Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1854)
- Date
- 1854-08-07
- Page
- Seite 402 (sequence 6)
- Language
- German
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402 die lautersten Motive und wird der Tod desselben mit Recht tief betrauert. W... b .. g. Preußen. Berlin, 23. Juli. (Privatmitth.) Die seit zwei Jahren hier bestehende Gesellschaft zur Verbreitung des Talmudstudiums (unter dem alten Namen ö'tö irnan) findet in den entsprechenden Kreisen thätige Theilnahme. Die gelehrten Mitglieder der Gesellschaft tragen reihefolgend jeden Abend ein Pensum des'Talmud im Beth Hamidrasch vor, das je nach dem Inhalte und der Theilbarkeit deS Stoffes in einer oder doppelter Seite des TerteS besteht, so daß in einem Zeiträume von etlichen Jahren die Lectüre des ganzen Volumens des Talmud zurückgelegt werden wird. Bei bescheidenen Ansprüchen der kritischen Forschung können die Vorträge im Allgemeinen befriedigen, aber ste erfüllen ihre Aufgabe lobenswerth und verdienstlich dem besondern Zwecke gegenüber, die bei der Handel treibenden Masse und den Laien überhaupt erlöschende Talmudkunde mit frischem Oele zu beleben. Begünstigt wird dieses Streben durch eine neue, jedoch vom Zeitgeist bedingte Erscheinung: die Niederlassung mehrerer auswärtigen Rabbinen in Berlin. Wie ehemals Rom (und spater England) ein Asyl für freiwillig und unfreiwillig vom Throne gestiegener Fürsten war, so ist seit Kurzem die Metropolis der Intelligenz eine freundliche Zufluchtsstätte für Rabbinen, welche entweder lieber ihrem Amte entsagten, als ihren frommen, von Reformwünschen der Gemeinde bedrängten Gewohnheiten, oder deren Sprengel durch den Abzug der Wohlhabenden nach Berlin so verarmt ist, daß der Seelenhirt die Wahl hat, zu verhungern, oder den abziehenden Pfarrkindern selber nachzuziehen. Wieder Andere , mit irdischem Gute gesegnet, wollen unabhängig Gott und der jüdischen Gelehrsamkeit leben, während Andere; von ihrer Gemeinde in ehrenvollen Ruhestand versetzt, ihre alten Tage frommen Uebungen weihen. Diese Rabbinen vorzüglich widmen ihren Fleiß den Vorlesungen, und es sei erlaubt, zwei namentlich anzuführen, ohne daß wir ste anmaßend damit andern vorziehen wollen: der ehemalige Prenzlauer Rabbiner (Asche) ist philosophisch gebildeter Talmudist, mit Scharfsinn und freimüthiger Forscherkraft begabt; der ehemalige Königsberger Rabbiner (Goldberg) ist durch und durch Talmudist, ist gleichfalls scharfsinnig und von einer in unfern Landen ungewöhnlichen Belesenheit. Er und sein gleichgelehrter Sohn (Rabbi Na chm an) sind bedeutende Stützen deS Vereins. Ich sehender Brief schwillt unter meinen Händen zum Uebermaß an, und ich breche ab, obgleich ich von diesem Thema noch mehr zu sagen hätte. Vielleicht gestatten Sie mir in einem der folgenden Berichte, den Gegenstand wieder aufzunehmen. (Sehr gern! Red.) — Generalmusik - Direktor Meyer beer hat, obgleich selbst wie seine verstorbene Mutter der Reformgenossenschaft angehörend, in dem genannten Beth Hamidrasch in den Tagen zwischen dem Sterben und dem Begräbniß der Mutter (Amalie Beer) nach altem Ritus Talmud lesen („lernen") lassen, und übergab auch der Armencommission eine kleine Summe zur Vertheilung. „Klein" muß die Gabe genannt werden, selbst wenn das gerüchtliche Marimum von 600 Thalern begründet ist (Andere wollen gar nur von 300 Thalern wissen), da Meyerbeer zu seinen Millionen eben durch den Tod der Mutter noch ungeheures Vermögen hinzufügt, und da andererseits nicht weniger als 800 Personen in der jüdischen Gemeinde Armengeld erhalten. —. Für die Korrespondenz zwischen den Vorständen der in Gemäßheit deS Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 gebildeten Synagogen-Gemeinden einer- und den Königlichen Staatsbehörden andererseits ist P o r t o fr e i h e i t eingeräumt worden^ Magdeburg, im Juli. So heiß, wie die Sonne jetzt scheint, so heiß brennt der Kampf, oder sagen wir besser: der Streit, oder sagen wir am besten: der Zank in manchen Gemeinden. Da ist Breslau, wonach den neuesten Nachrichten die Partei des Dr. Geiger gewonnen haben soll, aber die Wahlhandlung auf Betreiben der sogenannten Orthodoren unterbrochen worden ist, wegen der Anklage, jene hatten sich nicht auf die gerechten Mittel beschränkt. Hamburg, wo nicht blos in ganzen Broschüren („Die Synagoge zu Hamburg, wie sie war, ist und sein soll. Zweite Auflage."), sondern auch in Artikeln in Localblättern darauf gedrungen wird, den in Bälde ablausenden Contract mit dem Oberrabbiner Stern nicht wieder zu erneuern. Frankfurt am Main, wo in den heftigsten Flugschriften („Frankfurter israelitische Gemeindezustände" von einem Hirschianer, „die religiö-