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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-17 · Heft 29 (17.7.1854) · p. Seite 365

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 29 (17.7.1854)
Date
1854-07-17
Page
Seite 365 (sequence 9)
Language
German
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365 Hochdaffelbe hat namentlich ersehen, daß in NikokSburg und Trebitsch Schulbibliotheken mit erprobten Jugendschristen errichtet, und daß in Mißlitz und Austerlitz die Schulen erweitert wurden, daß die Jsraelitengemeinde in Kanitz ihre Schule zu erweitern anstrebt, und jene in Lundenburg eine neue Schule zu errichten bemüht ist. Nach der weitern Bemerkung des hohen Ministeriums dürste die Mangelhaftigkeit des ReligionS-UnterrichtS in den deutsch-jüdischen Schulen mit der Zeit sich beheben, da die Gemeinden selbst auf die Verbesserung desselben Bedacht nehmen. Mittlerweile sei darauf zu sehen, daß die Lehrer die biblische Geschichte mit vorzüglichem Fleiße behandeln, und den Religions-Unterricht nicht blos auf einige moralische Regeln, die sie aus dem vorgeschriebenen Lehrbuche herausheben — beschranken. Dem Unfuge der in die israelitischen Gemeinden sich eindrängenden Privatlehrer wird, nach dem weitern Bemerken deS hohen k. k. Ministeriums am sichersten durch die fortschreitende Verbesserung der öffentlichen Schulen entgegen gewirkt; übrigens sei auch darüber zu wachen, daß kein Privatlehrer irgendwo geduldet werde, der sich nicht über ein unbescholtenes, sittliches und bürgerliches Verhalten und über die Befähigung zum Lehrfache auszuweisen vermag. Individuen, welche ohne vorausgegangene Anmeldung Privatunterricht ertheilen, oder wohl gar Kinder mehrerer Familien versammeln, um sie gemeinschaftlich zu unterrichten, seien nach Vorschrift der politischen Schulversassung §. 128 und 344 zu behandeln. Gegeben im bischöflichen Consistorium zu Brünn am 13. October 1853. Anton Ernst m. p., Bischof." Reben den Genannten giebt es noch eine große Zahl von Gemeinden, wie zu Boskowitz, ProSnitz, Gaya, Pohrlitz, wo seit längerer Zeit bereits Schulen mit gutem Erfolge bestehen, welches genügend darthut, wie an eine tüchtige. Regeneration der Judenhest wacker gearbeitet wird. Aber ein völlig neues Leben, des raschen Aufschwunges bietet unsere Gemeinde dar.. Hier,, wo man vor Kurzem noch rufen konnte:, mum yma," wo der Zustand deS Gotteshauses und Gottesdienstes von außen und inanen im, Argen lag, herrscht nun in dem neu renovirtw GoiteShause die beste Ordnung, ein geregelter und. gut geschulter Chor, geleitet von unfern, braven Cantoo LasarGutselb, verwaltet den Gottesdienst m einer erhebenden Weise, und seit der Ankunft unseres Ober- und Religionslehrers Herrn David Löwy auS Eidlitz in Böhmen ist auch Gottes Wort nicht mehr selten. Doch bei diesem Manne angelangt, muß ich zuerst der Schule, deren Leitung er übernommen, gedenken. Wer den verwahrlosten Zustand unserer Jugend gekannt, und ihre äußere und innere Entsittlichung oft mit betrübtem Herzen wie wir wahrgenommen, und jetzt sich dieselbe betrachtet, ihre rein deutsche Sprache hört, ihren Lerneifer gewahrt, fürwahr! nur der vermag die Verdienste deS besagten Herrn Löwy genügend zu würdigen. Mit seiner Ankunft in unserer Gemeinde beginnt eine neue Aera. Noch ist eS kaum über ein halbes Jahr seit dem Bestände der Schule, und schon besitzt sie eine hübsche Jugendbibliothek, in der die von Ihnen, geehrtefter Herr Redacteur, empfohlenen Werke besonders berücksichtigt wurden, und die Resultate, die die erste Semestral- Prüfung am 16. vergangenen Monats dargethan, waren nicht nur höchst befriedigend, vielmehr die kühnsten Erwartungen übertreffend. Mit Beginn deö Sommerkurses ward eine Kleinkind erbewahrschule eröffnet, die Gegenstände der Schule, durch Aufnahme neuer, wie Mischna, Erd- und Naturkunde vermehrt, und so gewinnt diese segensreiche Anstatt immer mehr an Ausdehnung', und berechtigt uns zu den schönsten Hoffnungen einer sich herrlich gestalteten Zukunft. Von den Leistungen des Herrn Löwy als Prediger könnte ich Ihnen ein ähnliches Bild entwerfen; mächtig strömt das Wort Gottes von den Lippen ihm, begeistert und begeisternd, und es ist kein Einziger, der nicht befriedigt stets des Tempels Hallen verläßt. So hat er am ersten Pessachtage in einer Predigt die Jünglinge zu einem Vereine zur Erlangung jüdischen Wissens ausgefordert, und schon hat sich unter dem Namen „ri-idrsn tr^inn" ein solcher gebildet, in dem er allsabbatlich Vorträge halt. Zu einer Sammlung für Arme> wozu er die Gemüther angeregt, war das Evgebniß ein glänzendes,, welches nachstehende Zuschrift dev hohen Statthalterei am deutlichsten darthut: „Indem ich mit dem Berichte vom 21. April k. I. Z. 6802 der Kanitzer Jsraelitengemeindo aus Anlaß der allerhöchsten VermählungSfeier Sr. k> h apostolischen Majestät an den Tag gelegte wohlthätige und patriotische Handlungsweise durch Widmung-eines Betrages von 110 Fl. C.-M. zu wohlthLtigen Zwecken 29

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