Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1854)
- Date
- 1854-07-31
- Page
- Seite 390 (sequence 8)
- Language
- German
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390 das Tiktin'sche Comite auf! Außer 'den zwei ihrer Richtung ungehörigen Männern der Geigec!schen Candidatenliste und Einem der Vermittelnden noch 27 Männer, welche mit wenigen Ausnahmen kein anderes Verdienst äüfzuweisen hatten, als daß sie eifrige Partisanen ihrer Partei warendie zum Theil jahrelang ihre Beiträge selbst den Armen entzogen hatten, zum Theil erst seit Kurzem aus der Fremde hierher gezogen und großentheils ganz unbekannt waren. Elnen interessanten und einflußreichen Zwischenfall bietet zuvörderst das Folgende: Herr Tiktin, der doch im Innern der aller-zur Schau getragenen Ueberlegenheit seine'Schwäche fühlte-, bat den Herrn Wahl - EöMmissariüs bereits vor der Wahl, die Anbahnung einer Vermittelung und einer Friedensstiftung zu versuchen. Auf der anderen Seite kannte man zwar das Unnütze -solcher Versuche, da man wüßte, jener Partei könne nie genug willfahrt werden,^ und entschlossen war, nur, was wirklich dem Frieden diente, aus freien Stücken zu reichen, nimmermehr aber sich zu Concesflonen bereden zu lassen, deren mißbräuchliche Anwendung man, durch die Erfahrung belehrtnur mit zu gutem Grunde fürchtete. Dennoch wollte man auch den Schein vermeiden, als weise man ein Anerbieten zum Frieden, so wenig es auch ernstlich gemeint sein mochte, schlechtweg zurück. Auf vr. Geigers Antrag wurde demnach von Seiten' feines Comite's der Friede so formulirt: Tiktin wird neben vr. Geiger mit voller Gleichberechtigung angestellt ], resp. die Candidaten haben daS Versprechen abzulegen, falls die Wahl auf sie fällt, dieses ausführen zu wollen; wir verharren jedoch bei unserer Candidatenliste. Eine Einigung in dieser erschien unthunlich, da es durchaus unmöglich war, Bürgschaften dafür zu geben, daß die combinirte Candidatenliste auch die Zustimmung der allein entscheidenden Wahlkörperschaft erlangenwerde. Der Wahl - Commiffarius entbot nun von beiden Seiten drei Mitglieder nach Auswechslung der Candidatenlisten zu sich, damit sie in seiner Gegenwart die Verhandlungen führen sollten.- Allein schon bevor diese Conferenz statt fand , hatte Tiktin mündlich wie schriftlich, seine Anforderungen Herrn von Kehler übergeben. Darin wurde eine solche Masse von Detail- Bevorzugungen beansprucht , -daß die Geiger'schen Vertrauensmänner erklärten, sie seien nicht befugt,' der künftigen Verwaltung über solche Angelegenheiten -Normen vorzuschreiben; .sie müßten bei dem allgemeinen Anerbieten der Gleichstellung, verbleiben: Dieses jedoch wurde von der. andern Seite mit: Geringschätzung behandelt.. Daß7Tiktin.bis jetzt von deveinzig berechtigten Gemeindeverwaltung gar nicht angestellt sei, daß er bisher der Gemeinde lediglich als P r iv at m an n gelte, daß selbst der ihm verliehene Titel, wie der Cultusminister in einem Rescript; erklärte, in seiner llisherigen Stellung durchaus Nichts änderte, wurde bei der Macht, welche seine Partei sich beimaß, als gar nicht der Berücksichtigung werth geachtet:: Und nun wurde erst noch eine Eombinirung der Candidatenlisten verlangt.' Die Tiktin'schm Vertrauensmänner wollten sich mit der Aufnahme von 40 ihrer Mitglieder begnügenin der sichern Erwartung, durch ihre Rührigkeit ihnen den Eintritt - in die Repräsentanten - Versammlung zu. verschaffen, während' nur 5 von den übrigen 20 dieses Resultat erlangen, und die andern 15 in die ohnmächtige Stellung von Stellvertretern versetzt würden. Ohne Vertrauen an der Conferenz Theil nehmend, in ihrem geringen.Vertrauen noch mehr durch die gestellten Forderungen, die sie mit anhören mußten, erschüttert, gingen natürlichere Geiger'schen Vertrauensmänner auf dieses Verlangen, zu. dessen Gewährung sie übrigens auch keine Vollmacht hattennicht ein und versprachen nur im. Falle des Einverständnisses noch dahin zu wirken, daß zwei der gegnerischen Parteiführer noch ausgenommen würden: So blieb die Conferenzerfolglos und nicht minder später wieder aufgenommene Privatvermittelungen. ,, Somit war die Angelegenheit auf den reinen Boden des Wahlkampfes zurückgeführt.; Trotz dem verharrte das Geiger'sche. Wahl-ßomitö bei seinen vermittelnden Grundsätzenes behielt für seine Kandidatenliste die zwei, .resp. sechs, concedirten Candidaten bei, und veranlaßt auch seine Candidaten zu der Erklärung, daß .sie es als ihre Aufgabe betrachten, die bereits besprochene Gleichbe-- rechtigung einzuführen. Und nun begann die Agitation. Vertrauensmänner beider Parteien boten Alles auf, um für ihre resp. Candidaten zu gewinnen und eS gab sich eine Theilnahme unter den,sonst Indifferentesten kund, die man zu erwarten kaum berechtigt war. Die Agitation an und für sich hatte nichts Verletzendes, im Gegentheil, es war erhebend, zu bemerken, wie der Sinn für Zudenthum, für Gemein-