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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-17 · Heft 29 (17.7.1854) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 29 (17.7.1854)
Date
1854-07-17
Page
Seite 362 (sequence 6)
Language
German
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Hers wirkende Kräfte sowohl vertreten als begünstigt wird, hat vor Kurzem ihren neuen Tempel in dem königlichen Schloß-Gebäude Monbijou eingeweitzt, und sie ist damit örtlich ihrem Objecte näher gerückt. Schloß Monbijou liegt in der Nähe desjenigen Stadttheils, welcher die meisten jüdischen Einwohner und ihre Sammelplätze enthält, und es konnte der Mission erlaubt sein zu hoffen, daß die Frequenz bei der englischen Predigt steigen wird, da viele junge Personen jetzt nur wenige Schritte zu dem Gotteshause haben, wo sie —-die englische Sprache und namentlich Aussprache zu ihrer Uebung hören. Der gelehrte Dr. B., welcher mit großer Belesenheit und kritischer Kraft die alten Waffen des Talmud christianisirt und in Missions-Unternehmungen verthut, der wird freilich sagen, daß auch diejenigen, welche mehr durch linguistische Lernbegierde, als durch Andacht die Zuhörerschaft schwellen, später schon für den Empfang der Taufe reifer werden, denn: *6« “pna srjöiöb 82 rmvib. Indessen sollen doch die Geschäfte der Mission in letzter Zeit nicht in dem Maße geblüht haben, als man es zu vermuthen berechtigt war*). Die Concurrenz ist so schrecklich, die Concurrenz mit der besser bezahlenden Neuorthodorie, welche auch sonst achtbare Personen zum Uebertritt aus dem Judenthum verleitet, sie hatte ja in der verflossenen Zeit Aemter, Stellen, Pfründen, Jahrzeiten, Schiurim, Zulagen, Vorlesungen, Remunerationen, Freundschaften, Schwägerinnen, Empfehlungen, Blumen, Weihrauch u. dergl. an die Renegado's zu vergeben! Auch hat die Neuorthodorie noch den Vortheil vor ihrer Nebenbuhlerin voraus, daß ihre Proselyten noch äußerlich den Namen „Juden" behalten und bei den Angehörigen nicht für ausgesprochene Apostaten gelten, so handgreiflich auch ihr Abfall vom Judenthume ist. — Bei der Bi schon - Stiftung, aus welcher emeritirte Lehrer bis 200 Thaler Pension erhalten, wurde vor einigen Tagen der Vorstand durch eine Neuwahl ergänzt, und sie fiel auf den Schulvorsteher Piek mit glänzender Majorität. Piek ist der erste Jude im Vorstände dieser Stiftung, welche zwar auch jüdische Lehrer unterstützt, aber bisher Juden vom Eintritt in ihre Verwaltung fern hielt. — Der Brüderverein feierte *) Klagt doch die N. Pr. Ztg. (vulgo Kreuzzeitung) gewaltiglich über den Verfall der Judemnifsionsvereine seit 1848. Redaction. vor Kurzem in inniger Pietät den sich jährenden Todestag des Predigers Dr. I. Auerbach, wobei Dr. Stern als Redner fungirte. Derselbe hielt auch die Trauerrede beim Begräbniß der Frau Amalie Beer. — Unser neuer Gemeinde-Vorstand wird im Laufe dieses Monats die Zügel der Verwaltung ergreifen, vorher aber muß noch ein neues Mitglied gewählt werden, da Geheimer Commercienrath I. W.. Meyer jetzt definitiv das Amt abgelehnt hat. Dieser Mann hat beim letzten Umschwünge in der Gemeinde die oft wiederholte Erfahrung gemacht, daß in bewegten Augenblicken die Halbheit mit Abfall bestraft wird. Er hat seit der Herrschaft der Neuorthodorie mit ihr fraternisirt, zu ihren Uebelthaten geschwiegen, obgleich er durch seine Stellung und als Repräsentant vieles verhindern und vieles, fördern konnte. Da er jedoch oft genug sich zur Höhe des Begriffes von der Würde der Gemeinde Mendelssohns erhob, so konnte er freilich sich nicht zur Unterschrift aller Maßregeln herablaffen, und man strafte ihn dafür mit gänzlicher Entziehung ihrer Gunst. Von der Partei verlassen, fiel er bei der Repräsentantenwahl ganz durch, und bei der Vorstandswahl erhielt sein Name die Majorität, sein Stolz aber die Minorität, und es scheint, daß die Kränkung deS Letztem den maßgebenden Einfluß auf seinen Entschluß geübt hat, der für das Wohl der Gemeinde zu bedauern ist, da Herr Meyer sich eben vom Fabrikgeschäft zurückgezogen hat, und seine Aufmerksamkeit mit unbedingterer Unabhängigkeit dem öffentlichen Wirken hätte widmen können, und da er nut dem wieder eintretenden, ihm befreundeten Dr. Rubo in Verbindung den Geist der neuen Verwaltung kräftig hätte unterstützen können. F. Lt. Breslau, 29. Juni. (Privatmitth.) Die zur Ansicht und eventuellen Reclamation auSgelegten Listen der Wahlberechtigten zählen circa 1700 Namen, ohne die noch durch Reclamation hinzukommenden. Man faßt hier allerdings die Wichtigkeit dieses Moments allgemein auf und mit einem in einer jüdischen Gemeinde ungewöhnlichen Eifer interessiren sich fast alle Mitglieder der Gemeinde für diese Sache. So bildeten sich denn zwei Wahlcomite's: ein „conservativ-jüdisches" und ein „zur Begründung einer einigen Gesummt-Gemeinde wirkendes." Das erste stellt ein Programm auf, worin es heißt: es wolle „fern von aller Selbstsucht und kleinlicher Eigenliebe für die

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