Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1854)
- Date
- 1854-08-14
- Page
- Seite 413 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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413 rungSdirector von Heppe empfahl, sich nur überall, auch wo keine Lehrer sind, so viel als möglich von den CultuS- und Schulverhältnissen zu informiren. Schließlich muß ich noch bemerken, daß Herr Dr. Adler beabsichtigt, nach vollendeter Inspektion sämmtlicher Schulen eine ausführliche Statistik der jüdischen Schulen Kurhessens zu veröffentlichen. Möchte derselbe diese Arbeit in diesen geschätzten Blättern veröffentlichen, oder wenigstens auszugsweise mittheilen, und möchte alsdann auch Aehnliches aus andern Ländern veröffentlicht werden. Denn der Nutzen solcher, nicht nur über Zahlen, sondern über das ganze Unterrichtswesen sich erstreckenden Statistiken müßte sehr mannichfaltig sein: man würde daraus ersehen, welche religiöse Unterrichtsgegenstände in wenigen, welche in allen Schulenbetrieben werden; welches das Ziel eines jeden Lehrobjectes ist, und wie weit dieses Ziel in den meisten Schulen erreicht wird; welche Methoden am meisten in Anwendung'sind, u. m. dgl. Genug, man würde eine Grundlage gewinnen für jüdische Methodologie und Pädagogik, woran es bis jetzt noch sehr gebricht. Vielleicht fühlen Sie sich bewogen, Herr Redakteur, wie in so vielen andern Dingen auch hierin die Initiative zu ergreifen. L —n. Dresden, 6. August. (Privatmitth.) Heute Vormittags 10 Uhr verließ unser Oberrabbiner Dr. Frankel nach 18jähriger reichhaltiger und fruchtbarer Wirksamkeit die hiesige Gemeinde, um das Direetorium des neu errichteten jüdisch-theologisHen Seminars zu Breslau anzutreten. Ein großer Theil der Gemeindemitglieder folgte dem scheidenden Seelenhirten bis zum Schlesischen Bahnhofe, wo er noch in wenigen rührenden Worten, die an einen Bibelspruch sich knüpften, seinen Segen über die Gemeinde aussprach. Mehrere begleiteten ihn bis nach Görlitz. — Nachdem Herr Dr. Frankel bereits im Laufe voriger Woche sowohl vom hohen Cultusministerium als vom hiesigen Stadtmagistrate sehr schön abgefaßte Belobungsschreiben „wegen seiner verdienstvollen Wirksamkeit in hiesiger Stadt" erhalten hatte, hielt derselbe gestern Vormittags seine AbschiedSpredigt über den Tert Pf. 16, 5 und 6, welche die zahlreich anwesenden Zuhörer sehr ergriff. Nachmittags 3 Uhr fand die eigentliche Abschiedsfeier statt. Sämmtliche Schüler und Schülerinnen der hiesigen israelitischen Gemeindeschule, von ihren (jüdischen und christlichen) Lehrern und der Lehrerin geführt, hierauf die Vorsteher der Gemeinde, die Mitglieder des Gemeinderaths, die Vorsteher der in der Gemeinde bestehenden wohlthätigen Vereine und der größere Theil der Gemeindeglieder jeden Alters und den verschiedensten Richtungen angehörend, zogen vom Synagogengebäude nach der Wohnung des scheidenden Oberrabbiners. Daselbst angelangt, drückte zuerst der Gemeindevorsteher Dr. B. Beer in einer längern Rede die Gesinnungen und Gefühle der Gemeinde am heutigen Tage aus, wies auf die vielfachen Verdienste deS Herrn Dr. Frankel um die hiesigen Gemeinde-Institutionen fpeciell hin, worunter er vorzüglich feine Begründung und Leitung der Schulanstalt, ferner sein rastloses Bemühen für Errichtung der Synagoge und für angemessene Verbesserung deS CultuS hervorhob, „welcher (wie der Redner sagte) vielen andern Gemeinden Israels als Muster vorleuchtet und der so eingerichtet sei, daß den Alten nichts störend darin erscheine, während die Neuen, wenn sie nur überhaupt andächtigen Sinn in daS Gotteshaus mitbringen, Erbauung darin finden." Der Redner erwähnte dann Frankels Tätigkeit zur Förderung unserer Verhältnisse zum Staate, daß er stets dahin gewirkt habe, die Eintracht zwischen uns und -unfern Mitbrüdern anderer Confessionen zu erhöhen und insbesondere auch durch seine in allen Zeiten bewiesene Loyalität gegen unser verehrtes Königshaus und die hohe Staatsregierung sich und die ganze Gemeinde hochgestellt habe. Von da auf mehrere einzelne Verhältnisse übergehend, als Gemeindestatut, Begründung mancher wohlthatiger Vereine u. s. w., faßte er die Wirksamkeit des scheidenden Oberrabbiners in die drei Worte Thora, Aboda und Gmilath Chaffadim zusammen, wofür die Gemeinde ihm ihre Liebe, Verehrung und Dankbarkeit zolle und, weile er auch nicht mehr in ihrer Mitte, ihn stets dem Namen und der That nach als ihr geistliches Oberhaupt betrachten werde. Die Rede schloß dann mit folgenden Worten: „Als schwachen Ausdruck dieser uns überwältigenden Gefühle empfangen Sie, verehrter Herr Oberrabbiner, diesen Becher*), den ich die Ehre habe, Ihnen im Namen der Gemeinde hiermit zu überreichen. Möge er Jh- *) Es wurde ihm hier ein kostbarer, vergoldeter Ehrenpokal mit angemessener hebräischer Aufschrift, versaßt vom obgedachten Vorsteher Dr. Beer, überreicht. 33 *