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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-08-07 · Heft 32 (7.8.1854) · p. Seite 403

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 32 (7.8.1854)
Date
1854-08-07
Page
Seite 403 (sequence 7)
Language
German
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feit Wirren in der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M." von einem Steinianer) die eine Partei die andere bekämpft. Bei allen diesen Streitigkeiten steht die Religion trauernd da, und spricht: „Die Ihr da um mich zanket, Ihr habt mich all' verlassen!" Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 16. Juli. (Privatmitth.) Herr Dr. Goldenthal läßt in der Wiener Zeitung einen Aufruf an seine Glaubensbrüder ergehen, daß sie Beiträge geben mögen zu Stipendien für Rabbinatscandidaten. Wenn wir auch mit der Idee einverstanden wären, so hätte Herr Dr. Goldenthal -Le Ausführung einem Andern überlaffen sollen, wenn irgend ein Erfolg erzielt werden soll. Bei derartigen Dingen muß sich stets eine Persönlichkeit an die Spitze stellen, die in der Gemeinde anerkannt ist. Mit Beiträgen zu 5 und höchstens 10 Gulden ist wenig geholfen. Die Chewra Kadischa hat an die Gemeindeglieder nach Abfassung der neuen Statuten einen Aufruf zum Beitritt ergehen lassen, und es haben sich über 100 neue Mitglieder eingefunden. Der kleinste Beitrag eines Mitgliedes ist jährlich 10 Gulden. Frau D., eine innige Freundin des seligen Herrn S. v. Wertheimstein, die von demselben mit 50,000 Gulden und einer jährlichen Rente von 1000 Gulden bedacht worden ist, hat als Christin demselben ein Gedächtniß in der hiesigen israelitischen Gemeinde gestiftet. Sie widmete nämlich 2000 Gulden, deren Interessen am Sterbetage des Hingeschiedenen an vier arme jüdische Familien vertheilt werden sollen. Wertheimer's Jahrbuch für Israeliten ist erschienen. Wie schon öfters, hat auch diesmal der Herausgeber Opfer für seine Glaubensgenossen gebracht, nicht nur Opfer an Zeit und Mühe, sondern auch an Geld. Für 30 Bogen ist der Preis 54 Kreuzer. Unterstützt wurde derselbe von I. Barrasch, Deutsch, Engel, Frankl, Kohn, Löw, Kompert, LetteriS, Kuh, LandeSmann, Philippfon, Szanto, Wolf k. P. 8. Wie ich eben höre, hat Herr Carl Löwenstein, Bürger von Wien, der in der Blüthe der Jahre iu die bessere Welt überging, fromme Stiftungen im Betrage an 20,000 Gulden gemacht. Die frommen Stiftungen dieses einen Jahres machen mehr aus als sämmtliche Stiftungen der früheren Jahre. ES giebt daS Zeugniß davon, daß der jüdische Geist reger ist, und daß sich überhaupt -ie reichen Leute nicht schämen, Juden zu sein. Wien, 24. Juli. (Privatmitth.) nna ü^ö-j n?:» Ich will heute da beginnen, wo ich das letzte Mal geschloffen.— Wir klagen heute so sehr über unsere Zeit, wir wollen sie ä tout prix als gottlose verschreien, und doch, wenn wir ehrlich und redlich sein wollen, müssen wir bekennen, daß auf dem Gebiete des JudenthumS die Religion keine Rückschritte gemacht hat. Ich habe hier zunächst eben Wien vor Augen. Ich wieS daS letzte Mal darauf hin, wie im heurigen Jahre mehr wohlthätige Stiftungen innerhalb der Gemeinde gemacht worden sind, als je, seitdem die Gemeinde besteht, gestiftet wurden. Woher käme daS anders, als eben, weil mehr jüdischer Sinn und Geist herrscht. Man schämt sich micht mehr seines jüdischen Glaubens und seiner jüdischen Mitbrüder. Das Judenthum selber ist zu Achtung und Ansehen gelangt. Ich will diesen Gegenstand nicht weiter auSführen; er würde den Raum einer Correspondenz über-, schreiten, aber eines will ich nur berühren. ES fällt mir nicht ein, denen ein Makel anzuhängen, die in ihren Gräbern ruhen. Aber eS ist bekannt, daß in früheren Zeiten, wo „Toleranz und Regierungsschutz" den Juden in Wien schützten, höchst selten sich ein Jude bewogen fühlte, seinem Mitbruder beizrrstehen und ihm diese Gnade zu erwirken; häufig sogar that man gerade daS Gegentheil. Jetzt sieht jeder Jude, und wenn er auch sonst dem Judenthume fern steht, einen Ehrenpunkt darin; wenn eS gilt, das Bürgerrecht oder die Zuständigkeit oder sonst irgend Etwas zu Gunsten eines Juden -zu verschaffen. Freilich . müssen wir dabei bemerken, wenn die orthodore Partei par excellence sich ihres „Sieges" rühmt, so ist daS ein sehr kläglicher Sieg. Roch ein solcher Sieg, und sie ist verloren. Daß doch die Zeiten sich gleich bleiben und die Fabel vom Vogel Strauß heute wie ehedem Geltung und Anwendung hat. Bei Gelegenheit des ausgeschriebenen Nationalanlehens haben die Vertreter die Gemeindeglieder aufgefordert, sich nach besten Kräften zu betheiligen, und allerdings stndet man.auch indM Ausweisungen, die die Zeitungen veröffentlichen, Juden, die sich mit großen Summen betheiligt haben, wehr als es Hre Kräfte gestattet haben.

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