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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-31 · Heft 31 (31.7.1854) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 31 (31.7.1854)
Date
1854-07-31
Page
Seite 387 (sequence 5)
Language
German
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387 inon ist kürzlich die Ehre zu Theil geworden, von Sr. Majestät dem Könige in einer Privataudienz empfangen zu werben, nachdem ihm bereits vor derselben ein Schreiben von Seiten des Finanzmmisters zugegangen war, in welchem ihm eröffnet wurde, daß, obwohl Se. Majestät sonst niemals eine Zivilperson zu einer Audienz zulaffe, bei ihm doch -in-Folge seiner besonderen Verdienste um den Staat eine Ausnahme stattfinden sollte, indem eS Sr. Majestät Bedürfniß sei, ihm persönlich die allerhöchste Zufriedenheit und Anerkennung auszusprechen. Während der Audienz händigte ihm der König eine Medaille, auf welcher das Brustbild des Monarchen sammt den Namen der Königin, deS Kronprinzen und dessen Geschwister geprägt ist, mit dem Bemerken ein, daß er sie als einen besonder« Beweis seiner Huld und Gewogenheit recht sorgfältig aufbewahren und daß er fortfahren möge, dem Staate wie bisher mit Hingebung zu dienen. Im Laufe des Gespräches war auch von dem Ritus der Juden die Rede, und Se. Majestät fand es sehr erhebend, daß bei uns, wie überall, wo man den T:rü5t befolgt, am Neujahrstage das Sterbekleid .während deS Gottesdienstes getragen werde und erbat sich schließlich noch eine Abschrift der alten Uebersetzung deS rtfvran welche der Herr Obercommerzrath in seiner Privatsynagoge bewahrt und welche von dem ehemaligen Kammeragenten Meyer Michel David geschrieben ist. Wie überall, so giebt es auch hier eine Partei, die den Juden die erworbenen Rechte mißgönnt und namentlich daran Anstoß nimmt, daß in unserem Königreiche die Juden gesetzlich noch immer den Christen völlig gleichgestellt sind. Sie sucht daher in ihrem Organe, dem „neuen Volksfreunde," an ihnen fortwährend etwas zu mäkeln und sie zu beschimpfen. Aus eine ausführliche Widerlegung desselben kann man kaum sich einlassen, da wir wohl wissen, welche vergebliche Arbeit es ist, Mohren weiß waschen zu wollen. Man freut sich auch hier, daß das Curatorium der Fränkel'schen Stiftungen in BreSlau, unbekümmert um die Angriffe, die das von demselben in'S .Leben zu rufende Rabbiner-Seminar schon vor seiner Wirksamkeit erfährt, sich in der Ausführung seines Vorhabens durchaus nicht stören läßt und einen Baustein nach dem andern in das Gebäude fügt, welches hoffentlich dereinst, zum. Heile und zum Segen des JudenthumS dastehen wird. So haben wir mit Ver, gnügen vernommen, daß dasselbe bereits an die Gründung einer jüdischen Bibliothek für daS Seminar denkt und zu diesem Zwecke auch schon die Saraval'sche Bibliothek in Triest angekauft hat. WaS die gegen die Tendenz deS zu schaffenden Instituts von einer gewissen Seite her ausgesprochene Verdächtigung betrifft, so wird diese gewiß wenig Anklang finden und hat der künftige Leiter desselben, der ehrenhaft genug war, das ihm früher übertragene Amt eines Oberrabbiners in Berlin abzulehnen, weil es ihm, keine Gelegenheit bot, seine Kräfte zum Besten des Judeythums zu verwenden, dadurch daß er sich entschlossen hat, eine angenehme, ihm hinlängliche Muße und hohe Achtung gewährende Stellung aufzugeben und dafür eine scheinbar untergeordnete und mit mannichfachen Unannehmlichkeiten verbundene anzunehmen, die sicherste Bürgschaft gegeben, wie sehr es ihm darum zu thun ist, zur Erhaltung des jüdischen Glaubens beizutragen und wie bereitwillig er diesem jedes Opfer bringt *)♦. Wir schließen unfern diesmaligen Bericht mit der Mittheilung, daß nach hier eingegangenen brieflichen Nachrichten Sir Moses Montefior.e . gedenkt in diesem Jahre wiederum eine Reise nach Jerusalem anzutreten, und daß er den Herrn Oberrabbiner Dr. Adler eingeladen hat, ihn dorthin zu begleiten. Dreißigacker bei Meiningen, im Juli. (Privatmitth.) Das Judengesetz von 1811. ist wieder die Richtschnur, nach welcher unsere Verhältnisse behandelt werden. Man will den Handel der hiesigen Israeliten einschränken dadurch, daß nur Ein Sohn aus einer jüdischen Familie die Erlaubniß zum Handel erhält, die Freizügigkeit wird uns aber vorenthalten und darum auf der andern Seite der Zweck verfehlt, die jüdischen Staatsunterthanen den Handwerken zuzusühren. Einige hiesige jüdische Kaufleute, deren Geschäfte in dem eine halbe Stunde von hier liegenden Meiningen bestehen, suchten um die Erlaubniß nach, mit ihren Familien in Meiningen wohnen zu dürfen und erklärten, in keiner Weise auf den Genuß der Rechte eines städtischen Bürgers Ansprüche zu machen, eS dem Magistrate auch anheimstellen zu *) Dies ist nicht ganz so, wie der Herr Corresponbent meint, denn der Herr vr. Fr. hat das Rabbinat in Dresden sich Vorbehalten, und wird es in seiner Abwesenheit. vom.Herrn Dr. Landauer verwest. Redact.

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