Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1854)
- Date
- 1854-07-24
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
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372 Geldleihen an den Feind für Hochvexrath erklärt hat. Das ist für die Juden als Geschäftsleute von ungemeiner Wichtigkeit. * Denn nun steht der ganze chöhrere Geld- Verkehr auf einer andern Basis, und so wie ' das alte Wer- Lesystem fast überall der Nattonalwehr-Platz gemacht hat, so ist er den Händen deS bloßen Eigennutzes entwunden, und: man: wird im Comtöir- -auf der; Fondsbörse immer mehr fühlen : man sei Bürger eines Vaterlandes. Ferner: Humanität^ undeuropäische -Civilisationsind doch keine.leeren Worte,.sie .begründen^eine Solidarität, die doch noch weiter und tiefer greift, als.die verschiedenen Kirchen- Loosungen; und . endlich —. was die Juden noch ganz speciell betrifft — ^äonai ^ilaekemlaekem jve attem tacharischun!; , Die Naturwiffenschaften und der Aberglaube. Daß die Natürwiffenschäften eine der wirksamsten Waffen gegen den Aberglauben sind, wer weiß es nicht, und wie ost ist dies schon besprochen und erwiesen worden. Man erinnere sich z. B. nur der Kometen / welche so oft die Welt in namenlosen Schrecken versetzten, und zü den verkehrtesten Begriffen von Gott veranlaßtcn. Hat uns die Wissenschaft doch die Furcht selbst vor einem Zusammenstoß unserer Erde mit einem Kometen genommen; da zwar ein solcher Zusammenstoß wohl möglich ist, aber' ohne alle üble Folgen für unfern Wohnplatz sein würde, weil die Materie, aus welcher der Komet besteht, mindestens 20,000 Mal dünner ist, als unsere Lust, und nicht einmal aus Gas besteht, indem Gas den Lichtstrahl bricht und gleichzeitig schwächt, was die Kometenmaterie nicht thut. Und in der That befand sich unsere Erde am 26. Juni 1819 einige Stunden lang von kometarischer Masse umhüllt, nämlich in den äußersten Theilen deS Schweifes eines Kometen, ohne daß dieser Tag oder dieses Jahr in meteorologischer oder irgend welcher Beziehung etwas Außergewöhnliches gezeigt hat *); Man denke ferner nur an Astrologie, Alchymie, an den ganzen Apparat der Zaubereien und Hexereien, die sich vor dem Lichte der Naturwissenschaften in eine „natürliche Magie" gewandelt haben/ zur Ergötzung von Laien und Kinderm *) S. „Die Kometen-" von Hind, bearb. von Mädler. S. 205. 207. Aber „iss extremes se ronokent" — die Gegelisätze berühren sich/ die Naturwissenschaften führen auch leicht zum Aberglauben, oder doch Asterglaubew hin. " - . . Jüngst war in einer! sächsischen Zeitung/' deren Ansichten sonst wohl schwerlich die unsrigen find/ der Naturforsch l e r (denn ein besonn euer Naturfor sch er thüt es nicht) , welcher i die ganze Thätigkeit und' bas Wesen der Seele zu einem Elektro - magnetischen Proceß macht- und jener Bauer, der die Güte Gottes bewunderte, weil er vor jeder großen- Stadt' einen großen Fluß vorübergeführtzusammengestellt.: Und wir müssen gestehen, daß, so überraschend diese Zusammenstellung ist , wir sie dennochnicht ganz verwerfen können. Dieser Bauer läßt Gott Alles machen, und die Flüsse hinter die Städte herlaufen; jener Naturforschler läßt die Materie Alles machen, und den Gedanken und' den Willen hinter dem elektro-magnetischen Proceß -- herlaufen. Zuletzt kommt dies aus; Eines hinaus > und wir lachen nur über den Erstem allein, weil Jedermann ihn übersieht. So wiedie Naturwissenschaften die Geister-und Gespensterfurcht beseitigt haben, so führen sie leicht auf den Abweg: auch die Gottesfurcht zu beseitigen, und die Allmacht der Materie zu verkünden. Die Pincette und das Secirmesser erheben sich allzuleicht über Bibel und Vernunft/und die Retorte verflüchtigt und vergast gar zu gern mit den festen Körpern auch die ganze Geschichte der Menschheit. Es kann uns dies gar nicht wundern, eS ist dies die Wiederholung des alten Spiels, daß das Individuum, was eS treibtüber - die ganze Gattung zu setzenbereit, und der Mensch stets inden Gegensatz zu verfallen geneigt ist. - Du kannst in jedem physikalischen Cabinete leicht den Versuch anstellen, daß Du irgend ein größeres Stück Eisen mit einem durch Ueberzug gehörig isolirten Kupferdraht spiralförmig umwindest, so daß nur die Enden des Eisenblocks frei hervorragen, daß Du ferner den starken Strom einer galvanischen Batterie durch diesen Draht leitest- und wirst nun-unmittelbar gewahr, daß mit einem Male dieses Eisen zu einem Magnet geworden ist, der mit Leichtigkeit ein Gewicht von vielleicht mehr als hundert Pfund aufhebt und festhält; es wird jedoch genügen, den Draht an der Batterie auszuhängen und den galvanischen'Strom dadurch zu unterbrechen, und das Gewicht fällt sogleich wieder ab, das Eisen - Hat -aufgehört ein Magnet zu sein, kann aber gleich'!wieder dazu gewacht werden, indem man die Sttömung erneuert. — Diesem Proteste hat man nun den Akt an die Seite gesetzt, durch