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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-08-14 · Heft 33 (14.8.1854) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 33 (14.8.1854)
Date
1854-08-14
Page
Seite 412 (sequence 2)
Language
German
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412 achtete Buchdruckereibesitzer haben sich zur Anfertigung der falschen Atteste (von den Juden?) verleiten lassen^ und sind jetzt in Untersuchung. Wir haben ad acta zu nehmen, daß der englische Gesandte in Constantinopel neulich in einer Anrede an den Sultan, von der bürgerlichen Besserstellung seiner nichtmuselmännischen Unterthanen sprechend, ausdrücklich die Juden mit genannt hat, was bei den früheren Gelegenheiten unterblieben ist. Wenn den Herrn Redacteur dieser Zeitung Rücksichten zurück halten, von seinem eigenen Werke zu reden, so dürfen wir Anderen doch nicht schweigen. Die in diesen Tagen erfolgte Vollendung des Philippson'schen BtbelwerkS ist eine sehr wichtige Begebenheit für das deutsche Israel. Wir hoffen, daß es eine neue Epoche in der Cultur- und Kirchengeschichte der Juden begründen, wir hoffen zunächst, daß eS viele Wunden heilen wird, die uns die „philologisch-kritische Schule" geschlagen hat. Fulda, 11. Juli. (Privatmitth.) Heute verließ unS ein in wenigen Tagen allgemein beliebt gewordener Gast. Es war dies der kurhessische Landrabbiner Herr Dr. Adler aus Cassel, welcher auf einer Jnspectionsreise in hiesiger Provinz begriffen ist, nachdem er bereits zu demselben Zwecke im versioffenen Sommer die Provinz Niederheffen, im Winter die Provinz Hanau bereist und wahrscheinlich nächsten Sommer nach Oberhessen kommen wird. Wenn wir bei der am 7. d. M. abgehaltenen Prüfung in der hiesigen Religionsschule Veranlassung hatten, uns von seinem pädagogischen Scharfblicke und katechetischen Talent zu überzeugen, das nicht darin besteht, den Kindern spitzfindige Fragen vorzulegen ,m an deren Beantwortung sich sogar die Alten die Zähne auöbeißen könnten, — so hatten wir am darauf folgenden Samstag Gelegenheit, seine außerordentliche Rednergabe zu bewundern. In seiner Predigt über das „Haderwaffer" 4 B. M. C. 20, in welcher derselbe manchen neuen Gedanken über die alte Frage entwickelte, worin eigentlich die große Schuld der Söhne Amrams bestanden, und die auch schon sehr treffend und dennoch einfach in dem Philipp so n'schen Bibelwerk 1. Bd. S. 773 beantwortet ist, — stellt der Redner den Satz auf, daß jeder Mensch, der frömmste nicht ausgenommen, sich selbst überwachen müsse, auf daß er nicht sündige, und führte die Nothwendigkeit dieser Selbstüberwachung in folgenden vier Sätzen durch: 1) weil jeder Mensch, seine schwachen Stunden habe, 2) weil der Mensch durch das Verhalten Anderer leicht zur Sünde verleitet werden könne, eS sei deshalb nachsichtsvolle Beurtheilung Anderer nothwendig, 3) weil Frömmigkeit und Religiosität selbst oft Anlaß zur Sünde würden, weshalb man mit religiösem Eifer liebevolle Duldsamkeit verbinden müsse, 4) weil uns Manches geringfügig erscheine, was von Gott als großes Vergehen bestraft würde. Am wärmsten und meisterhaftesten war der dritte Punkt durchgeführt. Uebrigens riß der edle, freie, von den schönsten Bildern durchwebte Vortrag die Zuhörer unwillkürlich mit fort und waren die Begeisterung und der Beifall aus allen Gesichtern zu lesen. Dagegen wetteiferte aber auch Alles in Ehrenbezeugungen. DaS Provinzial-Vorsteheramt lud den Gast zu einer eigenS dazu anberaumten Sitzung ein, um ihm in dieser Weise seine Anerkennung zu bezeigen für das warme Interesse, welches der Landrabbiner bei verschiedenen Anlässen für alle Gemeinde-Institutionen bekundete. Eine Deputation, bestehend aus dem Präsidenten des Vorsteheramtes und den Synagogen-Aeltesten, überreichten ihm vor seiner Abreise im Namen der Gemeinde einen prachtvollen, großen, silbernen Pokal als ein Erinnerungszeichen. Aber auch eine andere erfreuliche Wahrnehmung machten wir bei dieser Gelegenheit. Es ist dies die Bildungsfähigkeit der hiesigen Gemeinde, die zwar noch zu den streng orthodoxen gehört, in deren Mitte aber auch deshalb der verderbliche JndifferentiSmuS noK nicht Platz gegriffen hat. Wenn unser zukünftiger Rabbiner es nur versteht, den rechten Impuls zu geben, so würden ohne großen Kampf neue Synagoge, geregelter Gottesdienst, Chorgesang wie durch Zauberschlag entstehen. Es bietet sich also ein großes, die schönsten Früchte versprechendes Feld der Thätigkeit für einen solchen dar. Schreiber dieses begleitete den Landrabbiner einen Tag auf seiner Jnspectionsreise. Da besuchte er auch einen Ort, wo gegenwärtig gar kein Lehrer ist, in der Absicht, den Stand der religiösen Bildung der Kinder, so wie der Gemeinde zu untersuchen, indem ihm der allgemein verehrte und wegen seines lebhaften Interesses für alle jüdisch-religiösen Angelegenheiten.von den Israeliten besonders hochgeschätzte Herr Regie-

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