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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-08-07 · Heft 32 (7.8.1854) · p. Seite 400

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 32 (7.8.1854)
Date
1854-08-07
Page
Seite 400 (sequence 4)
Language
German
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400 Beispiel kennen, daß Stoff verschwindet, ist damit erwiesen, daß er niemals schwinden könne? Wenn Herr Vogt sich vor-ehält, daß jeder Zeit noch ein Beispiel von Zeugung ohne Eltern beobachtet werden könne, können wir uns nicht Vorbehalten, daß immer noch Beispiele, daß Stoff verschwindet, beobachtet werden können? Wie tief dringt denn unsere Beobachtung in demProceß des Formwechsels ein? wie weit geht der Kreis unserer Beobachtung? — Und zweitens: ist etwa der Uebergang von „formlosem Stoffs zu „Organismen" weniger schwierig als das Werden „formlosen Stoffes?" d. h. ist eine Urzeugung der Organismen aus „formlosem Stoff," die doch Herr Vogt zugiebt, leichter zu begreifen als eine Urzeugung des „formlosen Stoffes" selbst? Im Gegentheil, noch viel schwieriger ohne Gott! Mit Gott aber ist die Schöpfung des „formlosen Stoffes" eben so begreiflich, wie die Schöpfung der Organismen .... Wie gesagt, so lange Herr Vogt sagen würde: ich weiß nichts von der Schöpfung, denn die Thatsachen in der Natur sagen mir nichts Bestimmtes darüber, hätten wir nichts gegen ihn; sobald er aber seinen Materialismus aus der Natur erweisen will, zeigen wir ihm, daß er sich mit seinen eigenen Worten und Thatsachen schlägt. Noch von einer andern Seite. Vogt sagt in demselben Aufsatze: „Wir müssen uns bescheiden, auch für den Tod der Individuen keinen nothwendigen Grund zu finden. Der Organismus der Psianzen wie der Thiere ist so beschaffen, daß er sich stets erneuert, daß alle Lheile des Mechanismus, welche etwa abgenutzt sind, wieder ersetzt werden, und das ganze Spiel der Organe greift so in einander durch Aufnahme, Ausscheidung und Umwandelung, daß ihr allmähliger Verbrauch wirklich physiologisch unerklärbar ist. Es giebt wirklich keinen physiologischen Grund für den Tod des Individuums, wenn wir dies in abstracto nehmen." Diese weit verbreitete Ansicht, daß der Tod physiologisch nicht erklärbar sei, beruht auf der Meinung, daß Ausscheiden und Ersetzen im Organismus, Abnutzen und Erneuern völlig gleichmäßig sei. Wir schließen daher im Gegentheil, so wenig wir es auch erkenne«, muß diese völlige Ausgleichung nicht stattfinden, sondern, wie in der Jugend der Organismus die Fähigkeit besitzen muß, mehr aufzunehmen als auszuscheiden, und daher nach jeder Beziehung hin zu wachsen; so muß das Alter diese Fähigkeit verlieren und vielmehr die haben, mehr auszuscheiden und zu consumiren als zu ersetzen und zu erneuern, so wenig es uns möglich ist, dies thatsächlich zu erkennen. Wir fragen nun: find wir nicht im Stande, im Individuum dieses Kommen und Gehen des Stoffes genau zu erkennen, im Individuum, das in zahllosen Eremplaren und unter den verschiedensten Um- , ständen unserer Beobachtung untersteht, wie wollen wir uns erdreisten, zu behaupten, daß im Universum niemals der Stoff schwinde, daß er stets bleibe, daß er unzerstörbar, daß er ewig sei? Jetzt behauptet Vogt, es sei der Tod eines. Individuums, dessen ganzes Leben doch vor uns liegt, physiologisch unerklärbar, weil in ihm völlige Ausgleichung siattfinde, und dennoch findet der Tod statt — gesetzt nun, es wolle Jemand aus dem Stoffwechsel eines Tages, aus jener Ausgleichung von Ausscheiden und Ersetzen während eines Tages eines Menschen auf die Ewigkeit, die Unzerstörbarkeit dieses Menschen schließen, dürfte Herr Vogt ihn auslachen? Gewiß nicht. Nun, weiß Herr Vogt mehr von dieser Erde als verhältnißmäßig die Geschichte eines Tages? und wie viel vom Universum? und dennoch will er daraus, weil er an diesem einen Tage von dem vorhandenen Stoffe nichts schwinden sieht, schließen, daß die Materie unzerstörbar, daß sie folglich unerschaffbar sei? Wie lächerlich! Zweierlei bekennt also Herr Vogt selbst: daß eine Urzeugung der Organismen stattfand, obschon wirket ne solche beobachten, und daß der Tod der Organismen unerklärlich sei, obschon wir diesen alle Augenblicke beobachten. Er muß auch zugeben, daß wir nur einen ganz unbedeutenden Theil des Universums überschauen, und auch diesen Theil erst sehr oberflächlich und während einer sehr kurzen Zeit kennen. Wir können ihm also sein Ariom von der Unzerstörbarkeit des Stoffes nicht ' als auf Thatsache beruhend zugeben, wir können ihm noch weniger zugeben, daß er daraus auf die Unerschaffbarkeit des Stoffes, also auf dessen Ewigkeit schließen darf. Das hat freilich Herr Vogt selbst, wenn auch dunkel, gefühlt, und er ruft daher den alten Satz: „aus Nichts wird Nichts" zur Hülfe. Aber erstens ist denn der „formlose Stoff," aus dem er die Organismen werden läßt, gegen diese gehalten, etwas Anderes als Nichts? Wenn Herr Vogt die ursprünglichen Atome, etwa wie im Kometen, wo sie noch nicht einmal gasartig sind, mit Nichts als ihrer Anziehung nimmt, sind sie, um Organismen, um eine Victoria regia oder einen Löwen oder einen Menschen zu bilden, mehr als das Nichts? Was scheint ihm denn so wunderbar daran, daß er zugiebt, diese Organismen sind durch eine Urzeugung aus diesen Stoffatomen geworden, trotz dem er eine solche noch nie gesehen, aber nicht zugeben will, diese Stoffatome find geworden,

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