Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1854)
- Date
- 1854-08-14
- Page
- Seite 416 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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416 daß ihre Tochter sich gar nicht dort befinde, sondern sich bei einem Geistlichen in Berlin aufhalte. Sie wurde sofort von der Mutter nach Rogasen zurück gebracht; hier aber blieb sie taub gegen die Bitten und Vorstellungen ihrer Ellern und wollte von ihrem einmal gefaßten Vorsatze, zur evangelischen Kirche überzutreten, sich nicht abbringen lassen. Die Mission nahm die Hülfe der Behörde in Anspruch, welche auch gegeben wurde, da man annahm, es sei ungesetzlich, ein Kind an der Wahl seines Bekenntnisses zu hindern. Vor dem Richter erklärte das Mädchen, es wolle zur christlichen Religion übertreten; die Mission ließ eS hierauf auf Kosten der Gesellschaft nach Berlin kommen, wo es bereits die Taufe erhalten hat. Dieses Ereigniß ließ sogar dem christlichen Publikum, dem die Mittel, welche die Mission angewandt hatte, nicht unbekannt blieben, die Bestrebungen derselben in einem eigenen Lichte erscheinen. Die Israeliten nahmen sofort ihre Kinder aus der Schule; denn erst jetzt wurden ihnen die Augen aufgethan. Früher wußten oder wollten sie es nicht wissen; denn wer kümmert sich um die religiöse Erziehung der Jugend, durch deren Mund der Ewige sein Reich gegründet (Psalm 8)? Die Allg. Ztg. des JudenthumS hat zwar schon sehr oft auf die Tendenz der Missionsschulen hingewiesen; aber es werden ja dort keine jüdischen Zeitschriften gelesen, wie schon der Correspondent in Nr. 9 darüber klagt. Ihr Gemeinden zu Posen, Obornik, Samoczin und alle andern Gemeinden, die um einiger Groschen halber ihre Kinder in die Missionsschule schicken, vergesset nicht Psalm 127, 3 und 4 u. s. w.: "i ri^N2 und vergesset nicht WS2 "liV^ bs nsN ,^^2 nna A. B...... r. Aus der Provinz Posen, 30. Juli. (Privatmitth.) Die e. fünfviertel Jahr vacant gewesene Kanzel der Brüder- Gemeinde zu Posen ist nun endlich wieder besetzt., l)r. Landsberger, bisher Rabbiner und Prediger in Brieg, hat — wie längst vorauszusehen war — über alle seine Mitbewerber, deren Zahl wirklich nicht gering war, den Sieg davon getragen und die Stelle acquerirt. Aber eben so, wie Dr. Landsberger an seinem neuen Amte, so hat — nach dem allgemeinen Urtheil— auch die Brüder-Gemeinde an ihm eine treffliche Acquisition gemacht. — Unter den 20 öffentlichen Elementarschulen, welche im Laufe des letzten Jahres innerhalb des Regierungs-Departements Posen neu gegründet worden, befinden-sich wiederum auch zwei jüdische. — Der jüdischen Krankenverpflegungs - und Beerdigungs-Gesellschaft zu Posen sind mittelst königlicher Cabinets-Ordre vom 10. d. M. Corporations-Rechte, — so weit solche zur Erwerbung von Grundstücken und Capitalien erforderlich — verliehen worden. — In Neustadt a. d. W. hat daS jüdische Repräsentanten-Collegium, von der herrschenden Noch und Theuerung veranlaßt, auf die bemittelten Gemeinde-Mitglieder fünfzig Thal er außerordentliche Beiträge repartirt, welche Summe auch auf's Schnellste eingezahlt und dann gleich darauf zum Zwecke der Unterstützung jüdischer Armen verwendet worden. — Der Kaufmann Louis Kantorowicz aus Posen, welcher in Neustadt große Getreidevorräthe aufgespeichert hat, ist so freundlich gewesen, an den dasigen Vorstand mehrere Scheffel Roggen und Erbsen zu überweisen, welche, — dem Wunsche des Gebers gemäß, — sofort in einzelnen Quantitäten unter die Ortsarmen vertheilt wurden. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Mähren, 19. Juli. (Privatmitth.) Die jüdisch-orientalische Frage findet überall warme Teilnahme, und hätte Herr Rabbiner Playek, als substituirender Landrabbiner, einen Aufruf an die Gemeinden zur Unterstützung der hartbedrängten Glaubensbrüder in Jerusalem erlassen, so würde ein hübsches Sümmchen zusammen gekommen sein, obwohl die Mildthätigkeit bei der großen Theuerung sehr stark in Anspruch genommen ist. — In Boskowitz hat die Gemeinde, mit Bewilligung der Behörde, eine jüdischdeutsche Hauptschule mit 3 Classen creirt und fundirt. Bereits ist der ConcurS für die Lehrerstellen ausgeschrieben. Die Schule besteht schon mehrere Jahre, nur ist sie jetzt, weil gehörig fondirt, eine k. k. öffentlichen Hauptschule. Jn Meseritsch war kürzlich eine verheerende Feuersbrunst, die auch die nicht unbedeutenden Gemeindehäuser in Asche legte. Ich führe diesen Fall an, um Ihre Ermahnung wegen Affecuranz der Gemeinde-