Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1854)
- Date
- 1854-07-17
- Page
- Seite 363 (sequence 7)
- Language
- German
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363 Wahl solcher Männer wirken, die entweder durch ihre bisherige Thätigkeit ihre besondere Befähigung zur Verwaltung öffentlicher Aemtcr bethätigt, oder deren erprobter Glaubensmuth und festes Verharren an ihrer religiösen Ueberzeugung Garantie für ein segensreiches, der Wohlfahrt der Gesammt-Gemeinde gewidmetes Wirken bietet." Dann ferner fordert das Comite auf 30 von demselben vorgeschlagene Männer (aber ohne die geringste Abänderung) zu wählen. Man fleht, wie die guten Herren auch nur eine einzige oppositionelle Stimme fürchten und fürchten müssen, denn eine solche einzige wäre der Funke, der die Flamme der Vernichtung über ihr Gebäude hereinbrächte. Obwohl die 30 Männer noch nicht genannt sind, so sind sie doch schon durch das Comite selbst ihrer Richtung nach vollkommen charakterisirt. .Das Programm schließt mit der bombastischen Phrase: „Ein Jeder bedenke, daß nur im vereinten Wirken Frieden und mit ihm Segen und Gedeihen für unsere leider seit Jahren zerklüftete Gemeinde zu finden ist." Also daS ist der Weg, die Zerklüftung aufzuheben; eine Partei vereinigt sich, um Männer ihrer Fraction an die Spitze zu bringen und diese den übrigen Gemeindemitgliedern Widersprechenden sollten die Spaltungen lösen können! — Viel befriedigender ist das zweite Wahlprogramm, das von dem zweiten der genannten Wahleomitö's ausgeht. Nachdem dasselbe auf die wichtigen zu erwartenden Resultate der Constituirung einer Synagogengemeinde aufmerksam gemacht hat, schlägt eö solche Männer vor, deren Verdienste um die Gemeinde, deren Bildung und Stellung die sichere Gewähr leisten: „daß in der Verwaltung der religiösen Angelegenheiten eine von lauem Jndifferentismus und einseitiger Parteileidenschaft gleichweit entfernte, besonnene Mäßigung vorherrschen wird." Und eS soll auS der Gemeindevertretung keine der religiösen Richtungen ausgeschlossen sein, damit Ln derselben „die Bürgschaft für eine gerechte, unparteiische Verwaltung gegeben sei, eine Verwaltung, deren Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein solldie eine und ganze Gemeinde in Frieden und Eintracht zusammen zu halten, ihre ehrwürdigen Institute zu fördern und zu erweitern, und der Pflege wahrhaft religiöser Interessen eine Stätte zu bereiten." Wie ganz anders klingt das! Natürlich steht auch der Sieg dieser, so humanen Partei sicher zu erwarten. — Die jüdische Gemeinde in Oppeln hat auf Anregung ihres Rab- <r blners, Herrn'vr. Wiener, dem hiesigen Rabbiner -Pe? minar eine Unterstützung für hülfsbedürftige Seminaristen zugesagt. Dieses löbliche Beispiel wird in weitern Kreisen gewiß die wohlverdiente Nachahmung finden. 6. —. Indem ich mich jetzt der löblichen Redaction nenne (vergl. Nr. 25 d. Ztg.), habe ich nur zu bemerken, daß es fern von mir war, irgend eine Vexlaumdung auszusprechen. Nur das Mißverhältniß schien mir bei dem Seminar der Rüge werth, daß den Schülern die strengste, fast klösterliche Disciplin angesagt ist, nach den genauesten Vorschriften des Schulchan aruch, während die Lehrer selbst öffentlich denselben sich entziehen. 6. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 25. Juni. (Privatmitth.) Diese Woche starb hier nach kurzem Leiden Herr Sigmund Edl. v. Wertheimstein, Direktor der prjvilegirten österreichischen Nationalhank, königlich spanischer Consul, Ritter des königl. spanischen Ordens Carl III., Chef des k. k. privilegirten Großhandlungshauses Hermann v. Wertheimstein. Er gehörte zu den Männern, die sich durch ihre Rechtlichkeit allgemeine Achtung erwarben. ES ist gewiß bezeichnend, daß er, der Jude, spanischer Consul war und spanische Orden hatte. Herr Mannheimer hob das auch in der Leichenrede hervor; der spanische Gesandte war auf dem Gottesacker dabei anwesend. Herr v. Wertheimstein, dessen Frau ihm bereits vor einigen Jahren vorangegangen ist, starb kinderlos und hinterließ fein Vermögen, wie es heißt, 1,200,000 Gulden C-M., seinen nächsten Anverwandten. Die wohlthatigen Stiftungen machen eine bedeutende Summa aus. ES sind Wische wie christliche Institute bedacht, versteht sich, erstere in viel größerem Maßstabe. 5000 Gulden sind darunter bestimmt als Stipendium an Künstler, Studirende der Medicin und.Rabbinats-Candidaten, jeden daher mit 80 Gulden jährlich. ES ist daS jedenfalls bemerkenswerth, daß die reichen Herren jetzt auch an die Rabbinats-Candidaten denken. Ferner sind, dje Interessen von 3000 Gulden an jüdische Handwerksgesellen an dem Sterbetage zu vertheilen. Der Tempel erhält 1000 Gulden mit der Bedingung, bei ‘tstj? nnsia: genannt zu werden; Kinderbewahranstalt und Frauenverein jede 800 . Dulden; das Spital 300 Grhl?