Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1854)
- Date
- 1854-07-31
- Page
- Seite 389 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225909--14012-3243490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
389 dieselben an die Hand allein die darauf folgenden Ereignisse drängten dieses Gesetz zurück, und man wollte nicht gern ein „Judengesetz" wleder -auserstehen sehen, daS zwar dre innere Verfassung gerecht regelte, aber doch in seinem bürgerlichen Tyeile,auS einem^ Geiste hervorging, der die Gleichstellung der Juden verläugnete. s - Allein gerade -die: mißliebigen Theile beö: Gesetzes, fanden allmälig wieder.: .ihre praktische. Ein- und 'Ausführung.; auch die Organisation der Gemeinden ging nach Maßgabe dreses Gesetzes fast überall, auch in. Schlesien, vor sich;, nur nicht in Breslau. Nach langem Bedenken, entschloß sich jedoch endlich das Oberoorftehercollegium, - die Regierung um die gesetzliche Herstellung der Synagogengemeinde anzusuchen- und dem Gesuche mußte Folge gegeben werden. Schon im Anfänge dieses Jahres ward dieser Beschluß bekannt, und im April erfolgte die Kundmachung mit■; der Bezeichnung deS Polizeipräsidenten v. Kehler als Wahl-Eommissarius. Nun wnr der Lharigkeit ein bestimmter Wirkungskreis vorgezeichnet, und alcbald bildeten sich Wahl- Comrtö'S bei beiden Parteien, d»c wir kurzweg mach ihren hier übltchen Namen bezeichnen wollen, bei der Geiger'schen und bei der Tilnn'schen Partei. Tie Namen, welche die zwei Wabl-.Comue's sich beilegten, sind charakteristisch: daS erstere nannte sich „das Wahl-Comuö zur Begründung einer einigen G es a m m t g e in e i n d e," und legte damit sein Streben, -die Interessen der Gesammtheit zu. befriedigen und die Ewigkeit in der Gemeinde herzuftellen, an den Tag, das andere nannte sich „das conservativ-jü Dische Wahl-Comite" und gab sich Hiermit von vorn herein einen Parteinamen, bekundete daS Streben, das Uebergewicht von Parteiintereffen 'zu bewirken, offenbarte aber zugleich damit, wie. es die bisherige Tendenz weiter verfolge, durch gewisse beliebte Stichwörter sich die Gunst der Behörden zu erwirken. Die weiteren Maßregeln der Regierung. ließen etwas lange auf sich warten, und besonders , war es schwierig, die Wahlberechtigten zu bestimmen. . DaS Gesetz bestimmt m §. 4 t, daß „sämmtliche männliche, volljährige, unbescholtene Mitglieder der'Synagogengemeinde, welche sich selbstständig ernähren und mit Entrichtung der Abgaben für die Synagogengemeinde wahrend . der letzten: drei. Jahre nicht im Rückstand geblieben - sind," diEepräsentanten zu. wählen haben. Allein eine Oynagogengemeinde bestand: ja eben noch nicht,; und die Entrichtung, her Abgaben - war ja ganz willkürlich. Man umging daher diese Bestimmung der!Abgabenzahlung - andie. Gemeinde für daS -erste Mal völlig und betrachtete Alle als wahlberechtigt, die .städtische Abgaben entrichteten,-vorausgesetzt ihre Unbescholtenheit und Volljährigkeit. Auf dlese Weise gestaltete sich eine Wah.lkörperschaft. von nahe an 1 7.00 Wählern. Endlich erschien .unter dem 30: .porigen MonaiS. die Bekanntmachung ' des Wahl - Commissarius und die- Festsetzung des..Wahltermins. : auf - den s4. dieses. Ein jeder.Wahlberechtigte -erhiell hierzu eine besondere Vorladung -mit. einem, numePsten Wahlzettelwelchen er,!wie eS in -der Vorladung hseß-schon zmHause mit ten. .30 -Namen der -zu Wählenden, auszufüllen, Mit seinem Namen. zu unterschresben und im Termine per fö n l ich zu überreichen, harte. „jDseje? nigen,". heißt es ferner,:»welche picht schreib,e-n jfönnen, haben-im Termine selbstdre von ahnen zu bc? zeichnenden. Namen der gewählten durch emeu der vom. Wahl-Comintssarius zu ernennenden Aüahlzeugeaans den Wahlzetlel. schrechen - zu lassen.. Es wird angenommen werden, daß oiejeyigen Fünfzehn, welche die:meisten Stimmen.erhalten haben,. als Repräsentanten, und diejenigen Fünfzehn, welche nächst ahnen dre meisten Stimmen haben, als Slettvenreier der Repräsentanten gewählt sind." j; Von der Thäligkeit, welchenun in beiden chchgern herrschte, bin ich wirklich kaum im StandeIhnen eine annähernde Vorstellung , zu geben.. Der G.egenf stand, war das Tagesgespräch und: die Tagearbeat der Gemeinde., Von. beiden Seiten wurden Progra,nme veröffentlicht, die der Bezeichnung der. WahlfCo? mile's vollständig entsprechen, und Candidatenlistey entworfen, die noch charakteristischer waren. . Das Geiger'sche Wahl-Comitü,, seinen friedlichen Bestrebungen getreu, nahm alsbald zwei achtbare Männer von der entschieden gegnerischen Partei, wer andere, welche als in der Mille stehend betrachtet wurden, in seine Candrdatenllste aus; vre übrigen 24 gehörten der eigenen. Richtung an, aber zugleich .zu d.en geachretsten, angesehensten und bei allen.löblichen Bestrebungen in den Vordergrund tretenden Persönlichkeiten der Gemeinde. Es waren lauter Männer, die durch ihre Besonnenheit,, durch ihre langjährige Hingebung an alle öffentliche Interessen, durch ihr privates und öffentliches Wirken.die, sicherste^,.Bürgschaften gaben. Aber welch eine Hgnbchdaienliste-stellte