Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-08-07 · Heft 32 (7.8.1854) · p. Seite 401

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 32 (7.8.1854)
Date
1854-08-07
Page
Seite 401 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225877-3225910--14025-3243504
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

401 weil er sie nie werden sah!... Und zweitens, allerdings „aus Nichts wird Nichts" — die Atome sind aber, folglich müssen sie geworden sein, wenn nicht auS Etwas, doch durch Etwas, und das ist Gott! „Aus Nichts wird Nichts," aber Gott ist, und damit ist auch die Schöpfung, damit die Schöpfung der Stoffatome, und damit die Urzeugung der Organismen! Euer eigener Satz ist Eure Verurteilung — weil diese Welt nicht blos ist, sondern immerfort wird, aber Nichts aus Nichts wird, ist Gott, der sie geschaffen und immerfort schafft. So führen die Naturwissenschaften leicht zum Aberglauben, wenn einerseits nur der „Thatsache" Beweiskraft eingeräumt, dann aber als „Thatsache" betrachtet wird, was innerhalb geringen Kreises und winziger Zeit beobachtet worden. Vor Allem scheuet Euch minder vor dem SkepticismuS, als vor dem skeptisirenden Dogmatismus! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 26. Juli. Nach dem Fr. Journ. hat sich der Bundestag in seiner letzten Sitzung mit der Reclamation der 12 Bürger Bremens gegen Gleichstellung der Juden beschäftigt. Es liegen darüber zwei diametral entgegen stehende Vorschläge vor, über welche innerhalb 3 Wochen die Abstimmung erfolgen wird. Oldenburg, im Juli. (Privatmitth.) Unsere Glaubensbrüder genießen hier mit den übrigen Staatsbürgern vollkommen gleiche Rechte und sind ihnen diese um kein Jota geschmälert, noch durch Interpretationen verkümmert worden. So gering die hiesige israelitische Bevölkerung auch ist (eö wohnen vielleicht im ganzen Großherzogthum 120 Familien), wie spärlich, ja höchst selten sich auch wissenschaftliches Streben hier kund giebt, so fehlt es doch nicht an Beispielen, daß Israeliten sowohl im Staatsdienste, als an städtischen Schulanstalten u. s. w. die von ihnen erstrebte Stellung wurde. Es ist im Großherzogthum keine Synagoge gebaut, zu der der Staat nicht bereitwillig Geldmittel bergegeben; während ich aus eigener Erfahrung weiß, daß man in einem intelligenten deutschen Staate ähnliche Gesuche abwies, weil für den Bau jüdischer Gotteshäuser keine Fonds vorhanden seien. — Nicht allein, daß unsere Negierung 1000 Thaler zum Bau eines Gottes- und Schulhauses in hiesiger Stadt überwiesen, hat sie, auf Ersuchen des Landrabbiners Herrn Wechsler, auch den Gemeinden eine namhafte Summe zur Hebung ihres Cultus- und Schulwesens bewilligt. Es ist vielleicht schon früher berichtet worden, daß die hiesige Synagoge so baufällig ist, daß ein Einsturz derselben in Aussicht stand und dennoch wollte es den früheren Rabbinen nicht gelingen, die Gemeinde zu einem Neubau zu bewegen. Herrn Wechsler, im Verein mit dem Vorsteher Herrn G. Ballin, gelang es nach unsäglichen Mühen, alle Hindernisse zu beseitigen und daS Interesse für eine würdige Stätte der Andacht zu wecken. So ist denn der Bau in glänzender Weise begonnen und zwei geschmackvolle Gebäude werden demnächst einen der schönsten Theile unserer Stadt zieren. Die Grundsteinlegung fand im Mai durch Se. Königliche Hoheit den Großherzog statt und waren dabei das Ministerium, der Stadtmagistrat, die Geistlichkeit rc. rc. sehr.zahlreich vertreten: Die Feier war eine sehr würdige und wurde» durch eine treffliche Predigt des Landrabbiners Herrn Wechsler eröffnet. Die Betheiligung des christlichen Publikums war bei dieser Gelegenheit so stark, daß dies schon als Beleg gelten könnte, daß Toleranz und Humanität im hiesigen Volksleben eine breite Strömung gewonnen. — Einige ü*’öU5 vwb rrpbn?: abgerechnet, schreitet der Bau rüstig fort und muß man dem Vorsteher Herrn Ballin und den übrigen Herren Bauleitern aufrichtige Anerkennung zollen, daß sie sich durch Anfeindungen Mit Undank von der guten Sache nicht abhalten lassen. Die Betheiligung der Gemeinde bei der Beschaffung der zum Bau erforderlichen Geldmittel war, einige unrühmliche Ausnahmen abgerechnet, eine recht rege und walte Gott, daß der Eifer und daS gemeinsame Streben nicht erkalte! Der in diesen Blättern schon oft in rühmlichster Weise genannte Herr Schwabe Vätf aus Manchester hat aus Pietät gegen feine hier ruhenden Eltern den hiesigen Synagogenbau mit 40 Pfd. St. unterstützt. Die Wohlthätigkeit dieses Ehrenmannes kannte nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.