrthum der Ghersonidischen Sentenz (MeImrt.L hascher VIv 12), die er fälschlich den Talmudisten zuschreibt, nämlich daß das Wunder in dem plötzlichen Eintreffen einer natürlich möglichen, aber ohne vorhergegangene günstige Umstände herbeigeführten Begebenheit besteht, offen an dem Tage, da es umgekehrt erst nach langer Zeit und nach vielen stattgehabten Geschehnissen eintrifft. Ueberdies ist es ja natürlich unmöglich und. den Gesetzen der Natur zuwider, daß eine Wirkung ohne die nöthigen Umstände entstehe, was Ghersonide vermeiden wollte. 26) Ein wirkliches Wunder ist für uns in der That ein unbegreifliches Ding, weil die über die Natur erhabene Handlung Gottes uns unbegreiflich ist (§. 3) und zwar eben so unbegreiflich, als es alle natürlichen Erscheinungen sind, wenn wir sie mit Aufmerksamkeit betrachten, oder mit andern Worten: wir können nicht begreifen, wie der Wille Gottes die Materie jenen Gesetzen unterworfen habe, die sie stets befolgt. Allein die natürlichen Erscheinungen überraschen uns nicht, und nicht Jeder erkennt in ihnen die Wunder der göttlichen Machte bloß weil wir von Kindheit an sie zu sehen gewohnt sind und wir nennen diejenige Wirkung des göttlichen Wunders ein Wunder, oder bewunderungswürdig und überraschend, die derselbe göttliche Wille aber mit Aufhebung irgend eines jener Gesetze hervorgebracht hat. 27) .Da das Wunder durch den bloßen Willen Gottes erzeugt wird, der ohne Mittel wirkt, so versteht sich von selbst, daß ein Wunder die Weltmaschinen nicht nothwendig umwälzen muß. Allerdings ergeht es dem menschlichen Künstler, daß das Aufhören der Mitwirkung irgend eines Theiles einer Maschine die Thätigkeit der ganzen Maschine verhindert wird; allein dies geschieht darum, weil der Künstler nur untergeordneter Weise nach den vielfachen Naturgesetzen und nach der Beschaffenheit der verschiedenen. Körper, deren er sich bedient, wirken kann. Mein Gott, der Herr der Natur und jedes seiner Gesetze, der Substanzen und ihrer Eigenthümlichkeiten, so wie auch Schöpfers jedes Dinges, kann recht wohl irgend ein Wunder erzeugen, ohne daß darausirgend welche Störung erfolge, zwar weder in der ganzen Natur, noch in irgend einem Theile derselben, jenen ausgenommen, an welchem eS ihm gefiel, das Wunder zu erzeugen. , 28) Auch die Offenbarung ist ein Wunder. Nichts streitet dagegen,. daß Gott seinen Willen einem oder mehreren Menschen auf eine erhabenere,, schleunigere und sichere Weise, als der natürliche Weg es ist, ertheilen kaum Jltdem sich Gott einem Menschen offenbart, wird bewirkt, daß diesep über dem göttlichen Ursprungs der gehabten Os-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.