Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1854)
- Date
- 1854-08-07
- Page
- Seite 406 (sequence 10)
- Language
- German
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406 Tfttöer iunb i neuelGeLäude- LeLevteLnd-rrthige. '>4#’;über nirgchids.leblpft Straßen., hohe Änd niedere Häuser., Alles geschäftig, ohne tumultuarrfcheS Treiben, Elles behaglich, aber nicht prächtig. Dermoch'-gewahrt man:bald, daß hier j Bevölkerung und Sprache gemischt ist. Will Einem das Glück nicht wohl, .so spricht man Jemanden französisch an, und er antwortet: i -verstah nur titsch (deutsch), und den Nächsten deutsch an, und er erwiedert: -je ne vous comprends pas.. Die Straßennamen sind französisch an die Ecken geschrieben. Als ich einen ehrlichen Bürgersmann frug: oü est donc Ia rue derrifcre le templeneuf? so antwortete er: i weiß nit; ich frug weiter: „ wo ist die Straße hinter dem neuen Tempel?" Auch darauf keine.Antwort-; -endlich rief er: a, hinter de neue Karcha — ja., -die '.ist -da und da .... Des. Abends acht Uhr fuhr ichvon Paris -fort, und war sieben ein halb Uhr -Morgens in Straßburg. Der; größte Weil der Macht ward verschlafen; aber ach hatte mMS verloren, d,enn^erst,wenn'man sich Deutschland nähert und die Vogesen -durchschneidet, hat man mehr-als Ebene und-immer-wieder Ebene. WüS -es in Straßbmg -zu sehen giebt? Den -Münster 'und nur den Münster. Aber in der That, das -ist lgenug. Auf dem Wege -dahin kommt-man zunächst auf-den -Platz, aufwelchem das Guttenbergsdenkmal steht. Der Platz -war gorade von-Gemüsehändlern besetzt. Allein -auch abgesehen davon, ist dies Denkmal von kleinlichem Geschmack, die Verhältnisse sind klein, die Gewandung sehr steif, die Figuren auf den Reliefs theils nackt, theils im Frack, kein Schwung, keine Energie, und dies — dem Münster gegenüber! Zweierlei überraschte mich an diesem köstlichen Gebäude:;- zurrst, daß eslange nicht so großartig und colossal ist, wie ich es mir gedacht, und zweitens, daß es so künstlerisch geschmückt, daß es so überaus herrlich durchgMbeittt ist, wie 'ich es mir wieder nicht gedacht! Ich war ganz hingerissen von diesem Anblick, der so wohlthueüd, Weil er im'Großen und Kleinen so berechnet, so harmonisch, so aus 'Einem Gusse; ich bin in den dritthalb Tagen, die ich 'in Straßburg mich aufhielt, wohl zehn Mal hingelaüsen, und habe da von allen Seiten betrachtet. Die Fronte äst von der größten Wirkung. Diese drei Portale, diese Rose über dem Mittlern, diese beiden Thürme, der eine -iS zur -Plattform, der andere 'vollendet, durch und dutch ä jour, schlank und frei durch- Möchen, ^gefällig und 'grandios gearbeitet, Mannichfaltig-, - feit Mn der Mstheit ■, -Dreifachheit, ■ Eckigkeit, Elipse; und i Kreislinie: verbunden und verschlungen unb in die " Höhe -strebend l artsgelüM " Auch. das - Innere -ist- .ergreifende -Jh sah es besonders «ritt Mal, als die Sonne-' -ihre Atztest Strahlen durch dir -gelben -Fenster über dem 'Portül Hineinwarf und die Capitäldr der Säule-nbündel beschie'n; überall sonst Dämmerung im Gebäude?verbreitet-- und hinter dem hohen Chore, wo -es in das Gewirre der Kreuzgänge einfällt, schdn vollständig Dunkel; hier 'und da brannte eine kleine Wachskerze in einer Seiteneapelle; vier, fünf einsame Beter knieten zerstreut in den-Ecken .... welche Schauer! Am hellen, lichten Morgen -dagegen bestieg ich den Münster, und zwar so -hoch es gestattet ist, denn am Kreuze, wo die Treppe an der 'Außenseite hinauf isteigt und man ^um Lheil starrbeinig hinauf klettern -muß, ist §in verschlossenes Gitter; aber ohne dies hätte ich das Wagstück auch nicht unternommen. Man überschaut da ein weites, schönes Stück Land,» aber-überraschend so, wie ich es mir von Jugend auf gedacht. Eben, von Frankreich her ganz -eben, aber.so grün und frisch, und überall die Thürme und Thürmchen von Städten und Dörfern; dort -fällt die Jll in den Rhein stmbuschtumgrünt; aber nach Deutschland hin die Vogesen, der Schwarz-, wald, fern, fern ein Blick auf die Alpen — — zu Füßen die Stadt ausgebreitet, die freilich von so hohem Standpunkte, und -nachdem man eben das Häusermeer von Paris gesehen, 'nur einen kleinen Raum einnimmt. -Es wollte regnen, -und über dem Rhein und um die'fernen Berge rang und kämpfte der Nebelder auch die Oberhand gewann , - und bald die -größere Hälfte des Schauspiels verhüllte. Aber 'welch- -erfrischende Lust wehethier oben, wie -leicht' hob sich Me-Brnst, wie schwoll das Herz. -So war denn wieder ein Punkt erreicht, auf dem man von Jugend auf so oft im Geiste geweilt, nicht blos, weil er schön, sondern weil große-Geister ihre Spuren-ihm 'aufgedrückt, Göthe- Herder, Jung -Stilling, Pfeffel. Nieder gestiegen vom Thürme, mußte man wohl in das gegenüber liegende Haus Erwin's von 'Steinbach, des Baumeisters vom Münster, und seiner Tochter Sabina, welche die Aufsicht über die Steinmetzhütten und selbst den Meißel meisterhaft führte,- gehen. Man hat hier rin kleines Münstermuseum., das außer Raritäten ''Gypsabgüsse der Bildwerke am Münster zum bequemen Anschauen einzelner Theile des Münsters - -im - Kleinen -enthält. Wie Lei-allen Domen, -sind viele der-angebrachten Bildwerke kontischer-Natur, Affen, Schweine-und' lde-t-; gleichen. Außer den Statuen -Erwins und - seines Nüch- >' fölgers Scholz selbst, l 'fallen insbesondere die Abgüsse Pveier